Deutschpflicht per Gesetz denkbar

Forderung der Jungen Union: Bald mehr deutsche Musik im Radio?

Vorzeigegesicht der Schlagermusik: Helene Fischer (30). Fotos: dpa

Kassel. Werden wir bald mehr deutsche Texte im Radio hören? Das fordert zumindest ein Politiker der Jungen Union.

Wenn es nach Franz-Robert Liskow (27) geht, ist bald jedes dritte Lied in öffentlich-rechtlichen Radiosender deutschsprachig. Der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern fordert in einer Pressemitteilung eine Mindestquote von 35 Prozent für deutsche Texte: „Ob mit gesetzlicher Quote oder mit freiwilliger Selbstverpflichtung: Die Junge Union will mehr deutsche Musik im Radio hören.“

Franz-Robert Liskow

Der wachsende Anteil an verkaufter deutschsprachiger Musik müsse sich endlich auch in den Programmen der Hörfunksender widerspiegeln, schreibt Liskow. Deshalb soll sich auf Landes- und Bundesebene von der Regierung dafür eingesetzt werden, dass in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mehr deutsche Musik gespielt werde. Das müsse nicht nur Schlagermusik sein, sagt Liskow. Denn unter Schlager verstehen die meisten eher Schunkel- oder Volksmusik. Er selbst höre beispielsweise neben Helene Fischer auch Interpreten wie Adel Tawil, Marteria oder Die Fantastischen Vier. „Die deutsche Musikindustrie ist so vielfältig und produziert sehr gute Musik“, betont der 27-Jährige. „Dennoch ist sie im Radio unterrepräsentiert und hat mehr Aufmerksamkeit verdient.“ Die Forderung von Liskow ist nicht neu: Der Verein Deutscher Sprache (VDS) forderte bereits mehrfach eine Radioquote für die Musik deutscher Interpreten und Liedermacher nach französischem Vorbild.

Dort müssen die Sender seit 1994 rund 40 Prozent ihrer Spielzeit mit französischen Produktionen füllen. Das hat die französische Musikindustrie regelrecht beflügelt, erklärt Dr. Holger Klatte (41), Geschäftsführer des VDS.

„Wir erleben im Rundfunk in Deutschland seit Jahren eine 90 prozentige Quote zugunsten englischsprachiger Musik. Dabei hat Deutschland großartige aktuelle Musik, die nie gespielt wird. Stattdessen läuft dann aber fünf Mal am Tag der neueste Hit von Rihanna. Dieses Verhältnis ärgert viele Radiohörer.“

Die Sender müssten damit aufhören den Hörern vorzuschreiben, was gespielt wird. So geschehe es jedoch schon seit Jahrzehnten. „Und das obwohl 2014 mehr Platten von deutschsprachigen als von englischen Künstlern gekauft wurden“, sagt Klatte. Es stimme also auch nicht mehr, dass sich die Hörer das Englische unbedingt wünschen.

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