Vor allem der Handel freut sich

Lust und Kritik am Kult um Halloween: Dieser Brauch scheidet die Geister

Kürbisse mit geschnitzten Gesichtern, Hexenkostüme und schaurige Accessoires: Am Reformationstag und in der Nacht zu Allerheiligen feiern Kinder und Jugendliche seit einigen Jahren auch in Deutschland Halloween. Das lässt die Kassen klingeln – in mehreren Branchen. Aber es gibt auch kritische Stimmen.

Manche ziehen in der Dämmerung als Geister, Monster oder Hexen verkleidet durch die Straßen. Andere vergnügen sich auf speziellen Partys, mit Totenköpfen aus Plastik oder ausgehöhlten leuchtenden Kürbissen.

Viele Kinder und junge Menschen feiern in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November den Grusel-Brauch Halloween – parallel zum protestantischen Reformationstag.

„Ich bin der Meinung, man sollte vor allem cool bleiben“, sagt Manfred Becker-Huberti, Professor für Kirche und Kommunikation an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar bei Koblenz. „Brauchtum ist lebendig. Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, das lässt sich nicht steuern.“

Die Theologin Margot Käßmann sieht manches daran kritisch. „Die Kürbisse stören mich nicht, aber der Kult, der darum gemacht wird“, erklärt die Botschafterin des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für das Reformationsjubiläum 2017. Man solle sich daran erinnern, dass die Karnevals- und Spielwaren-Industrie den Halloween-Kult mit einer massiven Werbekampagne mit der Begründung eingeführt habe, sie müsse Defizite ausgleichen, die 1991 aus der Absage von Karnevalsveranstaltungen wegen des Irakkriegs entstanden seien. Die Süßwaren-Industrie mache heute an Halloween nach Weihnachten und Ostern ihren größten Umsatz: „Insofern geht es dabei also nur um Geld“, sagt die frühere hannoversche Landesbischöfin und ehemalige EKD-Ratvorsitzende Käßmann.

Das sieht auch Becker-Huberti so. „Der Brauch ist durch und durch kommerzialisiert.“ Für viele junge Menschen habe Halloween aber ohnehin keine tiefere Bedeutung: „Sie wollen einfach nur eine Art Winterkarneval feiern. Mit theologischen Inhalten hat das nichts zu tun.“

Der Halloween-Trend in Deutschland verspricht der Wirtschaft tatsächlich auch in diesem Jahr kräftige Zusatzgewinne. Im vergangenen Jahr lagen die Umsätze mit Halloween-Artikeln bei schätzungsweise 200 Millionen Euro, wie die Fachgruppe Karneval des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie (DVSI) mitteilte. Allein 28,9 Millionen Euro erwirtschafteten die Unternehmen der Fachgruppe im vergangenen Jahr mit Kostümen, Perücken, Hüten, Schminksets und weiteren Accessoires - eine Million Euro mehr als im Vorjahr.

Auch die Süßwarenindustrie profitiert vom Gruselfest Ende Oktober: Rund zehn Millionen Euro Umsatz entfallen auf Süßigkeiten, die speziell für das Grusel-Fest kreiert werden.

Wie beliebt Halloween inzwischen hierzulande ist, zeigt sich auch beim Anbau von Kürbissen. Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass 2015 in Deutschland 70.000 Tonnen Speisekürbisse geerntet wurden – rund 17 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Hinzu kommen zahlreiche Kürbisse, die aus anderen Ländern importiert werden.

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Schon gewusst? Fakten zu Halloween

Kelten, Iren und die USA

Halloween hat seinen Ursprung in einem Brauch der Kelten. In ihrer Mythologie kehren an diesem Tag Verstorbene aus dem Totenreich zurück und ziehen mit Geistern und Dämonen umher. Irische Einwanderer brachten den Brauch im 19. Jahrhundert in die USA, von dort kam er später nach Europa zurück. Gefeiert wird Halloween am 31.Oktober, dem Vorabend von Allerheiligen. In den USA gehören Umzüge, gruselige Streiche und Partys seit langem zum Festtag. In Deutschland war Halloween bis vor einigen Jahren kaum bekannt. Inzwischen fordern auch hier viele verkleidete Kinder an den Türen „Süßes oder Saures“.

Das Wort Halloween

Es leitet sich ab von dem englischen „All Hallow’s Eve“, dem Abend vor Allerheiligen.

Der Kürbis

Der „Jack o’Lantern“, der ausgehöhlte Kürbis mit eingeschnitzter Fratze, geht möglicherweise auf eine irische Legende zurück: Der Nachtwächter Jack schaffte es, kurz vor seinem Tod dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Er ritzte ein Kreuz in die Rinde eines Baumes, und der Teufel saß im Geäst fest. Dennoch erhielt Jack vom Teufel ein Geschenk, nämlich eine glühende Kohle in einer ausgehöhlten Rübe als Wegbeleuchtung ins Totenreich.

Luthers Reformation

Evangelische Christen feiern am 31. Oktober den Beginn der kirchlichen Erneuerung (Reformation) durch Martin Luther (1483-1546). Am 31. Oktober 1517 soll er seine 95 Thesen zu Buße und Ablass an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Der darin kritisierte Sündenerlass gegen Geld sollte die Erneuerung des Petersdoms in Rom finanzieren. Luther sah im Ablasshandel einen Missbrauch und rief zur Rückbesinnung auf die biblischen Grundlagen des Evangeliums auf.

Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen setzte ab 1667 – also 150 Jahre nach der Reformation - den 31. Oktober als Gedenktag fest.

2017 überall Arbeitsfrei

Der Reformationstag ist in den östlichen Bundesländern, nicht aber in Berlin und im alten Bundesgebiet gesetzlicher Feiertag. In Thüringen wird er in überwiegend evangelischen Gemeinden als gesetzlicher Feiertag begangen.

Zum 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober 2017 wird der Tag einmalig bundesweit arbeitsfrei sein

Rubriklistenbild: © dpa

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