Elsie Eiler ist ihre eigene Bürgermeisterin

Sie ist die letzte Einwohnerin des kleinsten Dorfs der USA

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Altes Schild: 2008 lebten noch zwei Menschen in Monowi. Jetzt ist Elsie Eilers, auf dem Foto in der Taverne ihres Dorfes, ganz allein.

Nebraska. Monowi im US-Bundesstaat Nebraska hat keinen Supermarkt, keine Tankstelle, kein Rathaus. Erst am Abend erwacht das Dorf zum Leben. Wenn Elsie Eiler, einzige Bewohnerin und Bürgermeisterin der Siedlung, die Taverne öffnet.

Dann kommen die Stammgäste des Gasthauses – Jäger und Farmer aus der Region – in die Siedlung, die im vergangenen Jahrhundert bis zu 2000 Einwohner gehabt haben soll. Um ihr Feierabendbier von Elsie Eiler serviert zu bekommen, legen sie auch schon mal 100 Kilometer zurück – im Bundesstaat Nebraska eine kleine Strecke. Die Schankerlaubnis hat sich Eiler als Bürgermeisterin selbst ausgestellt.

Die Daten Monowis aus der Volkszählung 2010 sind einzigartig in den USA. Die Bevölkerung war zu 100 Prozent weiblich, zu 100 Prozent weißer Hautfarbe, und im Schnitt 76,5 Jahre alt. So lange lebt Elsie Eiler schon in ihrer Heimatstadt. Sie ist die wohlhabenste, hübscheste und bekannteste Bewohnerin – weil sie allein ist.

Ein Panorama-Foto von Eilers Taverne finden Sie hier.

Sie war nicht immer einsam. Bei ihrer Geburt lebten noch 150 Einwohner in Monowi. Bevor Eilers Mann Rudy 2004 starb, kümmerte sich das Paar gemeinsam um den Erhalt der wenigen Häuser. Da war die Einwohnerzahl schon auf zwei, Familie Eiler, geschrumpft. Alle anderen hatten das Dorf auf der Suche nach Arbeit verlassen. Nach dem Tod ihres Mannes baute Elsie Eiler „Rudys Library“, eine Bücherei im Gedenken an ihren Mann. 5000 Bücher stehen bereit, um vermutlich niemals ausgeliehen zu werden.

In Amerika ist Eiler ein Star: Mehrfach schon waren Kamerateams in Monowi, um das einsame Leben der letzten Bewohnerin zu dokumentieren. Nun geht ihre Geschichte um die Welt. Ein Bild der 76-Jährigen, wie sie am Ortsschild mit der Bewohnerzahl „1“ posiert, wird massiv im Internet geteilt. Knapp 200.000 mal wurde es allein auf der Fotoplattform imgur.com angesehen, zahlreiche Nachrichtenplattformen berichten vom Leben der Einsiedlerin. „Ich habe 12 Stunden am Tag zu tun“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Tagsüber fegt sie die Bürgersteige, verwaltet die Bücherei. Sie zahlt sich selbst Steuern, um die vier Straßenlaternen am Leuchten zu halten. Abends schmeißt sie Taverne. Wer das übernimmt, wenn sie stirbt, ist unklar. Kinder hat die letzte Bewohnerin Monowis nicht.

Von Sebastian Lammel

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