Interview: Die ADAC-Pannenhelferin Susa Bobke ist eine von fünf Frauen bei den „Gelben Engeln“

ADAC-Pannenhelferin: „Männer haben kreative Ausreden“

Ein Engel für Liegengebliebene: Seit 15 Jahren arbeitet Susa Bobke (45) beim ADAC. Wegen ihrer gelben Autos werden die Pannenhelfer auch „Gelbe Engel“ genannt.

Ferienzeit heißt auch Stau- und Pannenzeit auf den Autobahnen. Deutschlandweit gibt es 1700 ADAC-Pannenhelfer, die zu gestrandeten Reisenden ausrücken. Nur fünf von ihnen sind weibliche Gelbe Engel. Wir haben mit einem von ihnen, Kfz-Mechanikerin Susa Bobke, gesprochen.

Frau Bobke, warum haben Männer Angst vor Frauen, die wissen, was Nockenwellen und Transistor-Zündanlagen sind?

Susa Bobke: Wenn sie sich auskennen, gibt es meist kein Problem. Nur wenn sie mit sich selbst nicht ganz im Reinen sind und sich unterlegen fühlen, wird es schwierig.

Wie reagieren Männer, wenn Sie aus Ihrem Pannenmobil aussteigen?

Susa Bobke: Da hat sich viel verändert. Als ich noch jünger und unsicherer war, haben manche schon gedacht, dass ich Mitfahrerin bin, vielleicht für den Schriftverkehr. Dann kam die Frage „Wo ist denn Ihr Kollege?“

Und heute?

Bobke: Inzwischen gehen die meisten gelassen damit um, sich von einer Frau helfen zu lassen. Ab und zu sagen sie hinterher, dass sie mir die Reparatur nicht zugetraut hätten. Und manche können nicht damit umgehen, wenn ich mich unterm Auto schmutzig mache. Das sind dann die gleichen, die es zu Hause gut aushalten, wenn sie ihrer Frau beim Arbeiten zugucken.

Haben Männer andere Pannen als Frauen?

Bobke: Männer haben eher die Risikopannen. Wenn die Tankuhr schon leuchtet, probieren sie aus, ob es nicht doch noch reicht. Frauen verlassen sich eher auf die Bordcomputer. Manchmal zu sehr.

Eine ölverschmierte Mechanikerin ist eine klischeehafte Männerfantasie. Werden sie manchmal angemacht?

Bobke: Nein. Die Männer, zu denen ich komme, haben andere Probleme.

Sie treffen immer Menschen in Stresssituationen. Kriegen Sie da auch Beziehungsgeschichten mit?

Zur Person

Susa Bobke (45) wollte schon als Teenager mit Autos arbeiten. Weil sie als Frau aber keine Lehrstelle fand, begann sie zunächst ein Germanistikstudium, bis ihr durch Zufall doch noch ein Ausbildungsplatz als Kfz-Mechanikerin begegnete. Nun arbeitet sie seit 15 Jahren für den ADAC. Mit ihrem Partner lebt und arbeitet sie im Allgäu. Bei ihr wohnen auch ein Hund, eine Katze und ein Findel-Rehkitz. (str)

Bobke: Ja. Einmal musste ich einem Pärchen helfen, das einen Stau umfahren wollte. Der Mann hat seinem Navi vertraut und sein Auto auf verschneiten Feldwegen festgefahren. Er dachte, sein Allradantrieb kann das schon. Danach hatten sie sich auch noch aus dem Auto ausgesperrt. Als ich kam, herrschte Eiszeit. Ich kann mir gut vorstellen, was da vorher los war.

Sind Sie auch ein bisschen Seelsorgerin?

Bobke: Ja, ich muss oft Autofahrer aufrichten. Gerade Frauen sind ganz geknickt, wenn sie über Nacht das Licht angelassen oder das Öl nicht kontrolliert haben. Wenn ich denen dann aufzähle, wem das alles passiert, ist ihnen vielleicht schon ein bisschen geholfen. Unser Auftrag ist es ja, nicht nur das Auto, sondern auch die Leute wieder aufzubauen.

Was sind die kreativsten Ausreden für eine Panne?

Bobke: Am besten sind die Männer, die erklären, warum sie nicht selbst Reifen wechseln können. Die haben dann immer spektakuläre Verletzungen. Keinen Bandscheibenvorfall wie Sie und ich, sondern einen Trümmerbruch vom Helikopter-Skiing. Manche flunkern so überzeugend, dass sie es wahrscheinlich selbst glauben.

Über Ihre Erfahrungen als Gelber Engel hat Susa Bobke das Buch „Männer sind anders. Autos auch“ (264 Seiten, Knaur , 8,95 Euro) geschrieben.

Der ADAC

Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ist Deutschlands größter Verkehrsclub mit Sitz in München. Er wurde bereits 1903 als Motorradfahrer-Vereinigung gegründet. Die ursprüngliche und bekannteste Dienstleistung des Clubs ist die Pannenhilfe. Wer Mitglied beim ADAC ist, kann aus Deutschland und bei Premiummitgliedschaft aus ganz Europa die „Gelben Engel“ zu Hilfe rufen. In 80 Prozent der Fälle können die Mechaniker nach eigenen Angaben vor Ort helfen. Der ADAC hatte im Juni 2010 mehr als 17 Mio. Mitglieder.

Von Saskia Trebing

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