Kein Einzelfall

Mutter getötet - Tochter zu fast neun Jahren Haft verurteilt

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Das Gericht befand die Angeklagte für schuldig.

Aurich - Für die Tötung ihrer 95-jährigen pflegebedürftigen Mutter ist eine Frau in Niedersachsen zu acht Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Das ist kein Einzelfall.

Nach Überzeugung des Landgerichts im ostfriesischen Aurich hatte die 63 Jahre alte Tochter die Frau im vergangenen Juni nach einem Streit zunächst geschlagen und dann stranguliert. Das Gericht befand die Angeklagte am Freitag der Körperverletzung und des Totschlags für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte als Strafmaß neuneinhalb Jahre gefordert. Die Verteidigung wollte dagegen einen Freispruch erreichen. Nach ihrer Ansicht sprechen Anhaltspunkte dafür, dass sich die Mutter selbst getötet hat.

Frust, Streit, Überforderung

Dass (erwachsene) Kinder ihre hilflosen Eltern töten, kommt immer wieder vor. Einige Fälle:

September 2015: In Stuttgart startet der Prozess gegen einen 61-Jährigen. Er hatte gestanden, seine pflegebedürftige Mutter erstickt zu haben. Der Rentner lebte mit der Schwerkranken allein und litt nach eigenen Angaben an Depressionen.

Januar 2015: Im Kofferraum eines Autos findet die Polizei in Bamberg die Leiche einer alten Frau. Ein 45-Jähriger gesteht, seine Mutter getötet zu haben. Zuvor hatte er sie aus dem Pflegeheim abgeholt.

Februar 2012: Er mischte seiner hilflosen Mutter Abflussreiniger in den Tee. Das Landgericht Memmingen (Bayern) verurteilt einen 42-Jährigen daher zu lebenslanger Haft. Er sei unzufrieden gewesen und habe finanzielle Schwierigkeiten gehabt, gibt er als Motiv an.

September 2011: Er erstach seine pflegebedürftige Mutter im Affekt. Das Landgericht Chemnitz verurteilt einen sehbehinderten 46-Jährigen wegen Totschlags zu neun Jahren Haft.

Januar 2007: Das Landgericht Köln schickt eine 27-Jährige wegen Totschlags für sechs Jahre hinter Gitter. Sie hatte ihre demenzkranke Mutter getötet und die Leiche monatelang im Kühlschrank versteckt. Die Frau sei mit der Pflege überfordert gewesen, befand das Gericht.

dpa

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