Verschwundene Boeing

MH370: US-Kanzlei kündigt Millionenklage an

+
Im Fall der verschwundenen Boeing fordern US-Anwälte Entschädigungen in Millionenhöhe.

Perth - Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe für die Angehörigen der Insassen des Fluges MH370 will eine US-Anwaltskanzlei erreichen. Sie reichte Klage gegen die Fluggesellschaft ein.

Zweieinhalb Wochen nach dem spurlosen Verschwinden eines Flugzeugs über dem Indischen Ozean hat eine US-Anwaltskanzlei Millionenklage gegen die Fluggesellschaft und den Flugzeugbauer eingereicht. Die Kanzlei Ribbeck Law teilte am Mittwoch in Kuala Lumpur mit, sie habe Malaysia Airlines und Boeing zugleich eine Frist von 30 Tagen gesetzt, um die Vorgänge beim Verschwinden von Flug MH370 aufzuklären. "Alle Verantwortlichen" würden zur Rechenschaft gezogen.

Die Anwaltskanzlei verfolgt die Annahme, es habe eventuell einen Baufehler an der Maschine oder ein technisches Versagen gegeben - oder die Fluggesellschaft treffe ein Verschulden beim Verschwinden der Boeing 777 mit 239 Menschen an Bord.

Monica Kelly von Ribbeck Law kündigte an, für "jeden Fluggast" Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe geltend zu machen, nannte aber keinen Gesamtbetrag. Die Klage wurde den Angaben zufolge bei einem Gericht im US-Bundesstaat Illionois eingereicht. Als Kläger will zunächst der indonesische Anwalt Januari Siregar auftreten, dessen 25-jähriger Sohn Firman an Bord der Unglücksmaschine war.

Flug MH370: Chronologie einer Suche

Kuala Lumpur - Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord ist seit einer Woche verschollen. Was die Ermittlungen bisher ergaben. © AFP
8. März: Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines teilt mit, der Kontakt der Boeing 777-200 zur Flugkontrolle sei kurz nach dem Start abgerissen. Das Flugzeug mit überwiegend chinesischen Passagieren war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Der Funkkontakt brach kurz vor Erreichen des vietnamesischen Luftraums ab. Im Seegebiet vor Vietnam beginnt eine großangelegte multinationale Suche. © AFP
9. März: Trotz intensiver Suche mit Flugzeugen und Schiffen fehlt jede Spur von der verschwundenen Maschine. Wiederholt gibt es in den folgenden Tagen falschen Alarm. Es gebe Anzeichen auf den Radaraufzeichnungen, dass das Flugzeug vor dem Verschwinden umgekehrt sei, berichten Ermittler. Ein möglicher Terroranschlag gerät in den Blick, weil zwei Passagiere ihre Flugtickets mit gestohlenen europäischen Pässen kauften. © AFP
10. März: Malaysia weitet das Suchgebiet deutlich aus. Experten identifizieren einen der beiden verdächtigen Passagiere. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass auf die Boeing 777-200 ein Anschlag verübt wurde. © AFP
11. März: Die beiden verdächtigen Passagiere waren keine Terroristen. Ermittler identifizieren die Beiden als Iraner, die mit gestohlenen Pässen nach Europa gelangen wollten. Der malaysische Krisenstab weitet das Suchgebiet auch auf die Meerenge von Malakka vor der Westküste Malaysias aus. Die Gegend liegt fernab der eigentlichen Route nach Peking. © AFP
12. März: Das malaysische Militär hat über dem Andamanischen Meer vor der Westküste Malaysias 45 Minuten nach dem Verschwinden der Maschine ein Flugzeug auf seinem Radar gesehen. Ob es sich dabei um die vermisste Boeing handelte, sei aber unklar. © AFP
13. März: Das „Wall Street Journal“ meldet unter Berufung auf US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, die Maschine sei noch Stunden nach dem letzten Radarkontakt weitergeflogen. Malaysias Verkehrsminister dementiert den Bericht. © AFP
14. März: Das indische Verteidigungsministerium veröffentlicht eine Karte, auf der die Flugroute an der Stelle des letzten Radarkontakts um etwa 90 Grad abknickt. Demnach könnte die Boeing entlang der Grenze von Malaysia und Thailand bis über den Indischen Ozean geflogen sein. © AFP
15. März: Das vermisste Flugzeug flog nach dem Verschwinden vom Radar noch mindestens sieben Stunden auf einem neuen Kurs Richtung Westen. Jemand an Bord habe „mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich“ die Kommunikationsgeräte abgeschaltet, berichtet der malaysische Ministerpräsident Najib Razak. © AFP
16. März - Es werde nun offiziell wegen Sabotage, Entführung und Terrorismus ermittelt, sagt Malaysias Polizeichef. Besatzung und Passagiere stünden verstärkt im Fokus. © picture alliance / dpa
17. März - Es läuft eine neue Suche entlang zweier Routen an, die die verschollene Maschine geflogen sein könnte. © AFP
18. März - Die Richtungsänderung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit im Cockpit programmiert worden, berichtet die „New York Times“. Nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers ist unklar, wann genau das Kommunikationssystem der Boeing abgeschaltet wurde. Er widerruft damit frühere Aussagen. © AFP
19. März - Der US-Sender NBC berichtet, die Kursänderung sei bereits vor der verbalen Abmeldung der Piloten in den Bordcomputer eingegeben worden. Der Chef der malaysischen Zivilluftfahrt dementiert das. © picture alliance / dpa
20. März - Experten des australischen Geheimdienstes entdeckten auf Satellitenbildern mögliche Wrackteile der verschollenen Boeing im Indischen Ozean. © dpa
21. März - Trotz intensiver Suche in der abgelegenen Region des Indischen Ozeans bleibt die Boeing verschollen. © dpa
22. März - Es wird bekannt, dass ein chinesischer Satellit am 18. März im Suchgebiet mögliche Wrackteile erspäht hat. © AFP
23. März - Frankreich veröffentlicht ein Satellitenbild, das vielleicht Flugzeugteile im Meer zeigt. © AFP
24. März - Die Crew eines australischen Aufklärungsflugzeugs entdeckt zwei mögliche Wrackteile. © dpa

Neue Satellitenbilder machten den Helfern im Indischen Ozean derweil Hoffnung, bald Wrackteile des malaysischen Flugzeugs zu finden. Bislang ist aber keines entdeckt worden. Zwei Flugzeugcrews sichteten am Mittwoch zwar Objekte. Eine berichtete von etwas wie Seilen, die andere sah etwas Blaues - Konkretes fanden Schiffe jedoch nicht. Auf den Satellitenaufnahmen seien 122 Teile zu erkennen, sagte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein. „Wir müssen betonen, dass wir nicht wissen, ob diese Objekte zu Flug MH370 gehörten.“

Starke Strömungen erschweren es, Spuren an einer möglichen Absturzstelle zu finden. Australiens Premierminister ließ durchblicken, dass die Suche nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann.

Nach Angaben Husseins sind einige Teile auf den neuen Satellitenbildern bis zu 23 Meter lang. Die Aufnahmen der Airbustochter „Airbus Defence and Space“ stammten vom vergangenen Sonntag und zeigten die Region, in der bereits mit Flugzeugen und Schiffen gesucht wird: etwa 2500 Kilometer südwestlich von Perth in Australien. Die Maschine mit 239 Menschen an Bord, die meisten von ihnen Chinesen, ist seit dem 8. März verschwunden.

Die Suche ging am Mittwoch nach einer 24-stündigen Unterbrechung wegen schlechten Wetters weiter. Im Einsatz waren zwölf Flugzeuge und zwei Schiffe. Die Kräfte konzentrierten sich laut der Australian Maritime Safety Authority auf ein Gebiet von 80.000 Quadratkilometer.

Genaue Absturzstelle zu finden hat Priorität

Australien kann die Suche nach den Worten von Regierungschef Tony Abbott nicht ewig fortsetzen. „Wir suchen weiter, weil wir es den Menschen schuldig sind, alles zu tun, um dieses Rätsel zu lösen“, sagte Abbott am Mittwoch im Parlament. „(Die Suche) ist nicht völlig unbefristet, aber dies ist nicht etwas, was wir leicht aufgeben würden.“ Der Einsatz eines einzigen Aufklärungsflugzeugs kostet nach Schätzungen mehr als 60.000 Euro am Tag.

Die genaue Absturzstelle zu finden, hat weiter Priorität. Dort müsste der Rumpf der Maschine auf dem Meeresboden liegen, mit den beiden Blackboxen. Die Ermittler erhoffen sich davon Aufschluss über die Ursache des Irrflugs. Die Maschine war nach dem Start in Kuala Lumpur vom Kurs nach Peking abgewichen und ohne funktionierende Kommunikationssysyteme bis zu acht Stunden - so lange, wie der Treibstoff reichte - Richtung Süden geflogen.

Die Blackboxen funken ihre Position, aber ein Peilsender muss wenigstens in der Nähe sein, um das Signal aufzufangen. Nach 30 Tagen gehen die Batterien aus, das wäre am 7. April. Die Boxen selbst könnten zwei bis drei Jahre in Wasser intakt bleiben, sagte der französische Tiefseetechniker Sylvain Pascaud, der an der Suche und Bergung des 2009 im Atlantik abgestürzten Air France-Flugzeugs beteiligt war. Das Wrack wurde erst nach zwei Jahren gefunden. Wenn man das Suchgebiet habe, könne man Tauchroboter einsetzen „und es sollte nicht ewig dauern, das Flugzeug zu finden“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Aber: Man braucht Wrackteile.“

Etwaige Wrackteile seien bei der turbulenten Strömung schon viel zu weit abgedriftet, als das noch verlässliche Angaben zu ihrer Herkunft gemacht werden könnten, sagte David Griffin, Ozeanograph des australischen Forschungsinstituts CSIRO. „Der einzige Wert eines Funds heute ist eigentlich nur noch, dass wir dann einen Beweis haben, dass die Maschine abgestürzt ist“, sagte er der dpa.

China machte erneut Druck auf Malaysia, präzise Auskünfte zu den Ermittlungen zu geben. Auf einer Kabinettssitzung betonte Regierungschef Li Keqiang nach Angaben der Staatsmedien vom Mittwoch, dass keine Mühen gescheut würden, um das Flugzeug zu finden. Malaysia solle die Suchaktion weiter koordinieren und die chinesischen Experten in die Ermittlungen einbeziehen, hieß es. China hatte sich immer wieder unzufrieden über die Informationspolitik Malaysias gezeigt.

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.