Zahl der Plätze ist beschränkt

Doppelmord von Göttingen: Frank N. vor Gericht - Sicherheitsmaßnahmen wegen Corona 

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Prozessauftakt: Der 52-Jährige, der wegen Doppelmordes angeklagt ist, nahm mit Mundschutz neben seinem Verteidiger Holger Nitz Platz. Auch die Justizwachtmeister trugen wegen der Corona-Krise Mundschutz.

Im September 2019 tötete Frank N. in Göttingen zwei Frauen:  Der Angeklagte will erstmals aussagen. Das ist am ersten Prozesstag passiert.

  • Frank N. tötete im September 2019 in Göttingen eine Frau auf offener Straße und verletzte eine zweite Frau tödlich
  • Der 53-Jährige steht jetzt wegen zweifachen Mordes vor dem Landgericht in Göttingen.
  • Der Angeklagte will vor Gericht aussagen

Update vom Mittwoch 25.03.2020, 19.04 Uhr Uhr: Der erste Prozesstag in Göttingen in der Mordanklage gegen Frank N. ist vorbei. Das ist passiert:

Der Angeklagte wirkt eher klein und unauffällig. Dennoch wird der 53-Jährige in Handschellen von vier Justizbediensteten zur Anklagebank im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Göttingen geführt. Die Kammer stuft den Mann als hoch gefährlich, gewalttätig und fluchtbereit ein. Er muss sich seit Mittwoch wegen Mordes an zwei Frauen verantworten (Aktenzeichen: 6 Ks 1/20).

Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Tischler vor, am 26. September vergangenen Jahres in Göttingen aus Eifersucht seine 44 Jahre alte frühere Lebensgefährtin auf der Straße mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, diese angezündet und die Frau dann mit insgesamt 25 Messerstichen getötet zu haben. Die Stichkanäle waren bis zu 17,5 Zentimeter tief.

Mordprozess gegen Frank N.: „Mich betrügt man nicht“

Während der Tat rief der 53-jährige Deutsche laut Anklage: „Mich betrügt man nicht“ und „Ich habe dir doch gesagt, ich bringe dich um, wenn du mich betrügst.“ Eine zu Hilfe eilende Arbeitskollegin der Frau habe der Angeklagte mit dem Messer ebenfalls so schwer verletzt, dass die 57-Jährige später im Krankenhaus starb. 

Anderen Helfern drohte er: „Mischt euch nicht ein, sonst steche ich auch euch ab.“ Ein Mann und eine Frau erlitten Verletzungen, weshalb die Anklage zusätzlich auf gefährliche Körperverletzung lautet.

Der Angeklagte habe es nicht ertragen können, dass die 44-Jährige sich einige Zeit zuvor von ihm getrennt und möglicherweise eine Beziehung zu einem anderen Mann aufgenommen habe, sagte der Staatsanwalt. Die Tötung sei ein grausamer Mord aus niederen Beweggründen. Den Mord an der Kollegin habe der 53-Jährige begangen, um die erste Tat zu verdecken und unerkannt entkommen zu können.

Mordprozess: Frank N. mit Gesichtsmaske

Während die Anklage verlesen wurde, war bei dem Angeklagten keine Regung zu erkennen. Das könnte aber auch an seiner Gesichtsmaske gelegen haben: Wegen der Corona-Krise hatte das Gericht die Zahl der im Verhandlungssaal anwesenden Menschen drastisch beschränkt, damit die empfohlenen Mindestabstände eingehalten werden konnten.

Einen Antrag der Verteidigung, das Verfahren angesichts der Lage auszusetzen, lehnte das Gericht ab. Der Staatsanwalt machte deutlich, dass er den Angeklagten für gemeingefährlich hält. Er deutete an, dass er nicht nur auf eine lebenslange Haftstrafe, sondern zusätzlich auf Sicherungsverwahrung plädieren werde. 

Der 53-Jährige hatte bereits früher Gewaltverbrechen begangen. Unter anderem hatte er nach einer Vergewaltigung 1992 in Göttingen sechs Jahre Haft erhalten. Zuvor war er als Heranwachsender schon zweimal wegen Vergewaltigung verurteilt worden.

Mordprozess: Frank N. von Polizei angeschossen

Nach der Tat im September konnte er zunächst entkommen. Am folgenden Tag wurde er in einem Nahverkehrszug erkannt und von Bahnbediensteten in einem Abteil eingesperrt. Er schlug mit dem Nothammer eine Scheibe ein, sprang im Bahnhof Elze (Kreis Hildesheim) aus dem Fenster und flüchtete weiter. Am späten Abend wurde er schließlich in der Göttinger Innenstadt von Polizisten erkannt und überwältigt. Er saß seither in Untersuchungshaft.

Der Mann war nicht das erste Mal auf der Flucht vor der Polizei. 1995 war er bei einem Gerichtstermin in Göttingen entkommen. Erst nach drei Wochen wurde er wieder gefasst. Dabei wurde er durch einen Schuss von der Polizei schwer verletzt.

Frank N. will im Mordprozess endlich eine Aussage machen

Nach seiner jüngsten Festnahme im vergangenen Jahr hatte der 53-Jährige bei den polizeilichen Vernehmungen geschwiegen. Der Verteidiger kündigte allerdings für den nächsten Verhandlungstag eine Einlassung seines Mandanten an.

Update vom Mittwoch, 25.03.2020, 16.33 Uhr: Wegen Mordes an zwei Frauen steht seit Mittwoch der 53-Jährige Frank N. vor dem Landgericht Göttingen. Er hat  überraschend angekündigt, eine Aussage zu machen. 

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am 26. September vergangenen Jahres in Göttingen seine 44 Jahre alte frühere Lebensgefährtin auf der Straße mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, diese angezündet und die Frau dann mit insgesamt 25 Messerstichen getötet zu haben.

 Laut Anklage hat er zudem deren zu Hilfe eilende Arbeitskollegin mit dem Messer so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starb. Zwei weitere Helfer erlitten ebenfalls Stichverletzungen.

Mordprozess gegen Frank N.: Flucht durch Zugfenster

Der 53-jährige Deutsche konnte nach der Tat zunächst entkommen. Während seiner Flucht war er am folgenden Tag in einem Nahverkehrszug von Zeugen erkannt und dann von Bahnbediensteten in einem Zug-Abteil eingesperrt worden. 

Nach Bluttat in Göttingen: Mordprozess hat begonnen

Prozessbeginn Frank N. in Göttingen
Auftakt Prozess wegen Mordes an zwei Frauen © Swen Pförtner/dpa
Prozessbeginn Frank N. in Göttingen
Auftakt Prozess wegen Mordes an zwei Frauen © Swen Pförtner/dpa
Prozessbeginn Frank N. in Göttingen
Auftakt Prozess wegen Mordes an zwei Frauen © Swen Pförtner/dpa
Prozessbeginn Frank N. in Göttingen
Auftakt Prozess wegen Mordes an zwei Frauen © Swen Pförtner/dpa

Der gelernte Tischler schlug mit dem Nothammer eine Scheibe ein, sprang im Bahnhof Elze (Kreis Hildesheim) aus dem Fenster und flüchtete erneut. Am späten Abend wurde er schließlich in der Göttinger Innenstadt von Polizisten erkannt und überwältigt. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Mordprozess gegen Frank N.: Angeklagter schwieg bisher

In den Vernehmungen bei der Polizei hatte der Angeklagte geschwiegen. Die Staatsanwaltschaft geht von Eifersucht als Motiv aus. Der 53-Jährige habe es nicht ertragen, dass seine frühere Partnerin von ihm getrennt war und möglicherweise eine neue Beziehung begonnen hatte. 

Der Verteidiger kündigte jetzt an, dass der Angeklagte sich am nächsten Verhandlungstag, am Donnerstag, äußern wolle.

Mordprozess gegen Frank N.: 14 Verhandlungstage angesetzt

Für den Prozess sind vorerst 14 Verhandlungstage angesetzt. Wegen der Corona-Krise hatte die Kammer die Zahl der im Verhandlungssaal anwesenden Personen drastisch beschränkt, damit die von Medizinern empfohlenen Mindestabstände eingehalten werden konnten.

Originalmeldung vom Mittwoch, 25.03.2020, 6.30 Uhr: Normalerweise wird ein Prozess um ein aufsehenerregendes Verbrechen von einem großen Medienaufgebot begleitet. Beim am Mittwoch beginnenden Prozess ist das anders. Bei dem Mordprozess, der am heutigen Mittwoch (25.03.2020) vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen beginnt, ist dies anders. 

Angeklagt ist der 52-Jährige Frank N. Er ist angeklagt, im September 2019 eine Frau in Göttinger Stadtteil Grone auf offener Straße ermordet zu haben.

Mordprozess gegen Frank N. in Göttingen: Schutzvorkehrungen wegen Corona-Krise

Wegen der Corona-Krise hat das Gericht besondere Schutzvorkehrungen getroffen. Nur fünf Medienvertreter sind zu dem Prozess um den Doppelmord im Göttinger Stadtteil Grone zugelassen, für das übrige Publikum stehen weitere zehn Sitzplätze zur Verfügung.

Der Prozess findet im größten Verhandlungssaal des Landgerichts Göttingen statt. Um zum Schutz vor Infektionen den empfohlenen Sicherheitsabstand von zwei Metern gewährleisten zu können, haben Justizbedienstete entsprechende Vorkehrungen getroffen. Im Zuschauerbereich sieht es wie auf einer Baustelle aus, überall sind rot-weiße Flatterbänder angebracht. 

In der mittleren Sitzreihe wurden sämtliche Stühle mit dem Absperrband abgeklebt, dort darf niemand Platz nehmen. In der vorderen und hinteren Sitzreihe ist nur jeder dritte Stuhl benutzbar, die übrigen Sitzplätze sind ebenfalls abgeklebt. Die Zuschauerplätze wurden zudem so angeordnet, dass die einzelnen Besucher versetzt und nicht direkt voreinander sitzen.

Mordprozess gegen Frank N. in Göttingen: Mehr Abstände

Auch bei den Plätzen für die Medienvertreter wurden entsprechende Abstände geschaffen. Wie der Mindestabstand zwischen den Prozessbeteiligten eingehalten werden soll, war am Vortag noch nicht erkennbar. Sollten alle Beteiligten zum Prozessauftakt gegen Frank N. erscheinen, wären mehr als 20 Personen im Sitzungssaal. 

Neben den fünf Mitgliedern der Schwurgerichtskammer wären dies ein Protokollführer beziehungsweise eine Protokollführerin, ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, zwei Sachverständige, vier Anwälte, die von ihnen vertretenen sechs Nebenkläger, der Angeklagte, seine beiden Verteidiger sowie mindestens zwei Wachtmeister.

Mordprozess in Göttingen: Anklagepunkte gegen Frank N.

In dem Prozess muss sich der 52-jährige Frank N. wegen zweifachen Mordes sowie zweifacher gefährlicher Körperverletzung verantworten. Der mehrfach vorbestrafte Angeklagte soll im September 2019 in Göttingen auf offener Straße zunächst seine frühere Lebensgefährtin mit einer brennbaren Flüssigkeit bespritzt und sie anschließend in Brand gesetzt haben. Als sie zu fliehen versuchte, soll er massiv mit einem Messer auf sie eingestochen habe.

Die 44-Jährige verstarb noch am Tatort. Der Angeklagte soll ferner eine 57 Jahre alte Frau, die ihrer Kollegin zu Hilfe kommen wollte, durch Messerstiche so schwer verletzt haben, dass sie am folgenden Tag im Göttinger Uni-Klinikum verstarb. Der 52-Jährige soll außerdem zwei weiteren herbeigeeilten Helfern in den Oberarm und in die Hand gestochen haben, um sie von einem Einschreiten abzuhalten.

Von Heidi Niemann

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