Kandidatin für Miss Germany 2019

Miss Hessen über Hasskommentare und Kritik an Schönheitswahlen

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Die amtierende Miss Hessen: Saida Rovcanin (26) aus Darmstadt will Miss Germany 2019 werden.

In Kürze steht die Wahl zur Miss Germany 2019 an. Scharf auf die Krone ist neben 15 weiteren Frauen auch Saida Rovcanin, die zur Miss Hessen gekürt wurde. Wir sprachen mit ihr. 

Am 23. Februar steht die Wahl zur Miss Germany 2019 an. Scharf auf die Krone und den Titel ist neben 15 weiteren Frauen auch Saida Rovcanin, die zur Miss Hessen gekürt wurde. Wir sprachen mit der 26-Jährigen aus Darmstadt darüber, warum sie sich für einen Schönheitswettbewerb, der überkommene Rollenbilder zwischen Frauen und Männern zu zementieren scheint, aufstellen lassen hat.

Frau Rovcanin, Kritiker von Misswahlen meinen, diese seien sexistisch: Frauen werden auf ihr Aussehen reduziert. Was sagen Sie?

Ich würde den Leuten erst mal die Gegenfrage stellen: Warum sehen die das so? Ich persönlich finde nicht, dass es nur ums Aussehen geht. Sondern um das Gesamtpaket. Es geht um die Ausstrahlung. Die Mädels laufen auch nicht nackt auf dem Laufsteg.

Hauptsächlich wird aber das Aussehen der Frauen bewertet.

Natürlich steht das Aussehen im Fokus. Eine Miss sollte attraktiv sein. Aber auch andere Stärken zählen. Die Frauen sollen schließlich auch was im Köpfchen haben. Und, ab diesem Jahr laufen die Kandidatinnen nicht mehr in Bikinimode auf dem Laufsteg, sondern in Sommermode.

Bei Miss-Wahlen bestimmen andere über das Aussehen, die Ausstrahlung, das Gesamtpaket eben. Wie wichtig ist Ihnen die Meinung von anderen?

Es gibt so viele Menschen, die mit ihren negativen Kommentaren Hass verbreiten. Das musste ich erst selbst vor zwei Wochen erfahren, als ich Miss Hessen geworden bin. Ich kann nur allen, die auch von Hasskommentaren betroffen sind, raten, nicht darauf zu hören. Ich akzeptiere andere Meinungen, wenn es aber beleidigend wird, versuche ich das einfach nicht an mich heran zu lassen.

Was waren das für Kommentare?

Ich habe Kommentare lesen müssen, wie: „So sieht doch keine Hessin aus“ und „Der Name klingt aber nicht deutsch“. Das ist verletzend.

Haben Sie das Gefühl, dass Miss-Wahlen das Selbstbewusstsein einer Person schwächen?

Im Gegenteil. Ich denke, dass so ein Wettbewerb junge Mädchen in ihrem Selbstbewusstsein stärken kann.

Für Frauen, die kein starkes Selbstbewusstsein haben, wäre eine Miss-Wahl also das Richtige?

Ich sage mal so: Dieses Selbstbewusstsein, das ich heute habe, hatte ich vor noch all zu langer Zeit überhaupt nicht. Früher war ich extrem schüchtern. Vor drei Jahren – nach ein paar privaten Geschehnissen – habe ich dann den Mut gefasst und gesagt, ich möchte mehr aus mir machen. Und die Miss-Wahlen haben mir Bestätigung gegeben.

Sie waren also schüchtern. Wie kamen Sie darauf, bei Schönheitswahlen mitzumachen?

Tatsächlich waren es meine Eltern, die mir vor vielen Jahren vorgeschlagen haben, dass ich mal bei einem Wettbewerb mitmachen soll. Meine Eltern sind auch meine größten Unterstützer.

Gerade befinden Sie sich im Camp auf Fuerteventura. Dort werden Sie in verschiedenen Bereichen geschult. Worin liegen die Schwerpunkte?

Hauptsächlich im Bereich Medientraining. Wie man Interviews führt und was für Fragen immer wieder auf uns zukommen werden. Wie beispielsweise diese Standardfragen, warum man Miss Germany werden möchte.

Und, warum möchten Sie Miss Germany werden?

Weil es mir eine Ehre wäre, Deutschland repräsentieren zu dürfen und ich Mädchen Mut machen will.

Mut machen für was?

Dass sie ihre Ziele durchsetzen. Ich kenne so viele Mädchen, die ihre Ziele nicht verfolgen, weil sie sich einfach nicht trauen oder so schüchtern sind, wie ich es war.

Was erhoffen Sie sich davon, wenn Sie Miss Germany werden?

Ich möchte den Titel tragen, weil ich extrem stolz wäre, mein Land vertreten zu können. Und natürlich möchte ich die Chance nutzen, weil es mein Traum ist, hauptberuflich vor der Kamera zu stehen – als Model zum Beispiel.

Für die Zeit als Miss Germany müssten Sie Ihren Job aufgeben. Wäre das für sie lukrativ?

Ich bin Bürokauffrau. Falls ich gewinnen sollte, wäre ich von meinem Chef, der mich unterstützt, ein Jahr lang freigestellt. Ich hoffe, das Beste draus machen zu können.

Saida Rovcanin ist 26 Jahre alt, in Darmstadt geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern kommen aus Montenegro und Bosnien. Nach der mittleren Reife hat sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und arbeitet derzeit in einem ambulanten Rehazentrum in Darmstadt.

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