62 Fälle

Missbrauch im Jugendhilfe-Verein: Mitgründer gesteht

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Beim Betreten des Gerichts zog sich der Angeklagte die Kapuze seiner Jacke vor das Gesicht.

Schwerin - Anker für Kinder und Jugendliche im Brennpunktviertel soll der Schweriner Verein „Power for Kids“ sein. Nun gesteht ein Mitglied, viele Jungen jahrelang sexuell missbraucht zu haben.

Ein Gründungsmitglied eines Jugendhilfe-Vereins aus Schwerin hat vor Gericht den ihm zur Last gelegten dutzendfachen sexuellen Missbrauch gestanden. Sein Mandant räume alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein, sagte der Verteidiger des 41-Jährigen am Dienstag zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Schwerin.

Dem Mann wird 62-facher, teils schwerer Missbrauch zwischen 2009 und August 2015 vorgeworfen. Einen Siebenjährigen soll er in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt zehn Mal vergewaltigt haben. Der Angeklagte habe in einem Wohnwagen, der in einer leerstehenden Kaufhalle des Plattenbauviertels Großer Dreesch abgestellt war, das sich wehrende Kind missbraucht. Auch ein geistig zurückgebliebener Jugendlicher wurde der Anklage zufolge von dem Mann dort vergewaltigt.

Geständnis um Opfern eine Aussage zu ersparen.

Der Mann, der bei seinem Eintreten in den Gerichtssaal die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht zog, war bis zu seiner Verhaftung im August 2015 Leiter einer Tanzgruppe in dem Verein „Power for Kids“. Unter anderem soll er die Proben und Auftritte für den Missbrauch der Kinder und Jugendlichen ausgenutzt haben. Der Verteidiger des Angeklagten sagte, mit dem Geständnis wolle sein Mandant den Opfern eine Aussage vor Gericht ersparen.

Vierzehn Kinder und Jugendliche sind Nebenkläger in dem Prozess, für den das Landgericht bislang vier Termine angesetzt hat. Zwölf von ihnen vertritt als Beistand die Rechtsanwältin Christine Habetha. Sie sagte am Rande des ersten Verhandlungstages, sie gehe von weiteren Fällen - auch vor dem angeklagten Zeitraum - und weiteren Opfern aus. Es liefen noch Ermittlungen.

Vorwürfe an Jugendamt: Hinweis nicht nachgegangen.

Habetha erhob Vorwürfe gegen das Schweriner Jugendamt. Einem im Januar 2015 eingegangenen anonymen Hinweis auf sexuelle Übergriffe in dem Verein seien die Mitarbeiter nicht nachgegangen, sagte sie. Die Pressestelle der Stadt Schwerin war bis zum frühen Nachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

dpa

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