Fast wäre der Mondlandefähre Eagle der Treibstoff ausgegangen

Der Ablauf der Mission Apollo 11: Mondlandung in letzter Sekunde

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Am 20. Juli 1969 fotografierte US-Astronaut Neil Armstrong (im verspiegelten Visier zu erkennen) seinen Kollegen Edwin Aldrin bei seinen ersten Schritten auf dem Mond.

Am 20. Juli 1969 betritt mit Neil Armstrong der erste Mensch den Mond. Dass die Mondfähre Eagle zuvor wegen Treibstoffmangel in letzter Sekunde gelandet war, ahnten die Fernsehzuschauer damals nicht.

In Deutschland ist es 21.17 Uhr, als der Adler unbedingt landen muss. Als die metallisch glänzende Mondfähre auf dem staubigen Gestein aufsetzt, haben die Triebwerke noch Treibstoff für 30 Sekunden.

Dass die erste bemannte Mondlandung im letzten Augenblick geglückt ist, weiß damals keiner der 500 Millionen Menschen vor den Fernsehern. Gebannt beobachten alle, die ein TV-Gerät auftreiben konnten, wie eine Gestalt im weißen Raumanzug die Landefähre Eagle verlässt. Wie der Astronaut Neil Armstrong am 21. Juli 1969 um 3.56 deutscher Zeit Uhr den berühmtesten Fußabdruck der Geschichte hinterlässt.

Als Armstrong und sein Kollege Edwin Aldrin die US-Flagge in den pudrigen Mondsand rammen, sind die Männer bereits seit fünf Tagen unterwegs. Ihre Reise zum Mond begann am 16. Juli in Cape Canaveral/Florida – in einer 3000 Tonnen schweren Saturn-Rakete, mit der Armstrong, Aldrin und das dritte Besatzungsmitglied Michael Collins ins All geschossen wurden.

Die Besatzung der Apollo 11: (von links nach rechts) Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin.

Einer bleibt im Raumschiff

Als sie zusammengedrängt in ihrer Raumkapsel sitzen, glauben sie noch nicht, dass sie die ersten Menschen auf dem Mond sein werden. Zu unsicher ist das Verhalten ihrer Landefähre Eagle. Der bemannte Anflug auf den Erdtrabanten wurde noch nie geprobt. Nach vier Tagen erreicht das Raumschiff am 20. Juli deutscher Zeit die Mondumlaufbahn. Neil Armstrong und Edwin Aldrid steigen in ihre Landefähre um. Michael Collins bleibt im Apollo-Raumschiff, bis seine Kollegen von ihrem kosmischen Ausflug zurückkehren. Obwohl der angepeilte Landeplatz „Meer der Stille“ heißt, gestaltet sich der langsame Sinkflug in der Mondfähre alles andere als ruhig. Immer wieder gibt der hochtechnische Adler Warnsignale von sich, der Autopilot will die Fähre in einen Krater steuern. Als auch noch einer der 30 Kilo schweren Bordcomputer verrückt spielt, übernimmt Armstrong die Steuerung per Hand. Um 21.17 Uhr berühren die spinnenartigen Metallstelzen der Landekapsel die Mondoberfläche. Gerade noch rechtzeitig, bevor der Treibstoff ausgeht.

(Komplette Grafik: Bild oben rechts vergrößern)

Der Adler ist gelandet

Neil Armstrong muss sich einen Moment sammeln, bevor er zum Funkgerät greift. Doch seine berühmten Worte „The Eagle has landed“ (Der Adler ist gelandet) sind nicht die ersten, die die Nasa-Zentrale vom Mond aus erreichen. Mit dem Satz „ACA out of detent“ schallt den Funkern auf der Erde eine viel unspektakulärere Botschaft entgegen: „Steuerknüppel entriegelt.“

Als es in Deutschland bereits Nacht ist und trotzdem niemand schlafen will, verlässt Neil Armstrong als erster die Mondfähre. Während ihm weltweit eine halbe Milliarde Menschen zusehen, tut er die Schritte, die für ihn so klein und für die Menschheit so gigantisch sind.

Etwa 20 Minuten später gesellt sich Edwin Aldrin zu ihm. Nachdem die US-Flagge steht, sammeln die beiden 20 Kilo Mondgestein. Auf einem Hügel bauen sie eine mobile Forschungsstation auf.

Der erste außerirdische Spaziergang ist nach zwei Stunden und 31 Minuten vorbei. Nach ein paar Stunden Schlaf treten Armstrong und Aldrin den Rückflug an, das Andocken an das Mutterschiff klappt reibungslos.

Die Männer, die im Sommer 1969 zu Helden geworden sind, landen vier Tage später im Pazifik. Feiern lassen können sie sich jedoch noch nicht. 17 Tage lang stecken sie in Isolationsanzügen, um eine Infektion mit Mikroorganismen auszuschließen. Die Welt befürchtet, sie könnten unerwünschte Gäste mitgebracht haben.

Der berühmteste Fußabdruck der Geschichte.

Hintergrund: Mondlandung am 20. oder 21.Juli?

Ob die Mondlandung in Deutschland auf den 20. oder den 21. Juli datiert wird, ist umstritten. Als Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betrat, war es in Deutschland 3.56 Uhr am 21. Juli 1969. In Cape Canaveral in Florida, dem Zentrum der Nasa, war es jedoch noch der Abend des 20. Juli, also hat die Mondlandung für die Amerikaner am 20. Juli stattgefunden. Auf dem Mond gilt die sogenannte „Universal Coordinated Time“ (UTC), die internationaler Standard in der Luftfahrt ist. Die UTC richtet sich nach der Zeitzone des Nullmeridians, der durch Greenwich/England verläuft. Die deutsche Zeit entspricht der UTC plus einer Stunde. Nach der universellen Zeit hat Armstrong den Mond am 21. Juli um 2.56 Uhr betreten.

Der Kalte Krieg reichte bis in den Weltraum

Erstes Lebewesen im All: Die Hündin Laika kreiste 1957 im sowjetischen Erdtrabanten „Sputnik2“ um die Erde.

Die Eroberung des Weltalls und die Geschichte des Kalten Krieges sind untrennbar miteinander verbunden. Auch das Betreten des Mondes resultiert aus dem Wettrüsten zwischen Ost und West. Wichtige Stationen: 

1957: Die Sowjetunion startet am 4. Oktober den ersten künstlichen Erdtrabanten „Sputnik“. Wochen später umkreist „Sputnik 2“ mit Hündin Laika die Erde. Der Westen erleidet den „Sputnik-Schock“.

1958: Die USA gründen die Nationale Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA). Die Raumsonde Explorer I hebt zum ersten erdnahen Flug ab.

1961: Juri Gagarin (UdSSR) ist der erste Mensch im All. Nur wenige Wochen zieht der Amerikaner Alan Shepard nach.

1965: Alexej Leonow (UdSSR) steigt als erster Mensch aus einer Raumkapsel aus.

1966: Der sowjetischen Raumfähre „Luna 9“ gelingt die erste kontrollierte Landung auf dem Mond.

1967: Im US-Raumschiff „Apollo 1“ verbrennen drei Astronauten.

1968: Als erstes bemanntes Raumschiff umkreist „Apollo 8“ (USA) den Mond.

1969: Neil Armstrong (USA) betritt als erster Mensch den Mond.

1970: Im Raumschiff der Mission „Apollo 13“ (USA) gibt es eine Explosion. Die Astronauten überleben.

1971: Die Sowjetunion startet die erste Raumstation „Saljut1“. Zugleich landet die Sowjet-Sonde „Mars“ auf eben diesem Planeten.

1972: Bisher letzte bemannte Landung auf dem Mond (USA)

1975: Erstes Zeichen der Annäherung: Eine sowjetische Rakete und eine Apollo-Rakete koppeln im All aneinander an.

1978: Sigmund Jähn (DDR) ist erster Deutscher im All.

1979: Bundesbürger Ulf Merbold zieht nach. (USA)

1986: Explosion der Raumfähre Challenger (USA kurz nach dem Start). Sieben Astronauten sterben.

1998: Die USA und Russland kooperieren beim Aufbau der Raumstation ISS.

2009: Neue Mondsonde der NASA soll geeigneten Platz für eine neue bemannte Mondmission suchen. (mit dpa)

Fakten rund um den Mond

Größe: Der Mond ist 50 mal kleiner als die Erde und hat ein Sechstel ihrer Schwerkraft. Ein 80 Kilogramm schwerer Astronaut wiegt auf dem Mond nur 13 Kilo. 

Kein Planet: Immer wieder wird der Mond im Volksmund als Planet bezeichnet. Er ist jedoch ein Trabant, also ein natürlicher Satellit, der einen Planeten auf einer festen Bahn umkreist. Der Begriff Planet wird nur für die Himmelskörper verwendet, die um die Sonne kreisen. 

Entfernung: Der Mond ist 384.000 Kilometer von der Erde entfernt. Diese Strecke entspricht fast dem zehnfachen Erdumfang. Pro Jahr entfernt sich der Mond um vier Zentimeter von der Erde. 

Oberfläche: Die Oberfläche des Mondes ist mit Kratern, Bergen und Tälern übersät. Die meisten Krater wurden von Gesteinsbrocken verursacht, die vor Milliarden Jahren auf der Oberfläche eingeschlagen sind. Die Ebenen aus gehärtetem Lava nennt man Meere. 

Gezeiten: Durch den Mond hebt und senkt sich nicht nur der Meeresspiegel. Auch die Erdplatten bewegen sich zweimal täglich. 

Leben möglich? Die Lebensbedingungen für Menschen auf dem Mond sind extrem schlecht, weil es keine Atmosphäre gibt. Außerdem findet sich im Mondgestein kein Wasser. Die einzigen bekannten Eis-Spuren sind in einem Mondstaubgemisch „eingesperrt“. 

Temperatur: Tagsüber ist es sehr heiß, die Steine können sich bis auf 110 Grad aufheizen. Nachts sinkt die Temperatur dagegen innerhalb von wenigen Sekunden auf bis zu minus 170 Grad Celsius. 

Mann im Mond: Der aus Märchen bekannte „Mann im Mond“ ist in anderen Kulturen ein Kaninchen, eine Frau mit Spinnrad oder ein Kinderpaar mit Wassereimern. 

Eigentum: Der Amerikaner Dennis Hope meldete 1980 in San Francisco seine Besitzansprüche auf den Mond an. Weil keiner fristgerecht widersprach, verkauft er noch immer Grundstückszertifikate. Zum Beispiel im Internet auf der Seite www.mondmakler.de.

Dieser Text erschien erstmals am 18. Juli 2009 in der HNA. Anlass war der 40. Jahrestag der ersten bemannten Mondlandung.

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