Suche wieder unterbrochen

MH370: 300 Trümmerteile gesichtet

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Die thailändischen Satellitenbilder zeigen mögliche Trümmerteile der verschollenen Malaysia-Airlines-Maschine im Indischen Ozean.

Bangkok - Ein thailändischer Satellit hat 300 mögliche Flugzeugtrümmer des abgestürzten Malaysia-Airline-Fliegers im Indischen Ozean entdeckt. Doch das Wetter spielt bei der Suche nicht mit.

Trotz neuer Satellitenbilder bleibt die Suche nach dem verschollenen malaysischen Flugzeug schwierig. Die Fotos aus dem All lassen Trümmerteile vermuten, doch keines der Objekte konnte bis Donnerstag geborgen werden. Damit bleibt das Schicksal der seit fast drei Wochen verschwundenen Boeing mit 239 Menschen an Bord letztlich ungewiss.

Wegen schlechten Wetters wurde die Suche nach Wrackteilen im Indischen Ozean vor der australischen Küste am Donnerstag erneut unterbrochen. Chinesische Versicherer begannen unterdessen mit der Auszahlung von Entschädigungen an die Familien von Passagieren des Flugs MH370. Die Airline richtet sich auf Klagen ein, wie eine Sprecherin sagte.

In den USA sollen nach Medienberichten Millionenklagen gegen Malaysia Airlines vorbereitet werden. Eine Anwaltskanzlei aus Chicago rechne damit, dass sich jede zweite betroffene Familie einer Sammelklage anschließe, berichtete die malaysischen Zeitung „The Star“. Sie bezog sich auf eine Anwältin, die in Kuala Lumpur mit Reportern gesprochen habe. Eine Sprecherin der Airline sagte, dies sei das gute Recht der Angehörigen. „Wir setzen uns damit auseinander, wenn es kommt.“ Eine Sprecherin des Gerichts in Chicago sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass bisher keine Klage eingegangen sei.

Ein thailändischer Satellit erfasste Medienberichten zufolge unweit des Suchgebiets etwa 300 treibende Objekte. Die Bilder seien am vergangenen Montag gemacht worden, zitierte die Zeitung „The Nation“ den Geschäftsführer der Geo Informatics and Space Technology Development Agency, Anond Snidvongs, am Donnerstag auf ihrer Webseite. Die Fundstelle sei etwa 2700 Kilometer vom australischen Perth und rund 200 Kilometer von jenem Gebiet entfernt, an dem die Absturzstelle vermutet werde, sagte Anond. Einige der Teile seien mehr als zwei Meter lang.

Die größte Suchaktion in der internationalen Luftfahrtgeschichte hatte erst am Mittwoch neuen Auftrieb bekommen. Auf französischen Satellitenaufnahmen war genau im Suchgebiet über viele Kilometer verbreitet eine Art Trümmerfeld entdeckt worden. Die Experten glauben, das 122 Teile von der Boeing 777-200 stammen könnten, die ihrer Überzeugung zufolge am 8. März nach einem stundenlangen Irrflug im Indischen Ozean abstürzte. Die Maschine war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking.

Um die Teile als Wrackteile identifizieren zu können, muss entweder eines der Suchflugzeuge Nahaufnahmen machen oder eines der Schiffe ein Teil bergen. Das gelang bis Donnerstag nicht. Die Satellitenbilder könnte auch gewöhnliches Treibgut zeigen. Schlechtes Wetter zwang elf Suchflugzeuge am Donnerstag zur vorzeitigen Rückkehr an ihren Stützpunkt Pearce bei Perth in Westaustralien.

Flug MH370: Chronologie einer Suche

Kuala Lumpur - Flug MH370 der Malaysia Airlines mit 239 Menschen an Bord ist seit einer Woche verschollen. Was die Ermittlungen bisher ergaben. © AFP
8. März: Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines teilt mit, der Kontakt der Boeing 777-200 zur Flugkontrolle sei kurz nach dem Start abgerissen. Das Flugzeug mit überwiegend chinesischen Passagieren war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Der Funkkontakt brach kurz vor Erreichen des vietnamesischen Luftraums ab. Im Seegebiet vor Vietnam beginnt eine großangelegte multinationale Suche. © AFP
9. März: Trotz intensiver Suche mit Flugzeugen und Schiffen fehlt jede Spur von der verschwundenen Maschine. Wiederholt gibt es in den folgenden Tagen falschen Alarm. Es gebe Anzeichen auf den Radaraufzeichnungen, dass das Flugzeug vor dem Verschwinden umgekehrt sei, berichten Ermittler. Ein möglicher Terroranschlag gerät in den Blick, weil zwei Passagiere ihre Flugtickets mit gestohlenen europäischen Pässen kauften. © AFP
10. März: Malaysia weitet das Suchgebiet deutlich aus. Experten identifizieren einen der beiden verdächtigen Passagiere. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass auf die Boeing 777-200 ein Anschlag verübt wurde. © AFP
11. März: Die beiden verdächtigen Passagiere waren keine Terroristen. Ermittler identifizieren die Beiden als Iraner, die mit gestohlenen Pässen nach Europa gelangen wollten. Der malaysische Krisenstab weitet das Suchgebiet auch auf die Meerenge von Malakka vor der Westküste Malaysias aus. Die Gegend liegt fernab der eigentlichen Route nach Peking. © AFP
12. März: Das malaysische Militär hat über dem Andamanischen Meer vor der Westküste Malaysias 45 Minuten nach dem Verschwinden der Maschine ein Flugzeug auf seinem Radar gesehen. Ob es sich dabei um die vermisste Boeing handelte, sei aber unklar. © AFP
13. März: Das „Wall Street Journal“ meldet unter Berufung auf US-Luftfahrt- und Geheimdienstexperten, die Maschine sei noch Stunden nach dem letzten Radarkontakt weitergeflogen. Malaysias Verkehrsminister dementiert den Bericht. © AFP
14. März: Das indische Verteidigungsministerium veröffentlicht eine Karte, auf der die Flugroute an der Stelle des letzten Radarkontakts um etwa 90 Grad abknickt. Demnach könnte die Boeing entlang der Grenze von Malaysia und Thailand bis über den Indischen Ozean geflogen sein. © AFP
15. März: Das vermisste Flugzeug flog nach dem Verschwinden vom Radar noch mindestens sieben Stunden auf einem neuen Kurs Richtung Westen. Jemand an Bord habe „mit hoher Wahrscheinlichkeit absichtlich“ die Kommunikationsgeräte abgeschaltet, berichtet der malaysische Ministerpräsident Najib Razak. © AFP
16. März - Es werde nun offiziell wegen Sabotage, Entführung und Terrorismus ermittelt, sagt Malaysias Polizeichef. Besatzung und Passagiere stünden verstärkt im Fokus. © picture alliance / dpa
17. März - Es läuft eine neue Suche entlang zweier Routen an, die die verschollene Maschine geflogen sein könnte. © AFP
18. März - Die Richtungsänderung sei mit hoher Wahrscheinlichkeit im Cockpit programmiert worden, berichtet die „New York Times“. Nach Angaben des malaysischen Verkehrsministers ist unklar, wann genau das Kommunikationssystem der Boeing abgeschaltet wurde. Er widerruft damit frühere Aussagen. © AFP
19. März - Der US-Sender NBC berichtet, die Kursänderung sei bereits vor der verbalen Abmeldung der Piloten in den Bordcomputer eingegeben worden. Der Chef der malaysischen Zivilluftfahrt dementiert das. © picture alliance / dpa
20. März - Experten des australischen Geheimdienstes entdeckten auf Satellitenbildern mögliche Wrackteile der verschollenen Boeing im Indischen Ozean. © dpa
21. März - Trotz intensiver Suche in der abgelegenen Region des Indischen Ozeans bleibt die Boeing verschollen. © dpa
22. März - Es wird bekannt, dass ein chinesischer Satellit am 18. März im Suchgebiet mögliche Wrackteile erspäht hat. © AFP
23. März - Frankreich veröffentlicht ein Satellitenbild, das vielleicht Flugzeugteile im Meer zeigt. © AFP
24. März - Die Crew eines australischen Aufklärungsflugzeugs entdeckt zwei mögliche Wrackteile. © dpa

Das Suchgebiet liegt mindestens drei Flugstunden von jeder Landmasse entfernt. Es ist berüchtigt für schwere Stürme und aufgewühlte See mit meterhohen Wellen, oft erschweren tiefe Wolken die Sicht. Die Wetterbedingungen waren zu gefährlich für niedrige Überflüge. Dennoch: „Die Schiffe sind vor Ort geblieben und suchen weiter“, teilte die australische Seesicherheitsbehörde (Amsa) mit.

32 Menschen an Bord waren über Chinas größten Versicherungskonzern China Life versichert, wie ein Unternehmenssprecher der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sagte. Das Unternehmen habe etwa die Hälfte der Entschädigungssumme von etwa neun Millionen Yuan (rund eine Million Euro) bereits überwiesen. Das Unternehmen Sunshine Insurance hat laut Xinhua 500 000 Yuan an drei Familien ausgezahlt. Die meisten der Passagiere waren Chinesen.

Chinesische Angehörige und die Regierung hatten die malaysischen Behörden wegen verwirrender und schleppender Information zu dem Unglück scharf kritisiert. Ähnlich sei es nach dem Absturz des Air-France-Fluges AF447 vor fünf Jahren gewesen, bei dem 228 Menschen ums Leben kamen, sagte Bernd Gans aus dem bayerischen Vaterstetten. Er verlor damals seine Tochter. „Die damalige Informationspolitik sowohl von Air France als auch der französischen Luftfahrtbehörde war äußerst widersprüchlich“, sagte er.

dpa

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