Mann in New York von U-Bahn getötet

Mann von U-Bahn getötet – Fotograf zückte Kamera statt zu helfen

Schwerer Gang: Serim Han, die Frau des getöteten Ki-Suck Han, mit einem Bild ihres Mannes. Foto:  ap

New York. Über dieses Foto diskutiert Amerika: Vor wenigen Tagen wird ein Mann in einer New Yorker U-Bahn-Station von einem Kontrahenten auf die Gleise gestoßen. Verzweifelt klammert Ki-Suck Han sich an den Rand, versucht sich heraus zu hieven – doch vergeblich.

Ein hereinfahrender Zug erfasst ihn und verletzt ihn tödlich. Das unfassbare: Ein Mitarbeiter der Boulevardzeitung „New York Post“ beobachtet das Geschehen und hält es, statt zu helfen, mit seiner Kamera fest.

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Das Blatt veröffentlichte das Bild einen Tag nach dem tödlichen Zwischenfall groß auf der Titelseite. Daneben die Überschrift „Auf die Gleise gestoßen, wird dieser Mann gleich sterben“. Nun ist in Amerika eine kontroverse Debatte entflammt. Ist ein Foto wichtiger als ein Menschenleben? Hätte der Fotograf nicht helfen müssen, statt auf den Auslöser zu drücken?

„Es hat doch jemand dieses Foto gemacht. Warum hat er ihm nicht geholfen?“, will etwa der TV-Moderator Al Roker beim Sender NBC wissen. Und auch die Tochter des Opfers erhebt Vorwürfe: Niemand auf dem Bahnsteig habe ihrem Vater geholfen. Dieser habe dagegen nie gezögert, wenn jemand Hilfe gebraucht habe, sagte sie laut „New York Times“ während einer Pressekonferenz.

Der Fotograf selbst ist sich keiner Schuld bewusst. Er sagte, er habe sehr wohl helfen wollen. Mit seinem Blitzlicht habe er versucht, den Bahnfahrer auf den Mann aufmerksam zu machen.

Für Serim Han, die Frau des getöteten Mannes, sind diese Worte ein Hohn. Für sie ist die Tragödie am Times Square auch deshalb so schlimm, weil der 58-jährige Familienvater unverschuldet auf die Gleise geraten war. Ein Obdachloser soll ihn während eines Streits gestoßen haben. Der mutmaßliche Täter hat sich mittlerweile bei der Polizei gestellt. Der 30-Jährige war unter anderem auf Handy-Aufnahmen zu sehen, die ein Zeuge von dem Vorfall gemacht hatte. Außerdem habe er Aussagen gemacht, die ihn mit dem Verbrechen in Verbindung bringen, schreibt die „New York Times“.

Warum sich die beiden Männer gestritten hatten, ist laut Polizei noch unklar. Offenbar hatte der 30-jährige Obdachlose, der laut einem Polizeisprecher in der Vergangenheit mehrfach wegen kleinerer Vergehen verhaftet worden war, den Streit angefangen. Gekannt hätten sich die beiden Männer zuvor wahrscheinlich nicht.

Von Marie Klement

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