Maddies Mutter erzählt ihre Version des Grauens

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Kate McCann und ihr Mann Gerry suchen seit 2007 nach ihrer Tochter.

London - 2007 ist die damals dreijährige Maddie McCann in Portugal verschwunden. Ihr Mutter hat den Kampf bis heute nicht aufgegeben und in einem Buch die letzten vier Jahre verarbeitet. Der Erlös soll in die Such-Kampagne ihrer Tochter gehen.

Der Gang aufrecht, der Blick scheinbar kalt und unbewegt, kaum Tränen und keine Schreie vor den Kameras - das ist das Bild, das Millionen Menschen von Kate McCann haben. Süchtig nach Medien-Aufmerksamkeit und vielleicht sogar Mörderin ihrer eigenen kleinen Tochter. Die Geschichte ging im Mai 2007 um die Welt: Die damals drei Jahre alte Engländerin Madeleine McCann - auch Maddie genannt - verschwand spurlos aus einer Ferienanlage in Portugal.

Bis heute wird sie trotz einer beispiellosen Suchaktion der Eltern vermisst. Jetzt erzählt ihre Mutter in einem Buch ihre Sicht der Dinge und räumt mit dem Bild auf, sie sei kühl und gefühllos. Die Memoiren erscheinen am 12. Mai, dem 7. Geburtstag von Maddie. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen in die Such-Kampagne der McCanns fließen, der trotz aller Spenden langsam das Geld ausgeht.

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

Angeblich hat Harry-Potter Autorin Joanne K. Rowling beim Schreiben geholfen. Britische Zeitungen veröffentlichten bereits Auszüge aus dem Tagebuch. Es ist Kate McCanns Version des Grauens - aber auch eine Art Verteidigung. Denn die 43-Jährige war nicht nur für einige Zeit Tatverdächtige der portugiesischen Polizei. Noch immer glauben viele, sie und ihr Mann Gerry hätten Maddie selber getötet und verschwinden lassen. Eine der zahlreichen Varianten in den Medien: Die beiden Ärzte hätten der Kleinen ein Beruhigungsmedikament gegeben und es versehentlich zu hoch dosiert.

Offiziell hatten die Vorwürfe gegen die Eltern keinen Bestand. Die Untersuchung in Portugal ist eingestellt. In ihrem Buch beschreibt McCann, wie es in ihrem Innern aussah, während die Welt auf ihre Familie blickte. Nach Außen, für die Kameras, konnte sie einen gefassten Eindruck machen, schreibt sie. Doch in ihr brodelte die Hölle. “Es ist regelrecht angsteinflößend, wenn ich mich selbst in den frühen Tagen betrachte“, heißt es in Auszügen, die die Zeitung “The Times“ druckte. “In meinen eigenen Augen sehe ich unglaublich verletzbar, verwirrt und verloren aus.“

Während sie die Fassade wahrte, bekamen die Menschen in ihrer Umgebung, ihre eigenen Eltern und Freunde, ihre Schmerzen direkt zu spüren. “Ich habe geschrien, dass ich Madeleine sehen kann, kalt und auf einem großen grauen Stein ausgebreitet.“ Sie sei geradezu “besessen“ gewesen von Maddie. Bis heute träumt sie von ihrer Tochter, sieht sie vor sich und gibt die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann gefunden wird. Doch nicht nur ihre eigenen Qualen beschreibt McCann. Auch die ihres Mannes sind nachzulesen.

Die Suche nach Maddie brachte die Ehe an den Rande des Zusammenbruchs, schreibt sie. “Gerry funktionierte so viel schneller wieder als ich. Manchmal fand ich das regelrecht widerwärtig, als ob er nicht genug trauern würde. Er schlug vor, etwas Schönes zu unternehmen - und ich fing an zu weinen.“ Die McCanns haben zwei weitere Kinder, die heute sechs Jahre alten Zwillinge Sean und Amelie. Die Kritik der Eltern an der Polizeiermittlung vor allem in Portugal trieb sie dazu, eigene Detektive zu beauftragen. Doch den 7. Geburtstag ihrer Tochter nutzen sie so, wie sie jeden Jahrestag nutzen, an dem die Welt nochmal auf Maddie schaut: Sie rufen die britischen Behörden auf, Portugal zu drängen, die Ermittlungen neu aufzunehmen. Und sie bitten alle Leser: “Bitte findet Madeleine!“

dpa

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