Folter eines Mithäftlings

Mit einer Gabel vergewaltigt - so grausam ging es im Gefängnis in Ulm zu

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Der 19-jährige Angeklagte muss sich wegen Misshandlung eines Mithäftlings verantworten.

Was sein Opfer erleiden musste, ist kaum auszudenken. Ein höchst brutaler 19-jähriger Gewalttäter hat dafür nun seine Strafe bekommen.

Ulm - Wenn der Abend kam, gab es Prügel. Oder der Kopf wurde in die Waschschüssel gequetscht. Manchmal wurde dem Opfer auch mit einem Kissen der Mund zugedrückt. Schließlich zwang der 19 Jahre alte Gewalttäter seinen Mithäftling in einer Zelle der Justizvollzugsanstalt Ulm, sich zu bücken und rammte ihm eine Gabel mit einem Tritt in den Anus. Am Montag wurde er dafür vom Landgericht Ulm zu acht (weiteren) Jahren in Haft verurteilt (Aktenzeichen: 3 KLs Js 23303/17).

Das Gericht sah die Vorwürfe der besonders schweren Vergewaltigung sowie der schweren Körperverletzung und der Nötigung in mehreren Fällen als erwiesen an. Mit dem Strafmaß folgte Richter Wolfgang Tresenreiter weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die acht Jahre und sechs Monate gefordert hatte.

Dem Opfer wurde der Darm durchstoßen

Eine Jugendstrafe von unter sechs Jahren, wie sie die Verteidigung wollte, lehnte Tresenreiter ab. Es sei nicht zu erkennen, wie eine geringere Strafe dem jungen Mann besser zur Einsicht verhelfen könnte als eine nach den Vorgaben des Erwachsenenstrafrechts - und zwar ungeachtet der problematischen Kindheit des Angeklagten.

Der Richter sah den dunkelhaarigen 19-Jährigen, an Hals und Armen tätowierten Mann direkt an, als er ihm bei der Begründung des Urteils die gravierenden Folgen seiner Folter klar zu machen versuchte. Als die aus massivem Kunststoff bestehende Gabel in den After des Opfers gerammt worden sei, habe die Spitze den Darm perforiert. Folge war eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung. Dem Mann musste ein künstlicher Darmausgang gelegt werden.

Quälereien sind in Gefängnissen Alltag

Quälereien sind in Gefängnissen keine Seltenheit. Und manche sind noch schlimmer als die in Ulm. Der mit Abstand schlimmste Fall war 2006 derFoltermord in der JVA Siegburg. Damals wurde ein 20-Jähriger von drei jugendlichen Mithäftlingen über Stunden hinweg gequält, vergewaltigt und schließlich getötet. Zwölf Jahre danach sagt René Müller, der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbeamten (BSBD), mit Blick auf den Ulmer Prozess: „Gewalt hinter Gittern ist Alltag. Und sie hat zugenommen, wie Rückmeldungen unserer Landesverbände zeigen.“

Wie oft sich in deutschen Gefängnissen derartige Dramen abspielen, ist schwer zu sagen. Für die Erfassung von Gewalttaten zwischen Häftlingen gibt es keine bundeseinheitlichen Statistiken. Die Verwaltung der Haftanstalten liegt in der Hoheit der Länder, die Gewalttaten nach unterschiedlichen Kriterien und oft erst dann erfassen, wenn sie mindestens Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben.

Zu wenig Gefängniswärter - zu schlechte Bezahlung

Seit Jahren verlangt die Interessenvertretung der Vollzugsbeamten eine deutliche Aufstockung der Stellen. Doch neue Stellen müssten auch besetzt werden, sagt der Vorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten. Die Besoldung und die Möglichkeit zur Beförderung werde den harten Anforderungen an die Gefängnisjobs jedoch kaum gerecht. René Müller: „Wenn ich die Möglichkeit habe, besseres Geld draußen zu verdienen, dann gehe ich mit Sicherheit nicht in den Justizvollzug.“

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dpa

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