Noch immer vermisst

Fall Maddie McCann: Neueste Erkenntnisse - Ermittler sind zu „100 Prozent sicher“

Das Foto vom 12.05.2007 zeigt die kleine Madeleine McCann (Maddie), die in Praia da Luz in Lagos, Portugal, spurlos verschwand.
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Maddie McCann wird seit 2007 vermisst. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie nicht mehr am Leben ist.

Seit vierzehn Jahren wird Maddie McCann vermisst: Ist der Fall bald abgeschlossen? Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, den Täter zu haben.

Kassel/Braunschweig – Neigt sich der Fall Maddie McCann bald dem Ende zu? Die Ermittler sind sich zumindest zu „100 Prozent sicher“, den Täter zu haben. „Wir sind zuversichtlich, dass wir den Mann haben, der sie entführt und getötet hat“, sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft in Braunschweig der britischen Zeitung The Mirror. Beim Verdächtigen handelt es sich um den Deutschen Christian B.

Zwar gebe es keine handfesten Beweise für den Tod von Maddie McCann, erklärte Wolters – dafür aber Indizien, die Christian B. zum Hauptverdächtigen machen. Madeleine „Maddie“ McCann war 2007 bei einem Urlaub im portugiesischen Praia da Luz verschwunden, kurz vor ihrem vierten Geburtstag. Der Fall zog weltweit Aufmerksamkeit auf sich.

Maddie McCann: Prozess könnte nächstes Jahr beginnen

„Ich kann nicht sagen, auf welcher Basis wir davon ausgehen, dass sie tot ist. Aber für uns gibt es keine andere Möglichkeit. Es besteht keine Hoffnung, dass sie lebt“, meint Wolters. Nun bittet er die Eltern von Maddie, Kate und Gerald McCann, geduldig zu sein. Er erwarte, dass der Fall nach einem Prozess im nächsten Jahr abgeschlossen wird. „Wir haben weder einen Körper noch DNA, aber wir haben andere Indizien. Basierend auf den Indizienbeweisen, die wir haben, lässt sich kein anderer Schluss ziehen.“

Da Christian B. bereits wegen einer anderen Straftat im Gefängnis sitzt, sei der Druck auf die Ermittler nicht allzu groß, behauptet Wolters. B. soll im Jahr 2005 eine 72-jährige Amerikanerin in ihrer Wohnung im portugiesischen Ort Praia da Luz vergewaltigt haben – derselbe Ort, in dem Maddie McCann im Urlaub verschwand. Zu der Zeit lebte B. dort in einem Wohnmobil. Er steht bereits seit 2017 im Visier der britischen und deutschen Justiz. Allerdings wurde dies erst im vergangenen Jahr öffentlich gemacht. B. bestreitet die Vorwürfe und weigert sich, mit den Ermittlern zu sprechen. Sein Anwalt hatte die Ermittler scharf kritisiert.

Maddie McCann vermisst: Ermittler bei Tatverdächtigem zu „100 Prozent sicher“

Zu den Indizienbeweisen, über die die Ermittler verfügen, gehört ein „Geständnis“, das Christian B. gegenüber einem Freund abgelegt haben soll. Eine Analyse der Telefondaten zeige, dass B. im Zeitraum des Verschwindens von Maddie im „Ocean Club“, einer Ferienanlage im Ort, war. Nach diesem Freund suche man noch immer.

„Es handelt sich um Indizienbeweise, keine wissenschaftlichen Beweise“, stellt Wolters im Interview mit The Mirror klar. Diese sollen Maddie McCanns Eltern allerdings nicht gezeigt werden. Sie würden ansonsten keine Hoffnung mehr haben, erklärt der Staatsanwalt. „Wenn wir ein Video der Tat oder ein Foto mit der toten Maddie und [B.] hätten, müssten wir keinen öffentlichen Aufruf starten. Aber wir haben nur Indizienbeweise.“ Etwas, das Christian B. entlastet, habe man ebenfalls nicht.

Maddie McCann vermisst: Staatsanwalt kritisiert Behörden in Portugal

Der Staatsanwalt kritisiert auch das langsame Vorgehen der portugiesischen Behörden und unterstellt mangelndes Interesse, weil sowohl das Opfer als auch der Hauptverdächtige nicht aus Portugal sind. „Was in Deutschland eine Woche dauert, kann in Portugal sechs Monate dauern“, fügte er hinzu. Die Kooperation mit den britischen Ermittlern verlaufe deutlich besser.

Zu Beginn der Ermittlungen hatte die portugiesische Polizei Maddies Eltern Kate und Gerald McCann verdächtigt, ihre Tochter versehentlich getötet und die Leiche entsorgt zu haben.

In Deutschland zieht aktuell ein weiterer Fall Aufmerksamkeit auf sich. Milina K. aus Brandenburg wird vermisst – ihr Vater wandte sich mit einem Foto vom Tag ihres Verschwindens an die Öffentlichkeit. Im Fall eines vermissten Jungen aus dem Kreis Kassel hat die Polizei gute Nachrichten. (lrg)

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