Reaktion auf Beschneidungsverbot

Muslime fordern Recht auf Beschneidung

Köln - Nach dem vom Landgericht Köln verfügten Beschneidungsverbot, verlangen Muslimische Organisationen vom Bundestag ein gesetzlich garantiertes Recht auf Beschneidung.

Nur so könne nach dem Beschneidungsverbot wieder Rechtssicherheit für Millionen von muslimischen Familien in Deutschland geschaffen werden.

„Wir fordern den deutschen Bundestag sowie die Politik auf, schnellstmöglich zu handeln und eine gesetzlich geschützte Regelung für die Beschneidung von Jungen zu erlassen“, heißt es in einer am Mittwoch in Köln verbreiteten Erklärung des Koordinationsrates der Muslime und anderer muslimischer Organisationen.

In der vergangenen Woche hatte das Gericht religiöse Beschneidungen als strafbare Körperverletzung eingestuft. Das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung wiege in diesem Fall schwerer als der Elternwille und die Religionsfreiheit, urteilte das Gericht.

„Die Situation ist die, dass die muslimischen Eltern vor einem großen Gewissenskonflikt stehen“, sagte der Sprecher des Koordinationsrates, Ali Kizilkaya. „Wir wollen auch keinen Beschneidungstourismus ins Ausland, das muss der Gesetzgeber auch bedenken.“

Auf die Frage, ob auch ein Gang vor das Bundesverfassungsgericht denkbar wäre, sagte Kizilkaya: „Wir sind noch in der Beratung, wir haben noch keine abschließende Entscheidung getroffen.“ Eigentlich gehe man fest davon aus, dass dies nicht nötig sein werde, weil der Bundestag eine entsprechende gesetzliche Regelung schaffen werde.

Das Urteil gefährde eine Jahrtausende alte Tradition, sagte Kizilkaya. Es betreffe „sowohl fromme als auch säkulare Muslime“ und grenze sie aus. „Das ist ein Rückschlag für die Integration der Muslime. Dieses Signal ist verheerend. Da hat sich Deutschland einen Bärendienst geleistet, auch beim internationalen Ansehen“.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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