Bluttat in Saarbrücken

Ärztin erschossen: Motiv bleibt rätselhaft

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Spurensicherung im Ärztehaus im Saarbrücker Stadtteil Dudweiler. Foto: Oliver Dietze

Saarbrücken - Nach den tödlichen Schüssen auf eine 52-jährige Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie in Saarbrücken ist der Tatverdächtige in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden.

Das Motiv für die tödlichen Schüsse auf eine Nervenärztin in Saarbrücken gibt Rätsel auf. Der 44-jährige Tatverdächtige habe bisher keine Aussage gemacht, sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der Mann war Patient in der Gemeinschaftspraxis für Neurologie und Psychiatrie und galt als psychisch auffällig. Ein Gericht ordnete am Tag nach der Tat seine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Laut den Ermittlungen erschoss er die 52-jährige Ärztin am Freitag am Empfangstresen der Praxis. Mehrere Mitarbeiter und Patienten waren Augenzeugen.

Die Polizei konnte den Schützen kurz darauf in der Nähe des Tatorts festnehmen. Sie fand auch die Pistole. Die Leiche des Opfers sollte rechtsmedizinisch untersucht werden. Das Ergebnis liege voraussichtlich erst an diesem Montag vor, sagte der Polizeisprecher. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Bluttat liefen.

Die Ärztekammer im Saarland zeigte sich erschüttert über das Verbrechen. „Das tiefe Mitgefühl der gesamten saarländischen Ärzteschaft gilt der Familie der Kollegin“, teilte sie mit.

Es ist innerhalb eines Jahres bereits der zweite blutige Angriff auf einen Arzt im Saarland. Im Mai 2014 hatte ein Drogenabhängiger in Saarbrücken auf seinen Arzt geschossen und ihn schwer verletzt. Anschließend tötete sich der Schütze.

Gewaltausbrüche von Patienten gegen Ärzte sind nach Angaben des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte kein Einzelfall. Im Durchschnitt kämen in Deutschland zwei Ärzte pro Jahr durch Gewalt ums Leben, sagte der Bundesvorsitzende des Verbandes und Psychiater Frank Bergmann der Deutschen Presse-Agentur. Fälle wie der in Saarbrücken, wo ein als psychisch krank geltender Mann eine Ärztin erschoss, seien aber sehr selten. „Die Gewalttaten, die nicht zum Tode führen, sind wesentlich häufiger.“

Der Mediziner könne zur Zielscheibe werden, wenn ein psychisch kranker Patient die Schuld für unangenehme Erfahrungen auf Arzt oder Pfleger projiziere. Der beste Schutz gegen solche Gewalttaten sei eine frühzeitige und umfassende Behandlung der Patienten. Bergmann forderte eine ausreichende Zahl niedergelassener Psychiater und genügend Klinikplätze für psychisch Erkrankte: „Wir haben Wartezeiten auch in der Psychiatrie.“ Derzeit gebe es Versorgungslücken.

dpa

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