„Solidarisiert euch mit uns!“ 

Tausende Landwirte in Existenzangst - Großdemo am Odeonsplatz

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Unzählige wütende Landwirte haben sich am Odeonsplatz versammelt. 

Aus ganz Bayern kamen Landwirte am Dienstag nach München und versammelten sich am Odeonsplatz zu einer Demonstration. Der Protest war ein Hilfeschrei.

Update 19.20 Uhr: Zehntausende Landwirte versammelten sich am Dienstag in Deutschlands Städten, um gegen die Agrarpolitik und die fehlende Wertschätzung der Gesellschaft zu protestieren. Allein in München rollten mehr als 1000 Traktoren in die Innenstadt, Tausende von Bauern fanden sich am Morgen in der guten Stube der Stadt ein. Vom Odeonsplatz bis zur Münchner Freiheit standen die Traktoren in Reih und Glied. 

Bauernaufstand in München: Bauern aus ganz Bayern demonstrieren

Die Kennzeichen verrieten: Aus ganz Bayern waren die Landwirte angereist. An den Frontladern waren Transparente angebracht mit Botschaften wie: „Alle reden über uns, aber keiner mit uns.“ Die Protestierenden wollten ein Zeichen für mehr Wertschätzung setzen. Organisiert hatte die Kundgebung eine Initiative namens Land schafft Verbindung, die ihre Unabhängigkeit von großen Verbänden betont - die Demo-Teilnehmer wurden zu großen Teilen über WhatsApp und Facebook mobilisiert. „Wir sind die Basis“, so Landwirt Georg Mayerhofer aus dem Kreis Passau, der auf der Bühne sprach. „Bei uns hat sich etwas angestaut“, rief er. 

Video: Landwirte legen Münchner Innenstadt lahm

Bauern-Demo in München: Protest als Hilfeschrei

Der Protest sei ein Hilfeschrei der Betriebe, die um ihre Existenz fürchteten. Das hat aus Sicht der Redner viele Ursachen: überbordende Auflagen etwa mit der Düngeverordnung und dem Agrarpaket des Bundeskabinetts. Steigende Ansprüche in Sachen Tierwohl gehörten auch dazu. „Ich bin hier, um eine Brücke zu bauen“, sagt Mayerhofer. Und an die Verbraucher gerichtet: „Solidarisiert euch mit uns!“ 

Überall behindern Traktoren Verkehr rund um München - große Kundgebung am Odeonsplatz

Update 16.17 Uhr: Eines ist nach der Demonstration am Odeonsplatz klar: Die Landwirte haben dort - genauso wie bei den anderen bundesweiten Kundgebungen - ihre Anliegen laut und in aller Deutlichkeit vorgebracht. Mehr als spürbar war dabei ihr großer Frust über die ständig neuen Vorgaben der Bundesregierung.

Demo in München: Landwirte haben ihre Anliegen deutlich vorgebracht

Auch die Redner, etwa Georg Mayerhofer - „Landwirt des Jahres 2017“ - scheuten nicht davor zurück, die Rolle von Medien und Politik in dieser Angelegenheit anzusprechen. So rief Mayerhofer den Medienvertretern zu, dass sie durch einseitige Berichterstattung mitverantwortlich seien, wenn in der Gesellschaft die Stimmung gegenüber den bayerischen Bauern kippt.

Update 14.30 Uhr: Vor den protestierenden Bauern am Odeonsplatz sprach unter anderem Ministerin Michaela Kaniber. Wie topagrar.com berichtet, ergriff die CSU-Politikerin vor tausenden Landwirten das Wort - und verteidigte den Kurs der CSU, etwa beim Volksbegehren. Dafür erntete Kaniber jedoch einige Buhrufe. Aber von manchen Protestanten gab es auch Applaus. Zum Beispiel als die Bad Reichenhallerin einen resoluten Zwischenrufer zum Vieraugengespräch einlud. 

Auf Merkur.de finden sie die schönsten Bilder zur Kundgebung am Odeonsplatz. 

Bauernprotest am Odeonsplatz: Politikerin erntet Buhrufe

Gleichzeitig äußerte Kaniber aber verständnisvoll für die Protestaktion der Bauern. „Ich war heute morgen richtig stolz, als die ganzen Schlepper aufgefahren sind“, so Kaniber. 

Bauernproteste in München

Update von 14.14 Uhr: Nach dem Ende der Demo ist die Staugefahr in München alles andere als überstanden. Im Gegenteil: Die rund 1000 Traktoren müssen die Landeshauptstadt nun wieder verlassen. Laut einem Polizeisprecher sollen sie dies über die Nymphenburger Straße, die Prinzregenten - und die Leopoldstraße. Speziell in diesem Gebiet rechnen die Beamten deshalb noch länger mit Staus. Das berichtet die dpa. 

München: Demo beendet - Polizei rechnet weiter mit Staugefahr

Update von 13.58 Uhr:Auch in Bonn begann heute Vormittag um elf Uhr die Hauptkundgebung. Hier versammelten sich jedoch deutlich weniger Bauern als erwartet. Das berichtet die Passauer Neue Presse. Ein Polizeisprecher bestätigte 4000 Teilnehmern auf dem Bonner Münsterplatz. Im Vorfeld hatten die Veranstalter mit 8000 bis 10.000 Teilnehmern gerechnet. Trotzdem legten auch hier die Landwirte den Verkehr rund um die Stadt am Vormittag teilweise lahm.

Bauerndemo: Protest am Odeonsplatz beendet

Update von 13.38 Uhr: Wie die Münchner Polizei mitteilt, wurde die Demo am Odeonsplatz soeben beendet. Trotzdem ist in der ganzen Stadt laut den Beamten weiterhin mit „erheblichen Verkehrsbehinderungen“ zu rechnen. Insgesamt 2000 Teilnehmer mit 1000 Traktoren hatten sich zu der Kundgebung im Herzen von München versammelt. 

Update von 13.30 Uhr: Noch vor dem offiziellen Beginn der Bauernproteste in Würzburg hat der Versammlungsleiter die Demonstration beendet. Grund dafür war ein Verkehrschaos in der Stadt - ausgelöst durch Traktoren, wie ein Polizeisprecher am Dienstag sagte. „In Würzburg ging gar nichts mehr.“ Dabei waren es nach ersten Schätzungen der Polizei nur 650 statt wie erwartet 1000 Traktoren.

Proteste der Landwirte in Bayern: Demo in Würzburg frühzeitig beendet

Schon kurz vor der Absage der Demonstration hatten die Beamten die Landwirte gebeten, wieder umzukehren. Am Versammlungsort in der Nähe der Würzburger Residenz sei kein Platz mehr für Traktoren gewesen, erklärte der Sprecher. Selbst Feuerwehr und Rettungswagen waren in einigen Stadtteilen nicht mehr durchgekommen. „Glücklicherweise gab es in dieser Zeit keine medizinischen Notfälle in den betroffenen Bereichen“, teilte das Bayerische Rote Kreuz mit.

„Land schafft Verbindung“: 20 Traktoren blockieren Berliner Ring

Auch nach der Auflösung der Demo blockierten zunächst rund 20 Traktoren den Berliner Ring. Noch bis in den Nachmittag sollte es in Würzburg Staus geben. In Bayreuth sollten nach Angaben der Polizei bis in den Nachmittag noch an die 1000 Traktoren unterwegs sein, in München mehrere Hundert. Auch dort mussten Verkehrsteilnehmer mehr Zeit einplanen.

Update von 13.15 Uhr: 266 Traktoren hat die Germeringer Polizei in Gilching gezählt. Dort trafen sich die Bauern, die aus dem kompletten Südwesten des Freistaats angereist waren. Auf den Schleppern waren Nummernschilder aus dem Ostallgäu, Landsberg, Mindelheim, dem Oberallgäu oder Neu-Ulm waren zu sehen, als der gewaltige Tross teilweise hupend durch Germering walzte.

Bauerdemo in Bayern: 266 Traktoren in Gilching 

Die Germeringer Polizei sorgte dafür, dass alles in geregelten Bahnen verlief. Die Beamten postierten sich auch an den Autobahn-Auffahrten um zu verhindern, dass die Landwirte ihren Protest dorthin ausweiten. „Es lief aber alles ruhig ab“, so ein Sprecher der Germeringer Polizei.

266 Traktoren sind in Gilching unterwegs. 

Update von 12.55 Uhr: In den sozialen Medien ist die bundesweite Demonstration der Landwirte ebenfalls ein großes Thema. Mit den Worten „Hier geh‘s ab. Allein hier 100 Schlepper“, postet etwa der Landesbauernverband auf Twitter ein Video von einer gefühlt endlosen Traktor-Kolonne. „Auf geht’s zur Unterstützung der Landwirte - Land schafft Verbindung", schreibt ein anderer User und veröffentlicht dazu ein Foto von Traktoren mit Protest-Plakat. 

Nicht nur die aktiven Demonstranten melden sich zu Wort. „Michaela Schäfer macht bei Bauer sucht Frau mit und RTL lädt zum Casting nach Bonn. Das Ergebnis ist Chaos!“, witzelt ein anderer User und postet ein Video von Traktoren die Straßen verstopfen. 

Bauernproteste: Zahlreiche Videos und Diskussionen im Internet

Aber nicht alle sind von der Aktion begeistert. „Die Treckerdemo ist eine absolute Frechheit. Es fahren seit einer halben Stunde Non-Stop Trecker die Straße lang Hupen wie verrückte, blockieren Straßen, missachten Verkehrsregeln und verpesten die Luft sodass man die Abgase sogar im Haus richen kann“, schreibt etwa eine Userin auf Twitter. „Umweltschutz mal gar nicht verstanden? Ich habe zwar ein Herz für Bauern - das Rückgrat unserer Versorgung - aber neben der Diskussion um Umwelt-, Arten- und Klimaschutz wird heute mal wieder genug CO2 für ein ganzes Jahr in die Luft geblasen! Sauerei!“, kommentiert ein anderer.

„Land schafft Verbindung“: Nicht jeder von Aktion begeistert

Update von 11.47 Uhr: Auch die Münchner Polizei hat sich mittlerweile zu der Demo geäußert. Laut den Beamten kommt es durch die Traktoren im ganzen Stadtgebiet zu Verkehrsbehinderungen. Außerdem ist der Odeonsplatz bis 16 Uhr gesperrt.

Bauerndemos: Münchner Polizei warnt vor Verkehrsbehinderungen

Ursprungsartikel vom 22. Oktober 2019: München - Unzählige landwirtschaftliche Gefährte fielen rund um München im Berufsverkehr auf. Zum Ärger und zur Überraschung vieler Pendler. Zur Stunde versammeln sich die Traktoren samt zorniger Fahrer auf dem Odeonsplatz zu einer Kundgebung.

Der Grund: Bundesweite Bauernproteste gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Am Dienstag ist auch in München eine Kundgebung geplant, von der Umweltorganisation Greenpeace gibt es unterdessen harsche Kritik.

Sie startet am 11 Uhr  am Odeonsplatz. Laut dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt soll dort der „Landwirt des Jahres 2017“, Georg Mayerhofer, sprechen. Auch in Bayreuth und Würzburg werden jeweils Hunderte protestierende Landwirte erwartet. 

Bauernproteste: Kundgebung am Odeonsplatz in München startet um 11 Uhr

Die drei Kundgebungen sind Teil eines bundesweiten Aktionstags der Bauerninitiative „Land schafft Verbindung“, der sich innerhalb kürzester Zeit Zehntausende Landwirte angeschlossen haben. Ein Symbol der Protestbewegung sind die grünen Kreuze, die viele Bauern als Symbol ihrer Existenzängste auf Feldern und Wiesen aufstellen. 

Denn die seit Jahren unter Einkommensverlusten leidenden Landwirte sind verärgert, weil EU und Bundesregierung die Umweltauflagen in den vergangenen Jahren stetig verschärft haben. Gleichzeitig stellen alljährlich Tausende von Bauern den Betrieb ein, weil sich die Landwirtschaft immer weniger lohnt.

München: Landwirte in Bayern verärgert - immer mehr müssen Betrieb einstellen

Außerdem beklagt die Initiative „permanente negative Stimmungsmache“ und „Bauernbashing“. Das richtet sich vor allem gegen die Vorwürfe von Umweltschützern und Politikern, dass die konventionelle Landwirtschaft schlecht für Natur, Umwelt und Trinkwasser sei.

Video: Bauern protestieren gegen strengere Düngeregeln

Die Hauptkundgebung ist in Bonn geplant. Von der Protestbewegung überrascht wurde nicht zuletzt der Deutsche Bauernverband, der an der Organisation der Demonstrationen nicht beteiligt ist.

kof/dpa

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