Benzin-Katastrophe in Mittelamerika

Ausmaß der Tragödie immer schlimmer - 100 Todesopfer nach Pipeline-Brand in Mexiko

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Nach Explosion einer Benzinleitung: Zahl der Todesopfer auf 100 gestiegen. 

Der neue mexikanische Präsident López Obrador sagt Treibstoffdieben den Kampf an. Wenige Wochen nach Amtsbeginn spielt sich eine Katastrophe ab, die zahlreiche Menschenleben kostet.

Update vom 24. Januar, 20.05 Uhr: 

Die Explosion einer Benzinleitung in Mexiko fordert immer mehr Todesopfer. Mittlerweile ist die Zahl der Toten auf 100 gestiegen. In der Nacht zu Donnerstag und am späten Mittwochabend seien vier weitere Verletzte in einem Krankenhaus im Bundesstaat México gestorben, teilte das Institut für soziale Sicherheit in einer Erklärung mit. Nahe der Pipeline im Bundesstaat Hidalgo hatten sich zum Zeitpunkt der Explosion am Freitag laut Medienberichten mehrere Hundert Menschen befunden. An der Leitung in der Stadt Tlahuelilpan war zuvor ein Leck entstanden, Anwohner wollten sich das zunutze machen und Benzin in Eimern und Kanistern mitnehmen. Der mexikanische Generalstaatsanwalt erklärte, ersten Ermittlungen zufolge sei es möglich, dass die Explosion durch Reibung von synthetischer Kleidung ausgelöst wurde.

Update vom 22. Januar 20.22 Uhr:

Nach der verheerenden Explosion einer Benzinleitung in Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf 94 gestiegen. 49 Menschen würden noch in verschiedenen Krankenhäusern behandelt sagte der Gouverneur des Bundesstaats Hidalgo, Omar Fayad, am Dienstag dem Fernsehsender „Televisa“. Der mexikanische Gesundheitsminister Jorge Alcocer erklärte hingegen in einer Pressekonferenz, dass sich noch 46 Verletzte in Kliniken befänden.

Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador kündigte ein umfangreiches Sozialpaket an, um gegen das Problem des Benzin-Diebstahls vorzugehen. Rund 3,9 Milliarden Pesos (Rund 178 Millionen Euro) würden in Gemeinden, die bisher vom Diebstahl von Treibstoff profitierten, investiert, um den Menschen dort eine Alternative zu bieten, erklärte der Linkspolitiker.

Nahe der Pipeline hatten sich zum Zeitpunkt der Explosion am Freitag nach Medienberichten mehrere Hundert Menschen befunden. An der Leitung in der Stadt Tlahuelilpan war zuvor ein Leck entstanden, Anwohner wollten sich das zunutze machen und Benzin in Eimern und Kanistern mitnehmen. Berichten zufolge schlugen die Flammen nach der Explosion bis zu 20 Meter hoch. Der Boden rund um die Pipeline wurde verkohlt.

Die Bevölkerung müsse besser über die Risiken des Benzin-Diebstahls aufgeklärt werden, sagte Hidalgos Gouverneur Fayad. Den Menschen müsse klar gemacht werden, dass sie sich von einem Leck fernhalten und es melden müssten.

Update vom 20. Januar, 19.08 Uhr:

Bei dem Brand an einer angezapften Benzin-Pipeline in Mexiko starben mindestens 79 Menschen. Diese Angaben machte Gesundheitsminister Jorge Alcocer nach dem Unglück im Bundesstaat Hidalgo. 66 weitere Personen würden im Krankenhaus behandelt - darunter einige mit schwersten Verbrennungen an 80 Prozent des Körpers. Bei den Opfern handelte es sich um Dorfbewohner, die Treibstoff aus der beschädigten Pipeline abzapfen wollten.

Das Unglück ereignete sich in der Nähe der 20.000-Einwohner-Stadt Tlahuelilpan gut hundert Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt. Hunderte Menschen, darunter auch ganze Familien, waren am Freitagnachmittag (Ortszeit) mit Kanistern und Eimern zu der Benzinleitung geeilt, um sich illegal mit Treibstoff zu versorgen. Es kam jedoch zu einer Explosion und die Pipeline geriet in Brand. Die Flammen schlugen meterhoch in den Himmel, erst gegen Mitternacht war das Feuer gelöscht. 

Am Samstag sicherten Soldaten die zerstörte Pipeline, die immer noch qualmte. Gerichtsmediziner in weißen Schutzanzügen untersuchten die verkohlten Leichen. Immer noch hing stechender Benzingeruch in der Luft. Zeugen schilderten erschütternde Szenen vom Unglücksort. "Ich war gerade gekommen um zu sehen, was los ist, als sich die Explosion ereignete. Ich bin den Leuten zu Hilfe geeilt", sagte der 47-jährige Fernando García. "Ich musste zwischen den Überresten von Menschen gehen, die vollständig verbrannt waren."

Bei dem Brand an einer angezapften Benzin-Pipeline in Mexiko starben mindestens 79 Menschen. Diese Angaben machte Gesundheitsminister Jorge Alcocer nach dem Unglück im Bundesstaat Hidalgo.

Nach Angaben der Regierung wurde die Pipeline von Treibstoffschmugglern angezapft. Als die Regierung davon erfuhr, schickte sie eine Einheit von 25 Soldaten zu dem Leck, wie Verteidigungsminister Luis Crescencio Sandoval sagte. Es gelang den Soldaten aber nicht, die geschätzt 700 Menschen aufzuhalten. Als sich die Explosion ereignete, hatten sich die Soldaten den Angaben zufolge schon wieder zurückgezogen, um eine Konfrontation zu vermeiden.

Mexiko: Neue Strategie führte in mehreren Bundesstaaten zu Benzin- und Dieselknappheit

Präsident Andrés Manuel López Obrador besuchte am Samstagmorgen die Unglücksstelle. Er zeigte sich "zutiefst betroffen" über das Unglück und nahm die Soldaten in Schutz. Sie hätten sich richtig verhalten, es sei "nicht leicht", eine Menschenmenge unter Kontrolle zu bringen.

US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen erklärte, ihr Ministerium stehe bereit, um den Rettungskräften und der mexikanischen Regierung "auf jede erdenkliche Art zu helfen". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach López Obrador und den Mexikanern in einem Telegramm ihr "herzliches Beileid" aus.

López Obrador hatte erst Anfang Dezember sein Amt angetreten und dem Treibstoffdiebstahl den Kampf angesagt. Durch das illegale Anzapfen von Pipelines gingen dem mexikanischen Staat nach offiziellen Angaben allein im Jahr 2017 umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro verloren. Mehrere Treibstoffleitungen wurden in den vergangenen Wochen von der Regierung geschlossen, um das Treiben krimineller Banden zu stoppen.

Die neue Strategie des Präsidenten führte in den vergangenen Tagen in mehreren mexikanischen Bundesstaaten zu Benzin- und Dieselknappheit. In vielen Landesteilen müssen die Menschen stunden- oder sogar tagelang Schlange stehen, um ihre Autos aufzutanken.

Auch in Tlahuelilpan machten Bewohner die Treibstoffknappheit für den tödlichen Zwischenfall verantwortlich. "Viele Leute sind wegen der Benzinknappheit mit ihren Kanistern gekommen", sagte der 55-jährige Martín Trejo, der vor Ort verzweifelt nach seinem Sohn suchte.

Der staatliche Ölkonzern Pemex meldete unterdessen einen weiteren Brand an einer Pipeline im Bundesstaat Querétaro. Auch dort sei das Feuer an einer Stelle ausgebrochen, an der Menschen illegal Treibstoff abzapften. Allerdings sei in der Wüstengegend niemand verletzt worden.

Erstmeldung: Katastrophe in Mexiko - Zahl der Todesopfer steigt immer weiter

Bei einer Explosion an einer Benzinleitung in Mexiko sind mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 71 weitere wurden bei dem Unfall verletzt, teilte der Gouverneur des Bundesstaats Hidalgo, Omar Fayad, am Freitagabend (Ortszeit) auf Twitter mit. Die Aufmerksamkeit gelte nun den Verletzten, so Fayad. Er sei auf dem Weg zum Unfallort, so der Gouverneur. In der Nähe der Pipeline hätten sich demnach zum Zeitpunkt der Explosion mehrere Hundert Menschen befunden, berichteten lokale Medien. An der Leitung in der Stadt Tlahuelilpan hatte sich zuvor ein Leck gebildet, Anwohner der Gegend näherten sich, um das Benzin in Eimern oder Kanistern mitzunehmen.

Wie es genau zu der Explosion kam, war zunächst nicht klar. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie nach der Explosion Panik am Unfallort herrschte. Menschen liefen schreiend von der Treibstoffleitung weg. An der Pipeline schlugen Flammen in die Höhe. Das Feuer breitete sich an der Unfallstelle aus. Einsatzkräfte sperrten die Zone ab. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador rief die Regierung auf, die Menschen in der betroffenen Region zu unterstützen. Das Feuer war am späten Freitagabend noch nicht gelöscht.

Mexiko: Pipeline explodiert, während Menschen versuchen aus Leck Benzin zu zapfen

Spezialeinsatzkräfte befanden sich am Unfallort, wie der staatliche Mineralölkonzern Pemex auf Twitter erklärte. Zudem seien elf Krankenwagen im Einsatz. Die Verletzten mit schweren Verbrennungen würden in Krankenhäuser in der Hauptstadt Mexiko-Stadt gebracht, so Pemex. Aus der Hauptstadt würden Rettungshubschrauber geschickt, teilte Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum auf Twitter mit. Tlahuelilpan liegt rund 85 Kilometer nördlich der Hauptstadt.

Am Freitagnachmittag war nach Angaben des Fernsehsenders „Milenio TV“ ein Leck an der Leitung gemeldet worden. Pemex erklärte, es habe sich um einen illegalen Anzapf-Versuch an der Pipeline zwischen den Städten Tuxpan und Tula gehandelt. Benzin-Diebstahl ist ein großes Problem in Mexiko. Nach Pemex-Angaben wurde im vergangenen Jahr alle 30 Minuten versucht, illegal eine der Pipelines anzuzapfen. Hidalgos Gouverneur rief nach dem Unfall die Bevölkerung auf, sich nicht am Benzin-Klau zu beteiligen. Es sei lebensgefährlich, warnte Fayad auf Twitter. „Das ist heute in Tlahuelilpan passiert und es darf sich nicht wiederholen.“

Die Regierung geht seit Ende Dezember gegen den Kraftstoff-Diebstahl vor und ließ bereits einige Leitungen schließen. Der Sprit wird nun in bewachten Tanklastern transportiert. An den Tankstellen des lateinamerikanischen Landes führte das in den vergangenen Wochen zu langen Warteschlangen.

Feuer in Mehrfamilienhaus - Fünf Menschen sterben qualvoll

dpa/AFP

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