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Fall Maddie: Investigativ-Team entdeckt neue Spuren zu Christian B. - „Er hat zwei Seiten“

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Von: Alina Schröder

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Wird seit 2007 vermisst: Maddie McCann verschwand in Portugal spurlos. Ein Investigativ-Team von Sat.1. entdeckt nun neue Spuren zum Verdächtigen Christian B. (Archivbild)
Wird seit 2007 vermisst: Maddie McCann verschwand in Portugal spurlos. Ein Investigativ-Team von Sat.1. entdeckt nun neue Spuren zum Verdächtigen Christian B. (Archivbild) © Luis Forra/dpa

Der Fall Maddie McCann ist bis heute unklar. Jetzt entdeckt ein Sat.1-Team neue Hinweise - die zu dem verdächtigen Christian B. führen.

Kassel – Es sind bereits 15 Jahre vergangen, seitdem die damals dreijährige Madeleine „Maddie“ McCann aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz spurlos verschwand. Bis heute ist den Behörden nicht klar, was mit dem Mädchen wirklich passiert ist. Seit Juni 2021 wird aber zunehmend ein Mann verdächtigt: Christian B., ein verurteilter Sexualstraftäter aus Deutschland, könnte Maddie entführt haben.

Ein Investigativ-Team des TV-Senders Sat.1 um Journalistin Jutta Rabe beschäftigte sich intensiv mit dem Fall Maddie und stellte umfangreiche Recherchen an. Senderangaben zufolge erhärten diese den Verdacht, dass Christian B. der mutmaßliche Täter ist. In der Dokumentation „Sat.1 investigativ: Neue Spuren im Fall Maddie. Ist der Deutsche Christian B. der Täter?“, die am Montagabend (31.01.2022) ausgestrahlt wurde, wird die Arbeit des Reporterteams gezeigt. In dieser kommen nicht nur Bekannte von B. zu Wort, sondern auch er selbst äußert sich zu den Verdachtsvorwürfen.

Fall Maddie: Investigativ-Team von Sat.1. recherchiert zu Christian B.

Was den Behörden bislang bekannt ist: Das englische Mädchen Maddie war zusammen mit ihren Eltern und ihren jüngeren Geschwistern 2007 in Portugal im Urlaub. Am Abend des 3. Mai verschwand Maddie aus einem Appartement der Ferienanlage Ocean Club in Praia da Luz, die Eltern waren zu dem Zeitpunkt nicht in der Unterkunft. Anschließend begann eine großangelegte Suchaktion, die sogar über die Grenzen Portugals hinausging. Nachdem diese fehlgeschlagen war, vermutete die Polizei zunächst, dass Maddie Opfer von Menschenhandel geworden war. Auch die Eltern wurden verhört und später selbst verdächtigt. Erste Ermittlungen ergaben allerdings nichts.

Etliche Menschen wurden im Laufe der Jahre verhört, aber auch eine internationale Suchkampagne der McCanns blieb ohne Erfolg und die Hoffnung auf ein Lebenszeichen des Mädchens wurde immer geringer. Im Juni 2020 meldete sich schließlich die Braunschweiger Staatsanwaltschaft und gab bekannt, dass sie gegen den 43-jährigen Christian B. aus Deutschland wegen Verdachts des Mordes im Fall Maddie* ermittele.

Laut Sat.1-Recherchen ist der Mann im Jahr 2007 als Drogendealer an der Algarve tätig gewesen. Auch soll er öfter im Ocean Club in Praia da Luz gewesen sein. Eine Analyse der Funkzellenreichweite habe zudem ergeben, dass B. in der Nacht des Verschwindens vor Ort gewesen sein müsste.

Ausschnitt der Sat.1-Doku zum Fall Maddie McCann

„Ich trau‘s ihm zu“: Bekannte äußern sich in Sat.1-Doku zu Christian B. im Fall Maddie

Die gesammelten Erkenntnisse des Investigativ-Teams von Sat.1 seien schließlich der Staatsanwaltschaft Braunschweig zur Verfügung gestellt worden. Dort werde man die Ergebnisse der Recherchen genau prüfen. „Es gibt Zeugen, die vielleicht lieber mit Medienvertretern sprechen als mit uns oder der Polizei. Wenn sich daraus entsprechende Ansätze ergeben, gehen wir diesen natürlich nach,“ sagte Pressesprecher Hans Christian Wolters.

Auch äußerten sich Bekannte des Verdächtigen in der Reportage. Ein Zeuge, der auch in Portugal lebt, nannte ihn einen „Psychopathen“. Er könne sich daran erinnern, Aufnahmen von ihm gefunden zu haben, auf denen ein festgebundenes Kind missbraucht wird. Bezüglich des Fall Maddie sagte er: „Ich trau‘s ihm zu.“ „Er hat zwei Seiten“, sagte ein anderer Bekannter. „Er war ein wirklich angenehmer Typ. Wenn er betrunken war, war er ein Arsch. Aber den Missbrauch von kleinen Mädchen und Frauen hätte ich ihm nicht zugetraut.“

Laut Sat.1-Informationen soll B. auch pädophile Gewaltfantasien direkt geäußert haben. „Etwas Kleines einfangen und tagelang benutzen, das wärs“, soll er gegenüber einem Chatpartner offenbart haben. Auch erhob die Ex-Freundin von Christian B. im Fall Maddie bereits schwere Vorwürfe* gegen ihn.

Briefwechsel im Fall Maddie: Christian B. besteht gegenüber Sat.1-Journalistin auf Unschuld

Die Journalistin Jutta Rabe hat im Rahmen der Untersuchungen Kontakt zu Christian B. aufgenommen. Dieser sitzt derzeit wegen Vergewaltigung in Haft. In einem monatelangen Briefwechsel besteht der Verdächtigte jedoch auf seine Unschuld. „Ich sehe keinen Grund, mich zu den von der Staatsanwaltschaft Braunschweig erhobenen Vorwürfen zu äußern. Im Prinzip könnte ich mich entspannt zurücklehnen und die Ergebnisse auf mich zukommen lassen“, schrieb er. Dass er 2007 vor Ort als Drogendealer gearbeitet habe, bestätigte er aber. Allerdings habe er die Polizei nicht provozieren wollen. „Also keine Straftaten begehen, schon gar nicht Menschen rauben“, so B.

Laut den Recherchen des Senders sowie der Behörden spreche vieles dafür, dass Christian B. der Täter sein könnte. Jedoch seien für eine Verurteilung noch weitere Ermittlungen nötig. (Alina Schröder) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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