Zahl der Opfer steigt an

Mehr als 300 Tote nach Erdbeben in Pakistan

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Ein Mann vor einem zerstörten Haus in der Provinz Baluchistann

Islamabad - Nach dem schweren Erdbeben in der pakistanischen Provinz Baluchistan ist die Zahl der geborgenen Toten auf mehr als 300 gestiegen.

Nach Behördenangaben vom Mittwoch starben mindestens 328 Menschen, mehr als 450 weitere wurden bei dem Beben der Stärke 7,7 verletzt, das am Dienstag ganze Dörfer im Südwesten zerstört hatte. Der Hilfsorganisation Caritas zufolge werden in der Gegend dringend Hilfsgüter benötigt.

Die Behörden rechneten mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen. Zehntausende Bewohner der Region waren von den Folgen des Bebens betroffen. Im Dorf Dalbedi zerstörte das Beben rund 250 Häuser, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Mit bloßen Händen gruben Dorfbewohner in den Trümmern ihrer Häuser nach ihrem Hab und Gut.

Der Bauer Noor Ahmed sagte, die Erdstöße hätten zwei Minuten gedauert. "Wir haben alles verloren, selbst unsere Lebensmittel liegen unter den Trümmern", sagte der 45-Jährige. Das Wasser aus den unterirdischen Leitungen sei verschmutzt.

Die schwersten Erdbeben der vergangenen 50 Jahre

Die Folgen des Erdbebens und des nachfolgenden Tsunamis in Japan halten die Welt weiter in Atem. Hilflos steht der Mensch den gewaltigen Naturkräften gegenüber. Hier sehen Sie einen Überblick über die schwersten Erdbeben der vergangenen 50 Jahre. © dpa
29. Februar 1960: 12.000 Menschen kommen bei einem Beben an der Atlantikküste in Marokko ums Leben. Das Beben hat eine Stärke von 5,7. © dpa
4. Februar 1976: In Guatemala verlieren bei einem Beben der Stärke 7,5 rund 22.770 Menschen ihr Leben. © Screenshot: Youtube
28. Juli 1976: China wird von einem Erdbeben mit einer Stärke zwischen 7,8 und 8,2 erschüttert, die Zahl der Toten liegt bei 240.000. © dpa
16. September 1978: Im Iran kommen bei einem Erdbeben der Stärke 7,7 rund 25.000 Menschen ums Leben. © dpa
19. September 1985: In Mexiko werden nach einem Beben der Stärke 8,1 mehr als 9.500 Tote gezählt. © dpa
7. Dezember 1988: 25.000 Menschen werden bei einem Beben der Stärke 6,9 in Armenien in den Tod gerissen. © Screenshot: Youtube
21. Juni 1991: Im Nordwesten des Irans verlieren 50.000 Menschen ihr Leben. Die Stärke des Bebens liegt zwischen 7,3 und 7,7. © dpa
30. September 1993: In Latur in Indien kostet ein Erdbeben der Stärke 6,0 rund 10.000 Bewohner das Leben. © Screenshot: Youtube
17. Januar 1995: Die japanische Millionenstadt Kobe wird von einem Beben der Stärke 7,2 erschüttert, es gibt mehr als 6.000 Todesopfer. © dpa
30. Mai 1998: Im Norden Afghanistans und in Tadschikistan kostet ein Beben der Stärke 6,9 rund 5.000 Menschen das Leben. © dpa
25. Januar 1999: 1.171 Tote sind die Bilanz eines Erdbebens der Stärke 6,0 in Kolumbien. © dpa
17. August 1999: Die Türkei wird von einem Erdbeben der Stärke 7,4 erschüttert. Betroffen ist vor allem die dicht besiedelte Region am östlichen Marmarameer. 17.000 Menschen verlieren ihr Leben. © dpa
26. Januar 2001: Indien wird von einem Beben der Stärke 7,9 erschüttert. Es gibt mindestens 2.500 Toten, Schätzungen reichen bis zu 13.000 Opfern.  © dpa
25. März 2002: Im Norden Afghanistans werden bei einem Erdbeben der Stärke 5,8 bis zu 1.000 Personen getötet. © dpa
21. Mai 2003: Ein Beben der Stärke 6,8 kostet im Norden Algeriens fast 2.300 Menschen das Leben. © dpa
26. Dezember 2003: Ein Erdstoß der Stärke 6,5 erschüttert den Südosten des Irans. Etwa 26.000 Menschen kommen ums Leben, die historische Stadt Bam wird völlig zerstört. © dpa
26. Dezember 2004: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 im indischen Ozean schickt riesige Flutwellen an die Küsten vor allem von Thailand, Sri Lanka und Indonesien. Rund 230.000 Menschen sterben, darunter 552 Deutsche, die meisten von ihnen Urlauber. © dpa
Oktober 2005: Bei einem Erdbeben der Stärke 7,6 kommen im Norden Pakistans mindestens 78.000 Menschen ums Leben, Hunderttausende werden obdachlos. © dpa
12. Mai 2008: Ein Beben der Stärke 7,9 erschüttert die chinesische Provinz Sichuan. Rund 90.000 Menschen werden getötet oder gelten als vermisst. © dpa
6. April 2009: Ein Erdbeben der Stärke 6,3 erschüttert die italienische Region Abruzzen. In der Stadt L,Aquila und anderen Ortschaften werden ganze Straßenzüge in Trümmer gelegt. Fast 300 Menschen kommen ums Leben, etwa 50.000 Bewohner verlieren ihr Zuhause. Die Schäden werden auf 2,5 Milliarden Dollar geschätzt. Es ist die folgenschwerste Naturkatastrophe des Jahres 2009 in Europa. © dpa
30. September 2009: Bei einem Beben der Stärke 7,6 westlich der indonesischen Insel Sumatra kommen 1.200 Menschen ums Leben, die Schäden summieren sich auf 2 Milliarden Dollar. © dpa
12. Januar 2010: Ein Erdbeben der Stärke 7,0 erschüttert weite Teile Haitis. Schätzungen zufolge kamen rund 250.000 Menschen ums Leben. Weitere 1,2 Millionen wurden obdachlos. © dpa
26. Oktober 2010: Ein Erdbeben westlich von Indonesien löst einen Tsunami aus, der mehr als 400 Menschen das Leben kostet. © dpa

Die Behörden sprachen von großen Problemen bei der Versorgung von Verletzten. "Es gibt in den örtlichen Krankenhäusern keinen Platz, wo wir die Verletzten behandeln können", sagte der Sprecher der Provinzregierung, Jan Muhammad Buledi. "Wir wollen versuchen, die Schwerverletzten per Hubschrauber nach Karachi zu bringen und die anderen in die Nachbarbezirke." 300.000 Menschen in sechs Bezirken seien von dem Beben betroffen. Es gebe noch viele Verschüttete unter den Trümmern.

Der Innenminister von Baluchistan, Azad Gilani, sagte, es werde weiter nach Verschütteten gesucht. Vorrang habe aber, die Verletzten so schnell wie möglich in Krankenhäuser zu bringen. Die Armee unterstützte die Rettungskräfte mit rund hundert Ärzten und tausend Soldaten sowie mit Hubschraubern. In dem am stärksten zerstörten Dorf Tarteej errichtete das Militär ein Feldlazarett.

Bezirk um Stadt Awaran besonders betroffen

Besonders betroffen war der Bezirk um die Stadt Awaran, wo das Epizentrum lag. Ein ranghohes Mitglied der Bezirksverwaltung, Abdul Rasheed Baluch, sagte, etwa 90 Prozent der Häuser in der Gegend seien zerstört worden.

Die Caritas erklärte in Freiburg, nach Angaben von Mitarbeitern im Bezirk Awaran würden für die Erdbebenopfer dringend Zelte, Lebensmittel, Wasser und Medikamente benötigt. Weitere Rettungsteams der Caritas seien unterwegs ins Katastrophengebiet. Da in der Gegend Aufständische gegen die pakistanische Regierung kämpfen, bereite die Sicherheitslage den Mitarbeitern Sorge, fügte die Organisation hinzu. Erste Hilfstrupps der Armee seien am Dienstag von Aufständischen angegriffen worden.

In Baluchistan, der größten Provinz Pakistans, liegen Stammesgebiete, die als Rückzugsort für islamische Extremisten gelten. Der Bezirk Awaran ist ein sehr armer Landstrich mit rund 300.000 Einwohnern. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS folgten auf das Beben vom Dienstag rund ein dutzend Nachbeben.

Vor der Küste der pakistanischen Hafenstadt Gwadar, rund 400 Kilometer südlich des Epizentrums, entstand durch das Beben eine Insel aus Schlamm. Nach Einschätzung von Experten dürfte sie in einigen Monaten wieder vom Meer verschluckt werden.

AFP

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