Tierschutz-Bilanz seit 2000

Neun Wölfe illegal erschossen, mindestens 40 überfahren

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Erobert Europa von Osten her: Konflikte mit Wölfen haben vor allem Schafhalter und Jäger.

Meppen. Seit Jahren erobert der Wolf Deutschland von Osteuropa her Stück um Stück zurück. Jetzt hat er es quer durch Niedersachsen bis an die holländische Grenze geschafft, vielleicht auch schon darüber hinweg.

Auf Schießplätzen der Bundeswehr bei Meppen und Nordhorn liefen im März und April Wölfe in die Fotofalle. Die erfolgreiche Rückkehr der grauen Raubtiere 150 Jahre nach ihrer Ausrottung gilt als Erfolg für den Artenschutz.

Konflikte gibt es aber nach wie vor mit Schafhaltern und Jägern. Erstere bangen um ihre Herden, letzteren werden mindestens neun illegale Abschüsse von Wölfen seit dem Jahr 2000 angelastet. Erst Ende März fanden Waldarbeiter einen Wolfsrüden mit Bauchsschuss tot bei Weißkeißel im sächsischen Landkreis Görlitz.

Außerdem wurden mindestens 40 Wölfe überfahren, sagte Moritz Klose, Referent für Wolfsschutz beim Nabu auf Anfrage unserer Zeitung – auf Landstraßen, Autobahnen, Geleisen: „Einer wurde im Auto zu Tode gehetzt. Und bei den illegal getöteten Wölfen wissen wir überhaupt nichts über die Dunkelziffer.“

Gut vorbereitet und begleitet werde das Zusammenleben von Wolf und Mensch bislang nur in Brandenburg und Sachsen, hieß es jetzt vom Nabu weiter. In Niedersachsen sei das Wolfsmanagement befriedigend, die Öffentlichkeitsarbeit sogar gut. „Gelder an die Tierhalter zum Herdenschutz fließen allerdings nach wie vor nicht“, so ein Hauptkritikpunkt des Nabu-Ländervergleichs. In Hessen nennt die Organisation Vorbereitungen sogar mangelhaft.

Mindestens einmal nachgewiesen wurde der streng geschützte Räuber seit dem Jahr 2000 laut Nabu-Statistik in 13 der 16 Bundesländer – noch nicht in Baden-Württemberg, Bremen und im Saarland in allen Ländern und Stadtstaaten.

Von Wolfgang Riek

Hintergrund

Schützen „häufig nicht zu ermitteln“

Nach Todesschüssen auf Wölfe seien Schützen „häufig nicht zu ermitteln“, sagt Nabu-Wolfsexperte Moritz Klose. Falls doch, enden Ermittlungen und Prozesse aus Tierschützersicht meist frustrierend. Klose: „2012 wurde ein Wolf im Westerwald von einem Jäger erschossen, der ihn angeblich für einen streunenden Hund gehalten hat. Enttäuschend ist, dass das Bundesnaturschutzgesetz keinen Eingang in die Urteilsbegründung gefunden hat,“ sagt der Nabu-Experte.

„Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart und illegale Tötungen können mit bis zu fünf Jahren Haft und 50 000 Euro Geldstrafe geahndet werden.“

In zweiter Instanz wurde das Westerwald-Verfahren vor dem Landgericht Koblenz gegen 3500 Euro eingestellt. Ein Grund: die Bitte des Anwalts um Rücksichtnahme. Der angeklagte Jäger war immerhin schon 73. Seinen Jagdschein und die Waffen musste der Mann allerdings zurückgeben. (wrk)

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