Wissenschaftler stärken Tübinger Hirnforscher den Rücken

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Tierschützer demonstrieren in Tübingen gegen den Einsatz von Affen in der Forschung (Archivbild). Foto: Michael Latz

Tübingen (dpa) - Im Streit um Affenversuche haben sich Hunderte Forscher solidarisch mit dem Tübinger Wissenschaftler Nikos Logothetis gezeigt.

Der Neurowissenschaftler Peter Thier habe eine Unterschriftenaktion im Netz gestartet, teilte die Universität Tübingen am Mittwoch mit. "Ich bin sehr froh über dieses breite Echo aus der internationalen Wissenschaft", betonte Thier. "Nach den Vorgängen in Tübingen muss jedem Wissenschaftler, der mit Tiermodellen forscht, klar sein, dass er zum Angriffsziel von Tierversuchsgegnern werden kann." Zu den bis zum Nachmittag mehr als 600 Unterzeichnern des Aufrufs gehörten demnach Wissenschaftler führender Universitäten wie Cambridge, Harvard, Oxford und Yale.

Logothetis, der Direktor des Tübinger Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik, hatte nach monatelangen Anfeindungen und Bedrohungen von Tierschutzaktivisten kürzlich erklärt, die Versuche an Primaten nach 18 Jahren auslaufen zu lassen und fortan nur noch mit Ratten arbeiten zu wollen. "Wir glauben, dass die Entscheidung einen gravierenden Verlust darstellt und Zeichen einer alarmierenden Entwicklung ist", sagte Thier. Der Neurowissenschaftler sieht darin eine Gefährdung der biomedizinischen Grundlagenforschung.

Auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte die persönlichen Attacken gegen Logothetis verurteilt. "Ich finde es absolut unerträglich, dass in Deutschland Wissenschaftler bedroht und unter Druck gesetzt werden", sagte sie am Dienstag. Die Max-Planck-Gesellschaft will an der Primatenforschung festhalten.

Logothetis experimentiert mit Affen, um das menschliche Gehirn besser zu verstehen. Nach einem Fernsehbericht geriet sein Tübinger Institut im vergangenen September in die Kritik. Ein Tierschützer soll sich für die Aufnahmen als Pfleger in das Institut eingeschleust haben. Die Aufnahmen zeigen Affen mit Gehirn-Implantaten, eines der Tiere hat einen blutverschmierten Kopf, einem anderen läuft Spucke oder Erbrochenes aus dem Mund. Tierschützer riefen deshalb zu Kampagnen und Demonstrationen auf. Die Tübinger Staatsanwaltschaft schaltete sich wegen möglicher Verstöße gegen den Tierschutz ein.

In einer ersten Stellungnahme zu seiner Entscheidung hatte Logothetis erklärt, Experimente an Ratten könnten die Forschung mit Affen nicht ersetzen. "Ich bin der festen Überzeugung, dass die menschliche Kognition und damit auch das Wissen über neurologische und psychiatrische Krankheiten nur an Primaten erforscht werden kann", sagte er am Dienstagabend laut Mitteilung. Nur Primaten hätten vergleichbare Verknüpfungen der Hirnareale und dieselbe Organisation der Hirnrinde wie der Mensch. Ratten könnten aber dazu dienen, Messmethoden weiterzuentwickeln und die Selbstorganisation neuronaler Netzwerke zu erforschen.

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