Amphibien sind große Plage

Vom Ministerium in Australien eingestellt: Spürhund gegen giftige Agakröten

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Jackie Ellis, Mitarbeiterin von Parks and Wildlife in Autsralien, mit Hund Reggie.

Sydney. Reggie ist ein Springer Spaniel. Und er ist ein Spürhund, spezialisiert auf giftige Kröten. Der zweijährige Hund wurde nun vom westaustralischen Umweltministerium „angestellt“, um den Vormarsch der Kröte nach Westaustralien einzudämmen.

Paradoxerweise ist Reggie nach dem Mann benannt, der die Agakröte 1935 aus Hawaii importierte. Reginald Mungomery wollte damals mit den aus Amerika stammenden Amphibien den Zuckerrohrkäfer bekämpfen. Dieser verursachte große Ernteschäden in Australien. Doch die Kröte vermehrte sich unaufhaltsam und richtete ihrerseits großen Schaden bei der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt an. Heute ist sie eine Landplage.

Schnüffeln im Auftrag der Regierung

Reggie wurde nun vom westaustralischen Umweltministerium „angestellt“, um den Vormarsch der Kröte nach Westaustralien einzudämmen. Vereinzelt wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Kröten in Perth und anderen westaustralischen Städten gefunden. Bisher waren vor allem die nördlichen Regionen des fünften Kontinents befallen, unter anderem auch der berühmte Kakadu Nationalpark, der als Weltnaturerbe eingetragen ist. Doch die Kröten breiten sich immer weiter auch im Rest des Landes aus.

Wie wichtig Reggies neuer Job ist, wurde erst vergangene Woche wieder deutlich, als ein Paar in Perth eine Agakröte bei sich durch den Garten hoppeln sah. „Sie haben genau das Richtige getan: die Kröte gefangen und in einen Eimer gegeben und die Tier-Hotline angerufen“, sagte der westaustralische Umweltminister Albert Jacob auf WAtoday.com.au. Nach einer Untersuchung des Ministeriums sei man zuversichtlich, dass die Kröte ein vereinzeltes Exemplar sei, das sich wahrscheinlich in einen Zug und damit aus dem Norden eingeschwindelt habe. Das Paar, das die Kröte fand, wohnt in der Nähe eines Bahnhofes.

Per Anhalter im Zug oder Lastwagen

Im Augenblick werden etwa alle sechs Monate Agakröten in Perth gefunden, meist „reisen“ sie über Züge oder in Lastwagen an, in die sie irgendwo im Norden gehüpft sind. Reggie wird deswegen im westaustralischen Kununurra stationiert sein und dort mit seiner Schnüffelnase Lastwagen nach Agakröten absuchen. Dort waren die Kröten 2009 zum ersten Mal nach Westaustralien eingedrungen und haben sich seitdem um etwa 50 Kilometer pro Jahr vorgearbeitet.

Die giftige Agakröte.

Die Kröten sind eine gefährliche Plage: Weibliche Kröten können zwischen 8000 und 35.000 Eier auf einmal legen und das gleich zweimal pro Jahr. Die Kröten wachsen sehr schnell und können in warmem Klima schon innerhalb eines Jahres ausgewachsen sein. Sie sind extrem resistent und können selbst den Verlust von 50 Prozent ihrer Körperflüssigkeit überleben. Als Allesfresser haben sie zudem einen breit gefächerten Speiseplan und nehmen anderen einheimischen Tieren Nahrung weg. Die Drüsen am Kopf der Kröte sondern ein starkes Gift ab, das direkt auf das Herz wirkt, den Blutdruck erhöhen kann und unter Umständen leichte Halluzinationen auslösen kann. Andere Tiere, die die Kröte fressen, sterben meist an ihrem Gift. Hunde verenden normalerweise innerhalb von 20 Minuten, wenn sie eine der Kröten fressen.

Komplett verschluckt und nicht gestorben

Eine bizarre Geschichte ereignete sich allerdings im Juni 2008 in Darwin, wo sowohl Hund als auch Kröte solch ein Ereignis unbeschadet überlebten. Der Hund hatte die Kröte im Beisein seines Herrchens gefressen, der ihn daraufhin sofort zum Tierarzt brachte. Der Hund bekam ein Mittel verabreicht, das ihn zum Erbrechen brachte und 40 Minuten nach der eigentlichen Krötenmahlzeit kam die Kröte wieder zum Vorschein: noch komplett intakt und lebend und ein weiterer Beweis für die Resistenz der Agakröte!

Reggie ist jedoch darauf trainiert, die Kröten nicht zu fressen und auch nicht anzubellen, sondern sie nur grimmig anzustarren und so seinen Führer auf die gefährliche Amphibie aufmerksam zu machen. (yeu)

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