Großes Potenzial in einem Gebiet

Riesen-Bauten mit bis zu zwölf Stockwerken: Stadt soll sich drastisch verändern

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Flache Bauten und Großparkplätze an Verkehrsadern wie der Wasserburger Landstraße sollen der Vergangenheit angehören.

Bestimmte Bereiche Münchens sollen sich drastisch verändern, um mehr Wohnraum zu schaffen. Sie werden kaum mehr wiederzuerkennen sein.

München - Als Vorreiterprojekt für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Grundstücke entlang der Straßen haben Elisabeth Merks Planer die Wasserburger Landstraße ausgewählt. Die „Wabula“, auch bekannt als B304, stellt mit täglich bis zu 30.000 Kfz-Fahrten eine der Hauptverkehrsstraßen der Stadt dar. Sie reicht vom Haidenauplatz am Ostbahnhof, wo sie noch Berg-am-Laim-Straße heißt, bis zum Autobahnring in Haar und weiter ins Ebersberger Umland. Die Ausfallstraße zeichne sich durch eine „wenig abwechslungsreiche Bebauung aus, die hinter ihrem Potenzial zurückbleibt“, heißt es in der Vorlage des Planungsreferats, die in Kürze dem Stadtrat vorgestellt werden soll.

Es handelt sich um ein Konzept zur Umgestaltung des Straßenrands, das das Planungsreferat gemeinsam mit einem Architekturbüro erarbeitet hat. Das untersuchte Gebiet umfasst die etwa vier Kilometer zwischen Bajuwarenstraße und der Grenze zu Haar, aufgeteilt in kleinere Abschnitte.

München: Gebäude mit mehr als fünf Geschossen

Insgesamt kamen die Planer zu der Ansicht, dass es hier jede Menge Möglichkeiten zur Nachverdichtung (merkur.de*) gibt. Was bedeutet, dass die Gebäude entlang der Straße deutlich höher würden. Statt der bisherigen zweigeschossigen Reihenhäuser und einiger Neubauten mit bis zu vier Vollgeschossen könnte man sich bei der Stadt hier künftig eine Randbebauung mit einer Höhe von mindestens fünf Geschossen vorstellen.

Dazu kommen wenigstens zwei markante Hochpunkte: An der Einmündung Truderinger Straße sowie an der Kreuzung Drosselweg. In der Studie auch „Flatiron“ genannt (wie das Flatiron Building am Broadway in New York), also sogenannte „Bügeleisen“-Hochhäuser mit spitzem Dreiecks-Grundriss, in denen Büroarbeitsplätze unterkommen könnten. Angepeilt wird eine Höhe von bis zu neun beziehungsweise zwölf Geschossen.

Für weitere hohe Gebäude im Bereich des heutigen Obi-Baumarktes ist man bei der Stadt durchaus offen. Großes Potenzial sehen die Stadtplaner auch beim Gewerbe, das man gerne mehr „stapeln“ möchte. Auch die Parkplätze sollen stärker genutzt werden.

München: Viel Potenzial rund um das Gewerbegebiet Stolzenhofstraße

Vor allem rund ums Gewerbegebiet Stolzenhofstraße gibt es da einige Ideen. Offenbar ist hier der Bau einer neuen S-Bahnhaltestelle „Friedenspromenade/Riemer Park“ im Gespräch. Damit könnte nicht nur die geplante Neubebauung am Rappenweg angebunden werden, es eröffnet auch die Chance für eine Umstrukturierung des gesamten Bereichs zwischen Bahn und Wabula zu einer stärkeren Mischung von Wohnen und Arbeiten.

Um die Nachverdichtung auszugleichen, soll gleichzeitig der öffentliche Raum aufgewertet werden. Der grüne Mittelstreifen soll eine dritte Baumreihe erhalten, vorhandene Freiflächen rund ums Truderinger Kulturzentrum zu einem Stadtteilpark zusammengeführt, vorhandene Grünflächen aufgewertet werden und an einmündenden Wohnstraßen kleine Quartiersplätze sowie „Taschenparks“ entstehen. Dazu soll es neue Rad- und Fußwege geben, sowie kurze Verbindungen zu den angrenzenden Wohnquartieren, zum Beispiel auch durch die Bezirkssportanlage an der Feldbergstraße. Im Zentrum von Waldtrudering sollen Arkaden, eine Flaniermeile mit attraktiven Aufenthaltsbereichen für Fußgänger, entstehen. Angedacht sind außerdem Gemeinschaftsdachgärten auf neuen Gebäuden.

München: Bürger und Eigentümer sollen Baupläne bewerten

Das alles funktioniert allerdings nur, wenn die Eigentümer mitspielen. Denn die Stadt besitzt dort nur wenige Flächen. Hingegen gibt es sehr viele Kleingrundstücke. Ob deren Eigentümer tatsächlich positiv auf Argumente wie Nachverdichtung und Aufwertung des öffentlichen Raums reagieren, scheint fraglich. Zumal sie investieren, aber auch für die Infrastruktur mitbezahlen müssten.

Stadtbaurätin Elisabeth Merk will das Entwicklungspotenzial der Straßenränder nutzen. Links eine Konzeptstudie für ein Stück der Wasserburger Landstraße.

Nach Vorstellung der Rahmenplanung im Stadtrat sollen Öffentlichkeit und Eigentümer zu den Plänen befragt werden. „Erst nach dieser Rückmeldung erscheint es sinnvoll, weitere Schritte zur Baurechtsschaffung konkret aufzuzeigen“, heißt es vom Planungsreferat. Dazu braucht es unter anderem die Änderung der alten Bebauungspläne, Wettbewerbe für die Hochhäuser und die Umgestaltung von Plätzen.

Diese Voraussetzungen dürften bei allen großen Ausfallstraßen Münchens die gleichen sein. Unbebauten Parkplätzen, eingeschossigen Fachmärkten und anderer Flächenverschwendung will die Stadt den Kampf ansagen. Doch wird dieser Kampf sicher nicht in den nächsten fünf Jahren gewonnen sein. Es klingt eher nach einem Mammutprojekt, das sich über Generationen hinzieht.

merkur.de* hat bereits darüber berichtet, warum Hochhäuser nur eingeschränkt dazu geeignet sind, die Wohnungsnot in Städten zu lindern. Zuletzt sorgten Hochhauspläne am Hirschgartenfür Diskussionen.

Carmen Ick-Dietl

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

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