Nach Flugzeugabsturz: Das hilft gegen Flugangst

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Vermeiden geht nicht: Damit sich die Sorgen nicht verstärken, geht am Urlaubsflug kein Weg vorbei.

Berlin - Der Osterurlaub steht vor der Tür. Eigentlich sollte ein Flieger die Familie an den Strand bringen. Aber ist das sicher? Viele sorgen sich nach dem Absturz in Frankreich. Den Flug in den Osterurlaub deshalb abzusagen, ist die falsche Strategie.

Update vom 27. März 2015: Nach der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen gehen viele Flugpassagiere mit gemischten Gefühlen an Bord von Flugzeugen. Auf dem Flug von Hamburg nach Köln hat deswegen ein Pilot der Germanwings einfühlend gezeigt, wie er mit diesen Ängsten umgeht. Verfolgen Sie die weiteren Entwicklungen in unserem Ticker.

Der Flugzeugabsturz einer Germangwings-Maschine in Frankreich löst nicht nur Entsetzen und Trauer aus. Auch Sorge vor dem nächsten eigenen Flug spielt bei zahlreichen Menschen jetzt mit hinein: Immerhin steht bei vielen der Osterurlaub bevor. Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), gibt Tipps im Umgang mit verbreiteten Befürchtungen.

Was können Erwachsene tun, die nun Angst vor dem Abflug haben?

"Ich würde vor so einer Reise noch einmal versuchen, mich zu informieren", sagt Hauth. Sprich: den Flug auf Zahlen und Verstand gründen. "Letztlich ist Fliegen die ungefährlichste Art zu reisen, die man sich vorstellen kann." Laut der International Air Transport Association (IATA) kam 2014 auf 4,4 Millionen Flüge ein Unfall. Diese Zahl sollte man sich vor Augen halten, rät Hauth. "Über die Straße zu gehen, ist gefährlicher."

Erwachsene sind von solchen Sorgen tendenziell stärker betroffen als Kinder, da viele bereits Angst vor Kontrollverlust haben. Etwa 15 Prozent von ihnen leiden bereits unter Flugangst. Den Osterflug wegen des aktuellen Ereignisses abzusagen, ist aber die falsche Strategie: Denn wer die Situation, die einem Sorgen bereitet, vermeidet, verstärkt diese damit noch. Die Angst kann sich so verfestigen.

Was sollen Eltern machen?

Möchten Kinder nach dem Absturz partout nicht in den Ferienflieger steigen, gilt auch für sie: Vermeiden ist keine Lösung. Hauth rät, sie mit nachdrücklicher Fürsorge trotzdem in die Maschine zu bewegen. Gut ist, sie mit abzulenken - etwa ein Hörbuch einzuschalten. "Die Aufmerksamkeit von Kindern ist schnell auf andere Themen zu lenken."

Wichtig ist außerdem, schon vor dem Abflug eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Dazu gehört, ausgeschlafen zu sein. Für den Weg zum Flughafen muss genug Zeit eingeplant werden, damit keine Hektik ausbricht. Sind die Eltern selbst etwas nervös wegen des Flugs, ist es besser, dieses Gefühl vor den Kindern zu verbergen: zum Beispiel, indem man gemeinsam mit ihnen eine Geschichte liest - so lenkt man auch sich selbst ab.

Wie sollen Jugendliche sich verhalten?

Bei Jugendlichen kann eine Rolle spielen, dass eine Gruppe von Schülern aus Haltern unter den Opfern des Unglücks ist - damit sei die Identifikation noch einmal viel höher, erklärt Hauth. Eine Klassenfahrt oder einen Schüleraustausch haben die meisten schon einmal gemacht, die Route sind einige auch schon geflogen, einen Flug mit Germanwings haben Jugendliche oft ebenfalls schon gemacht. Das Wiedererkennen der Situation könne Besorgnis auslösen, sagt Hauth.

Auch für Jugendliche gilt aber: Sie müssen sich die Wahrscheinlichkeit so eines Unglücks verdeutlichen. Diese Sachebene funktioniert bei ihnen schon genau wie bei den Erwachsenen - und anders als bei kleinen Kindern.

dpa

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