In der August-Ausgabe

Mutmaßlicher Terrorist auf "Rolling-Stone" Cover löst Empörung aus

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Das Cover des "Rolling-Stone"-Magazins.

Washington. Die renommierte Musik-Zeitschrift „Rolling Stone“ löst mit ihrem August-Cover Empörung in den USA aus: Auf der Titelseite ist ein Bild des mutmaßlichen Bombenlegers des Boston-Marathons, Dschochar Zarnajew, zu sehen.

Ansonsten ist dieser Platz für Popmusiker und Stars reserviert. Das Musik-Magazin hatte sich in seiner Titelstory mit dem überlebenden Zarnajew-Bruder und seinen mutmaßlichen Motiven beschäftigt.

Bei dem Anschlag, den er zusammen mit seinem Bruder Tamerlan begangen haben soll, waren im April drei Menschen getötet und über 200 weitere verletzt worden.

Auf dem Titelbild wirkt der mutmaßliche Attentäter von Boston mit seiner dunklen Lockenmähne eher wie der junge Bob Dylan oder der ebenso legendäre Jim Morrison. Und nicht wie der 19-Jährige, der noch vergangene Woche vor Gericht im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf den Bostoner Marathon vom April mit drei Toten und vielen Verletzten auf nicht schuldig plädierte.

Das Foto, das auf der August-Ausgabe des altehrwürdigen Musikmagazins „Rolling Stone“ erscheinen soll und vorab im Internet zu sehen war, lässt Dschochar Zarnajew trotz geschwollenen Auges und eines Gipsarms lässig aussehen. Kurioserweise wurde genau dieses Foto bereits von vielen Tageszeitungen und Magazinen gedruckt.

Große Kritik

Aber dem Musikmagazin werfen Kritiker jetzt vor, es in etwas Aufregenderes verwandelt zu haben - und Zarnajew wie einen Rockstar wirken zu lassen. „Mir fällt kein anderes Beispiel ein, bei dem jemand so sehr das Bild eines mutmaßlichen Terroristen verherrlicht hat“, sagt Kathleen Hall Jamieson, Direktorin des Annenberg-Zentrums für Öffentliche Politik an der Universität von Pennsylvania.

Neben vielen Internet-Nutzern rief das Cover auch den Ärger des Bostoner Bürgermeisters und des Gouverneurs des US-Bundesstaates Massachusetts hervor.

Magazin soll nicht verkauft werden

Mindestens fünf Zeitschriftenvertriebe kündigten an, das Magazin - es soll am heutigen Freitag in den USA auf den Markt kommen - nicht zu vertreiben.

Dabei setzt sich der „Rolling Stone“ in der Titelgeschichte über Zarnajew eingehend damit auseinander, wie der charmante, allseits beliebte ethnische Tschetschene diesen dunklen Weg in Richtung des radikalen Islam nehmen konnte. Zusammen mit seinem älteren Bruder Tamerlan, der bei einer Verfolgungsjagd nach dem Attentat ums Leben kam, soll Dschochar den Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben.

Die Geschichte zum Titelfoto reißt das Magazin mit dem fettgedruckten Wort „Der Bombenleger“ an. Dann heißt es weiter: „Wie ein beliebter, vielversprechender Student von seiner Familie im Stich gelassen wurde, dem radikalen Islam verfiel und ein Monster wurde“.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Musikmagazin Persönlichkeiten außerhalb der Musikwelt auf das Cover hebt. So zierten schon US-Präsident Barack Obama aber auch Massenmörder Charles Manson die Titelseite. Die Geschichte über Zarnajew reihe sich in dieses „lange bestehende Engagement zur ernsthaften und gedankenvollen Berichterstattung über die wichtigsten politischen und kulturellen Dinge unserer Zeit“ ein, teilte der „Rolling Stone“ mit. (dpa/afp)

Was denken Sie über das aktuelle Cover des Magazins? Schreiben Sie uns Ihre Meinung in den Kommentaren unten.

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