Am Münchner Flughafen

Maddie bei deutscher Familie gesehen?

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Ein am Computer bearbeitetes Bild zeigt, wie die heute neunjährige Maddie inzwischen aussehen könnte

München - Ein Deutscher behauptet, am Münchner Flughafen verschwundene Maddie McCann gesehen zu haben. Es existiert sogar ein angebliches Beweisfoto. Doch seine Aussagen werfen Zweifel auf:

Es ist eine äußerst fragwürdige "heiße Spur": Ein 42-jähriger Deutscher ist in der letzten Augustwoche von einem Ibizaurlaub nach Hause geflogen. Schon in einem Bus am Flughafen in Spanien sei dem Mann das sieben bis zehn Jahre alte Mädchen aufgefallen, das mit einer deutschen Familie unterwegs war, berichtet die britische "Sun" unter Berufung auf Aussagen des Deutschen. "Sie hat überhaupt nicht zu der Familie dazugepasst. Ihr Vater war offensichtlich ein Deutscher, so wie ihre zwei Brüder auch - beide waren etwa zehn bis zwölf Jahre alt -, aber ihre Mutter schien eine Britin zu sein", zitiert das Onlineportal der Zeitung den 42-Jährigen. Alle hätten Deutsch gesprochen, nur das kleine Mädchen nicht. Angeblich sprach es Englisch mit britischem Akzent.

Weil dem Mann das offenbar alles seltsam erschien, soll er seine Kamera gezückt haben, um ein Beweisfoto zu machen. Die "Sun" zeigt das völlig verschwommene Bild, auf dem ein Mädchen zu erkennen ist, das auf dem Schoß einer Person sitzt und sich am Fensterrahmen des Busses abstützt.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

Zufällig sei die Familie später im selben Lufthansa-Flugzeug nach München gesessen, zitiert die "Sun" den Deutschen weiter. Dort habe er die Gelegenheit gehabt, das Mädchen genauer zu beobachten. Er habe gesehen, wie das Mädchen von den zwei Jungs der Familie "seltsam angefasst" wurde. Die Mutter hätte sich gar nicht für das Kind interessiert und während des ganzen Fluges kein Wort gesprochen. Und das Mädchen selbst schien sehr nervös und habe gestottert.

Nachdem einige Freunde dem Deutschen Informationen der "Sun" zufolge bestätigt hätten, dass das Mädchen auf dem Foto Maddie ähnlich sehe, meldete der Mann sich offenbar bei Scotland Yard. Die britische Polizeibehörde bestätigte zwar, dass sie neue Informationen zum Fall Maddie erhalten habe, wollte jedoch keine Details nennen.

Münchner Flughafen- und Bundespolizei weiß von nichts

Doch die vermeintliche Sichtung der seit 2007 verschwundenen Maddie ist weder wahrscheinlich, noch sonderlich glaubwürdig. Bei der Flughafen- und Bundespolizei in München weiß man jedenfalls von nichts, berichtet die "Augsburger Allgemeine" auf ihrem Onlineportal. Auf dem angeblichen "Beweisfoto" lässt sich außerdem das Gesicht des Mädchens kaum erkennen, denn es liegt im Schatten. Ein Vergleich mit Maddie ist deshalb kaum möglich.

Eine weitere Ungereimtheit: Gegenüber dem Onlineportal der "Augsburger Allgemeinen" behauptete der 42-Jährige, er habe einer Veröffentlichung von Artikeln nie zugestimmt. Der "Bild"-Zeitung bestätigte er jedoch am Freitag seine Aussagen, die er gegenüber der spanischen Lokalzeitung "The Olive Press" gemacht hatte. Diese wiederum hatte die britsche "Sun" übersetzt und weiterverwertet. Auch das Foto liegt der "Sun" offenbar vor. Doch warum stand der Deutsche den Medien so ausführlich Rede und Antwort, wenn er mit seiner Beobachtung nach eigener Aussage gar nicht an die Öffentlichkeit gehen wollte? Und wieso spielte er der Presse sein Beweisfoto zu?

Einziger Anhaltspunkt, der für den Verdacht des Deutschen spricht, ist ein ähnlicher Fall im Mai 2012. Bereits damals soll ein Mädchen, das Maddie angeblich ähnlich sah, zusammen mit einer deutschen Familie mit zwei Söhnen gesichtet worden sein. Maddie McCann verschwand 2007 im Alter von vier Jahren bei einem Familienurlaub in Portugal. Seitdem sucht die Polizei international vergeblich nach dem Kind.

pie

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