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Nach 40 Jahren siegt die Liebe: Mönch heiratet Nonne

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Von: Paul Bröker

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Ein Mönch steht im Kreuzgang eines Franziskanerklosters.
Die Klostermauern waren ihm schließlich zu eng. Der Mönch Ulrich Heinen hat 2020 geheiratet (Symbolbild). © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ulrich Heinen heiratet eine ehemalige Nonne – und verlässt somit nach 40 Jahren selbst das Kloster. Die Liebe ist stärker als die Treue zur Ordensgemeinschaft.

Wassenach – Das Gefühl, sich von der Kirche abwenden zu müssen, empfinden in diesen Tagen viele Menschen. Die Berichte über Kindesmissbrauch in der Kirche* und der Umgang damit – insbesondere bei den Katholiken – lässt viele fassungslos zurück. Sie fühlen sich entfremdet.

Den Wunsch, sich von der Kirche abzuwenden, hat der 66-jährige Ulrich Heinen nicht, berichtete die SWR-Landesschau Rheinland-Pfalz. Dennoch musste der Glasmaler und Heilpädagoge sich gegen seinen Glauben auflehnen – und ihm ein Stück weit den Rücken kehren. Denn Ulrich Heinen war Franziskaner-Mönch und verließ das Kloster wegen seiner großen Liebe.

Mönch heiratet ehemalige Nonne: Er nimmt bei der Hochzeit ihren Namen an

Im Jahr 2008 arbeitete er als Franziskanerbrüder zum Heiligen Kreuz im Kloster Hausen (Landkreis Neuwied), hieß es in einem Bericht der Rhein-Zeitung. Damals trug er noch den Nachnamen Schmitz. Zu einer Veranstaltung lud er die Künstlerin Beate Heinen ins Kloster ein. Die heute 77-Jährige hielt einen Vortrag, der den Mönch tief beeindruckte. Beate Heinen erzählte aus ihrem Leben und wie sie zur Kunst gefunden hatte.

Und sie eröffnete dem Publikum, dass sie selbst einmal für zehn Jahre als Benediktinerin in der Abtei St. Hildegard in Eibingen (Rheinland-Pfalz) lebte – von 1963 bis 1974. Bevor sie sich als freischaffende Künstlerin selbstständig machte, war sie Schwester Felicitas – die Glückliche.

„Geistliche und künstlerische Weggemeinschaft“: Mönch und ehemalige Nonne heiraten

Ulrich Heinen fühlt sich zu ihr hingezogen. „Aus dieser ersten Begegnung entwickelte sich eine geistliche und künstlerische Weggemeinschaft“, sagte Ulrich Heinen gegenüber der Rhein-Zeitung. „Wir entdeckten nicht nur Gemeinsamkeiten bei unseren Interessen, sondern auch im Erleben von Lebenswirklichkeiten und biografischen Erfahrungen.“ Doch den Beginn einer großen Liebe habe darin damals niemand erkannt.

Zur weiteren Annäherung kam es jedoch, als beide eine vierjährige Ausbildung als Kunsttherapeuten absolvierten. „Die Ausbildung hat nicht nur neue Zugänge zur Kunst, sondern auch zum Leben eröffnet“, sagte Ulrich Heinen im Gespräch mit der Rhein-Zeitung. Beate Heinen besuchte zudem zu verschiedenen Anlässen immer wieder das Franziskaner-Kloster. Somit sei sie den meisten anderen Brüdern auch bekannt gewesen, so Ulrich Heinen.

Mönch verlässt Kloster nach 40 Jahren, um zu heiraten: „Kann nicht mehr in zwei Welten Leben“

Mittlerweile habe sich Beate Heinen immer mehr nach einer Partnerschaft gesehnt, sie drängte Ulrich jedoch zu keinem Entschluss. Ihm selbst, sagte Ulrich Heinen der Rhein-Zeitung, sei da jedoch klargeworden: „Ich muss zu einer eindeutigen und verantwortlichen Entscheidung finden.“ Er könne nicht mehr in zwei Welten leben.

Im Jahr 2019 traf der Mönch in einer zweimonatigen Auszeit in Absprache mit der Ordensleitung seine Entscheidung: Er wollte Beate heiraten und dem Kloster den Rücken kehren. Dass ihm diese Entscheidung nicht leicht fiel, offenbarte er im Gespräch mit der SWR-Landesschau Rheinland Pfalz: „Es hat einen Anlauf gebraucht und auch Mut. Gerade in Erwartung der Reaktionen, die kommen.“

Mönch kehrt Kloster den Rücken: Entscheidung für die Partnerschaft mit ehemaliger Nonne

Die Rückmeldungen auf die Entscheidung seien sehr unterschiedlich gewesen: „Da war Unverständnis, Sprachlosigkeit, Ratlosigkeit, aber auch ganz viel Respekt, Wertschätzung und Akzeptanz.“ Doch Ulrich Heinen ist seinem früheren Orden dankbar für die vielen Jahre in der Gemeinschaft. Er habe sich nicht für die Partnerschaft entschieden, weil ihm das Leben im Kloster zu stark negativ besetzt gewesen sei, sagte er dem SWR. „Sondern weil da etwas Neues auf mich wartet: Jemand, mit dem ich das Leben gestalten möchte.“

Trotzdem hinterlasse der Abschied „natürlich auch Spuren“, sagte Heinen dem SWR. „Da geht schon ein Stück Boden unter den Füßen verloren und ich muss wieder neu Boden fassen“, so der ehemalige Franziskaner-Mönch. Es koste Kraft, wieder Stand finden zu müssen.

Mönch und Nonne geben sich Ja-Wort: Wegen Corona-Pandemie keine Gäste bei Hochzeit

Am 19. März 2020 gaben sich Beate und Ulrich Heinen schließlich standesamtlich das Ja-Wort. „Bedingt durch die Pandemie hatten wir keine Gäste“, erzählte Ulrich Heinen der Rhein-Zeitung. Stattdessen sei nur der Bürgermeister bei der Hochzeit im Rathaus dabei gewesen.

Die Heinens schöpfen aus ihrem Bund Kraft: Gleich nach der Hochzeit haben sie ihr Zuhause in Wassenach altersgerecht renoviert und Raum für die Kunsttherapie geschaffen. „Diese Erfahrungen könnten auch für andere ermutigend sein, dem eigenen Leben immer wieder eine Chance zu geben, wenn dies auch manchmal ein Wagnis ist“, sagte Ulrich Heinen gegenüber der Rhein-Zeitung. Sein größter Traum sei daher: „Noch viele Jahre in dieser Ehe erleben zu dürfen.“ (Paul Bröker) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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