Mann stirbt bei Polizei-Einsatz: Es war wohl Notwehr

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Bei dem Einsatz starb am Mittwoch ein Mann

Mannheim - Der bei einem Polizeieinsatz in Mannheim getötete Mann starb durch eine Kugel aus der Schusswaffe eines der Beamten.

Dies ergab eine Obduktion, wie die Staatsanwaltschaft Mannheim am Donnerstag mitteilte. Die Polizisten handelten offensichtlich in Notwehr.

Der 37 Jahre alte, als geistig verwirrt geltende Mann hatte am Mittwoch zwei Polizisten mit Brandsätzen angegriffen, als diese ihn zu einer Untersuchung bei einem Amtsarzt abholen wollten. Nach Angaben der Polizei schossen die Beamten daraufhin auf den Mann, der an einem Fenster im ersten Obergeschoss eines Wohnblocks stand.

Wie der leitende Oberstaatsanwalt Jochen Seiler der Nachrichtenagentur dapd sagte, wurde der 37-Jährige im oberen Brustbereich von einer Kugel tödlich getroffen. Wie viele Schüsse abgegeben wurden, werde noch geklärt. Der Mann sei als gewaltbereit und gefährlich bekannt gewesen.

Nach Polizeiangaben wurde ein 49 Jahre alter Beamter durch den Angriff mit einem Brandsatz im Bereich des Oberkörpers und im Gesicht so schwer verletzt, dass dieser mit erheblichen Verbrennungen in eine Ludwigshafener Spezialklinik eingeliefert werden musste. Der Zustand des Polizisten sei nach Auskunft der Ärzte stabil.

Oberstaatsanwalt Seiler sagte, nun werde untersucht, ob der Mann die Beamten mit den Brandsätzen töten wollte und ob die Polizisten daher aus einer Notsituation heraus gehandelt hätten. “Es ist aber davon auszugehen, dass jemand, der einen Molotowcocktail auf einen Menschen wirft, eine große Gefahr darstellt. Nicht nur für die Polizisten selbst, sondern auch für die Bewohner des Mietshauses“, sagte Seiler. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hätten sich keinerlei Anhaltspunkte für ein polizeiliches Fehlverhalten ergeben.

Gewerkschaft: Polizisten erleben häufiger “Gewaltexzesse“

Bei der Durchsuchung der Wohnung des getöteten Mannes seien unter anderem zwei Schwerter, Messer, ein weiterer Brandsatz sowie Brandbeschleuniger gefunden worden, hieß es weiter. Indes habe sich die Vermutung nicht bestätigt, wonach der Mann im Besitz einer Schusswaffe gewesen sei.

Nach Ansicht des baden-württembergischen Landesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Joachim Lautensack, sehen sich Polizisten bei Routine-Einsätzen immer öfter “extremen Situationen“ ausgesetzt. Mit Blick auf einen Polizeieinsatz in Mannheim sagte der Gewerkschafter der Nachrichtenagentur dapd, die Beamten müssen sich immer öfter gegen “Gewaltexzesse schützen.

“Die Polizisten stecken in einem Dilemma, denn Sie können nicht bei jedem Einsatz die maximale Schutzausstattung tragen“, sagte Lautensack. Dies würde dem Ziel der Bürgernähe widersprechen und womöglich sogar Aggressionen verstärken. Im Grunde müssten Polizisten immer wieder individuell entscheiden, welche Vorkehrungen sie bei den verschiedenen Einsätzen treffen müssten, sagte Lautensack.

dapd

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