Ärger im Netz: Sender zeigte Schminktipps für geschlagene Frauen

Rabat. Der marokkanische öffentlich-rechtliche Sender 2M hat jetzt mit einem Beauty-Beitrag großen Ärger unter seinen Zuschauern ausgelöst.

Kommentar zu Schminktipps für geschlagene Frauen

Im Vormittagsformat „Sabahiyat“ wurde von einer gut gelaunten Kosmetikerin gezeigt, wie sich Frauen blaue Flecken im Gesicht ganz einfach selbst überschminken können. Im Hintergund liefen dabei entspannt heitere Gitarrenklänge als Untermalung. Die kosmetischen Ratschläge richteten sich explizit an weibliche Opfer häuslicher Gewalt.

Nach Angaben der britischen Zeitung „Guardian“ liefen inzwischen mehr als 2000 Beschwerden beim TV-Sender ein. Auch wenn das Model, dem die Hämatome überdeckt wurden, laut Sender kein echtes Gewaltopfer war, sondern die Blutergüsse extra für den Sendetermin aufgemalt bekam.

Innerhalb sozialer Netzwerke wie Facebook und Twitter hagelte es ebenfalls negative Kritik. Inzwischen gibt es eine offizielle Petition im Internet auf dem Portal change.org, die Sanktionen gegen den Sender fordert. Ins Leben gerufen wurde dieser Protest von arabischen Menschenrechtsaktivisten. Bis Redaktionsschluss hatten sich 3000 User daran beteiligt.

„Sabahiyat“ gilt in Marokko als typische Frauensendung. Zielgruppe der Show, die täglich ab 11 Uhr ausgestrahlt wird, sind Hausfrauen und Mütter. Themen wie Kochen, Mode und Kosmetik gehören zu den festen Rubriken. Die betreffende Folge wurde in der vergangenen Woche ausgestrahlt. Den zweiten Sturm der Entrüstung erntete der Sender mit dieser Vorgehensweise: Das Video veröffentlichte 2M am Freitag zum „Internationalen Tag gegen Gewalt gegen Frauen“ auf Youtube.

Der Sender zeigte sich reumütig und entschuldigte sich jetzt öffentlich via Facebook für den fragwürdigen Beitrag. Es sei „unangemessen und eine redaktionelle Fehleinschätzung“ gewesen. Der Clip habe den redaktionellen Richtlinien widersprochen. Seit 27 Jahren setze sich der Sender für die Verteidigung von Frauenrechten ein, teilte 2M mit. Der Sender entfernte das Videomaterial aus der eigenen Datenbank. Mitschnitte kursieren aber noch immer innerhalb der sozialen Netzwerke.

Laut einer Studie der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch aus dem Jahr 2010 sind ein Drittel aller marokkanischen Frauen regelmäßig häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.