Malaysia: Valentinstag-Verbot für Muslime

Kuala Lumpur - Blumen, Pralinen und Herzensgrüße für die Liebsten: All das ist Muslimen in Malaysia an Valentinstag verboten. Seit Jahren dürfen sie am 14. Februar nicht feiern.

Nicht überall ist Valentinstag ein Fest der Liebe. Im überwiegend muslimischen Malaysia löst der 14. Februar alle Jahre wieder hitzige Debatten über unmoralisches Verhalten, vorehelichen Sex und häufigen Partnerwechsel aus. Seit 2005 dürfen Muslime in Malaysia Valentinstag nicht mehr feiern. Einige machen es trotzdem, still und heimlich. Andere fordern noch strengere Regeln. Sie wollen, dass kein Bewohner des südostasiatischen Landes - ob Muslim oder nicht - das Fest mit christlichen Wurzeln feiert. Rund 40 Prozent der malaysischen Bevölkerung sind keine Muslime.

Malaysia rühmt sich dafür, ein buntes und tolerantes Land zu sein. Die islamischen Autoritäten aber können dem muslimischen Teil der Bevölkerung Vorschriften machen. So nahm im vergangenen Jahr eine Art Religionspolizei mehr als 100 Muslime fest, weil sie trotz Verbot Valentinstag gefeiert haben.

Die schlimmsten Geschenke zum Valentinstag

Über diese Geschenke zum Valentinstag haben Frauen sich richtig geärgert. Die Damen erklären auch gleich was sie daran gestört hat: © dpa
Ein Plüschtier. Kommentar: "Einfallslos! Frauen, die älter sind als 12 Jahre, finden das in der Regel nicht mehr sooo prickelnd." © dpa
Zwei Tickets zu einem Fußballspiel des TSV 1860 München in der Allianz Arena. Eigentlich steht Schatzi auf Fußball, aber: © dpa
Kommentar: "Hallo? Er weiß ganz genau, dass ich Bayern-Fan bin! Bei aller Liebe: Das geht gar nicht" © dpa
Ein Parfüm. Sogar Chanel No. 5. Eigentlich auch nicht schlecht, aber: "Ich trage diese Marke gar nicht. Als ich ihn fragte, wie er auf dieses Geschenk kam, hat er mir erzählt, seine Ex habe den Duft immer getragen. Spinnt der?" © dpa
Ein Abnehm-Buch. Kommentar: "Subtiler hätte er mir nicht sagen können, dass ich zu dick bin, oder?" © dpa
Blumen von der Tankstelle. Kommentar: "Das kam so rüber: Hoppla, es ist ja Valentinstag. Na, da habe ich ja gerade noch daran gedacht. Bevor ich gar nichts mehr finde, kaufe ich noch schnell-schnell ein paar mickrige Blumen." © dpa
"Aber Männer: Wir erkennen Blumen von der Tanke ziemlich leicht an der Zellophan-Folie und am Etikett." © dpa
Ein Zeitschriften-Abo. Kommentar: "Ich lese ja gerne Klatsch-Hefte. Aber ist ihm wirklich nichts romantischeres eingefallen?" © dpa
Reizwäsche. Ebenfalls im Prinzip eine gute Idee. Aber man sollte seine Partnerin schon kennen. Denn: © dpa
"Die Wäsche hatte überhaupt nicht meine Größe und war viel zu klein. Da hätte er sich vorher schon mal Gedanken machen können. So konnte ich nichts damit anfangen. Tja, da hat er einen schönen Abend verschenkt!" © dpa
Dessous können ebenfalls zum Problem werden, wenn die Partnerin etwas kräftiger gebaut ist (wie Gossip-Sängerin Beth Ditto). Und wenn die geschenkte Wäsche zu klein ausfällt. Kommentar: "Da ist mir erst bewusst geworden, wie fett ich bin."  © dpa
Ein Sex-Ratgeber. Kommentar: "Aha? Bin ich ihm im Bett nicht gut genug? Muss ich vielleicht noch was lernen?" © dpa
Ein Porno. Kommentar: "Hallo? Am Valentinstag geht es doch um Liebe, nicht um Sex. Und den Film fand ich einfach nur billig." © dpa
Ein Handy. Kommentar: "Etwas unromantischeres hätte er sich nicht ausdenken können?" © dpa
Ein Staubsauger. Kommentar: "Bin ich für ihn nur eine Putzfrau? Und liebe Männer: Haushaltsgeräte brauchen wir zum Valentinstag wirklich nicht." © dpa
Hygiene-Artikel wie Duschgel. Kommentar: "Stinke ich etwa?" © dpa
Schokolade. Kommentar: "Ich hungere mich der Bikini-Figur entgegen und der Trottel schenkt mir Süßigkeiten." © dpa
Ein Kicker. Kommentar: "Ganz schön peinlich. Ich habe sofort gemerkt, dass er beim Einkaufen nur an sich gedacht hat."  © dpa
Eine Einparkhilfe. Kommentar: "Frechheit!" © dpa
Ein Abo fürs Fitnessstudio. Kommentar: "Passt ihm meine Figur nicht?" © dpa
Eine Navgations-Gerät fürs Auto. Kommentar: "Danke! Jetzt weiß ich auch, dass ich eine schlechte Autofahrerin bin."  © dpa
Ein Gutschein fürs Pornokino. Kommentar: "Einfach widerlich!" © dpa

Adnan, ein 19-jähriger Muslim, der an einer Universität am Rande der Hauptstadt Kuala Lumpur studiert, findet das Verbot falsch. „Es ist traurig, dass der Islam dafür benutzt wird, Freiheiten zu unterdrücken.“ Das Valentinstag-Verbot belege die Engstirnigkeit der islamischen Autoritäten im Land, sagt er. „Valentinstag zu feiern bedeutet nicht, dass wir sexuell freizügig oder unmoralisch sind.“

Andere junge Muslime aber loben das Verbot. Etwa Aisya Abdullah. Sie glaubt an die Weisheit der muslimischen Autoritäten, die ihr und ihren Glaubensgenossen in Malaysia das Fest untersagt haben. „Ich glaube, dass sich die Älteren einfach um unser Wohl sorgen.“

Die Jugendfraktion der islamischen Partei PAS will nun, dass der Valentinstag komplett aus der Öffentlichkeit verbannt wird und fordert ein Werbeverbot. „Wir wollen nicht die Rolle von Sittenwächtern annehmen“, sagte PAS-Mitglied Nasrudin Hassan Tantawi. „Aber wir wollen Jugendlichen helfen, nicht in die Valentinstag-Falle zu gehen, die unmoralisches Verhalten fördert.“ Dabei gehe es aber nicht um ein striktes Verbot, betonen Politiker der Partei. Man wolle nur gegen die große Berichterstattung in den Medien angehen, die auch junge Muslime beeinflusse, sagte Kulturminister Rais Yatim.

Von den anderen Parteien wird die PAS-Initiative kritisiert. So ist etwa der Nationale Jugendrat, eine andere muslimische Gruppe, dagegen. „Unmoralische Aktivitäten an Valentinstag haben noch nicht den kritischen Punkt erreicht, der eine Anti-Valentinstag-Werbung notwendig machen würde“, sagte Präsident Mohammed Maliki Mohammed Rapiee.

„Es ist falsch von der PAS Jugendfraktion, nicht-muslimische Jugendliche und ihre Moral vorzuverurteilen“, sagte Tan Keng Liang, Leiter der Jugendfraktion der Kedah Gerakan-Partei. „Die PAS-Jugendfraktion sollte wegen dem Valentinstag nicht paranoid werden“, findet die Christin chinesischer Abstammung, Chew Hoong Ling. Sie ist Präsidentin der Organisation „Stimme der Frauen“.

Nicht alle aber argumentieren mit Religion, kurz vor dem Fest der Liebe. Andere nennen wirtschaftliche Gründe. So befürwortet auch die 19-jährige Nadzimie Haschim das Verbot. Die Logik dahinter sei klar: „Leute vor unnötigen Ausgaben zu schützen“, sagt er. „An Valentinstag steigen die Preise für Blumen und Essen maßlos, alles im Namen der Liebe.“

Adnan, dem muslimischen Studenten aus Kuala-Lumpur, macht das nichts aus. In diesem Jahr will er das Fest der Liebe mit seiner Freundin begehen, verrät er. „Aber wir müssen sehr vorsichtig sein. Das Verbot ist eine Realität, mit der wir leben müssen.“

dpa

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