Mann tötet sein Baby - Freispruch

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Magdeburg - Im Prozess um den Tod eines Babys in Magdeburg hat das Landgericht den 34-jährigen Vater am Donnerstag wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen.

Der wegen zweifacher Körperverletzung und Körperverletzung mit Todesfolge angeklagte Mann sei in der Situation nicht in der Lage gewesen, sich zu steuern, begründete der Richter das Urteil. Der Angeklagte leide schon seit längerer Zeit an Schizophrenie und zwanghaftem Verhalten. Das Gericht ordnete eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der Vorsitzende Richter wollte nicht ausschließen, dass der Verurteilte wegen seiner psychischen Erkrankung weitere Taten begehen könnte. Wegen mangelnder Voraussetzungen schloss er eine Bewährung aus. Er sehe jedoch eine Chance, dass der Verurteilte seine Krankheit in den Griff bekommen könne. Eine lebenslange Unterbringung in der Psychiatrie sei deshalb wahrscheinlich nicht zu erwarten.

Der Misshandlung des Babys am 24. Februar war ein Streit mit der 25-jährigen Mutter vorausgegangen. Dabei hatte der Mann auch seine Lebensgefährtin leicht verletzt, die daraufhin die Wohnung verließ. Dann soll der Mann sein Baby gepackt und geschüttelt haben. Als das Kind anfing zu röcheln, rief er einen Krankenwagen. Das Kind starb noch am selben Tag an einem Schütteltrauma und an vier Schädelbrüchen.

Verurteilter kümmerte sich liebevoll um Baby

Das Paar hatte sich nach Angaben des Angeklagten im April vorigen Jahres auf einem Jahrmarkt kennengelernt, wo er auf einem Karussell arbeitete. Das Baby sei kein Wunschkind gewesen und am ersten Weihnachtsfeiertag einen Monat zu früh zur Welt gekommen.

Das Gericht schätzte ein, dass der Vater nach der Geburt seiner Tochter sich sehr um sie bemühte, während die Mutter kaum Interesse an ihrem Kind zeigte. Er habe alles für sein Kind getan und sei dabei zunehmend unter Druck geraten. Der Angeklagte habe die ganze Zeit unter Schizophrenie gelitten, die weitgehend unbemerkt geblieben sei.

Am Abend des 24. Februar hatte das Paar vereinbart, dass die Mutter sich um das Kind kümmern sollte. Als das Baby schreiend aufwachte, schlief sie jedoch und der Vater versorgte es. Beim Füttern sei ihm das Kind aus dem Arm geglitten. Er konnte es jedoch noch rechtzeitig auffangen und einen Aufprall verhindern. Daraufhin entbrannte ein Streit zwischen dem Paar, wobei die Lebensgefährtin ihrem Freund an den Kopf warf: „Durch dich wird das Kind noch dumm.“

Mann glaubte Stimmen zu hören

Der Mann habe sich über die Vorwürfe, aber auch über die Gesamtsituation geärgert, weil er sich meist alleine um das Kind gekümmert habe. Er flüchtete ins Bad und nahm ein Beruhigungsmittel, was jedoch keine Wirkung gezeigt habe. Stattdessen habe er Stimmen wahrgenommen und geglaubt, im Spiegel eine Person hinter sich zu sehen. Er sei dazu gedrängt worden, ins Wohnzimmer zurück zu gehen und sich gegenüber seiner Verlobten zu behaupten.

Es sei zu einem Streit gekommen, woraufhin sie die Wohnung verließ. Anschließend ließ der Angeklagte seine Wut an dem gemeinsamen Baby aus und schüttelte es. Ob das Kind dabei zusätzlich gegen eine Wand gestoßen oder auf den Boden fiel, konnte das Gericht nicht nachweisen. Es starb an einem Schütteltrauma und an vier Schädelbrüchen.

dapd

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