Bedrohter Saviano ruft zum Kampf gegen Mafia auf

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Der Schriftsteller Roberto Saviano lebt unter Polizeischutz.

München - Der von der Camorra mit dem Tod bedrohte italienische Schriftsteller Saviano hat Deutschland zum Kampf gegen die Mafia aufgerufen. Denn die sei in der Bundesrepublik präsenter als angenommen.

“Ohne Deutschland werden wir es nie schaffen, die Mafia zu bezwingen“, sagte der 32 Jahre alte Roberto Saviano am Freitagabend bei einem Vortrag in der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

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Die Mafia sei in Deutschland viel präsenter als gemeinhin angenommen werde, so die These Savianos, der seit der Veröffentlichung seines Bestsellers “Gomorrha“ unter Polizeischutz lebt und nun bei einer Lesereise sein neues Buch “Der Kampf geht weiter“ vorstellte. Darin schreibt er, Deutschland sei für die Mafia unter anderem so komfortabel, weil Abhörmethoden und Telefonmitschnitte gesetzlich stark eingeschränkt seien. Die schlimmen Überwachungsmethoden der Gestapo und Stasi seien noch in Erinnerung - und davon profitiere die Mafia. Europa sei ein gemeinsamer Raum, und die Probleme in einem Land seien die Probleme aller, unterstreicht Saviano in dem Buch.

In München sagt er auf die Frage von Moderator und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo nach den Vorwürfen gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff, vielleicht kenne er die deutsche Kultur nicht gut genug. Aber: “Mir scheint das ein sehr strenges Vorgehen: Ein Präsident tritt zurück wegen vielleicht 800 Euro.“ Zugleich sähen das Land und die Bürger zu, wie Milliarden aus mafiösen Strukturen diverser Länder durch Deutschland flössen, sagte Saviano.

Das Schicksal Italiens gehe alle an, die mafiösen Strukturen müssten ausgerottet werden. “Es ist nicht denkbar, dass ein Land oder ein ganzer Kontinent aus der Krise kommen, ohne dieses Problem anzupacken.“ Er hoffe nun nach dem Rücktritt von Silvio Berlusconi mit der Regierung von Mario Monti auf einen Wandel - und auf ein Anti-Mafia-Gesetzespaket.

dpa

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