Fragen und Antworten: "Maulkorb ist keine Lösung"

Nach tödlichem Vorfall in Hannover: Wird Kampfhund eingeschläfert? 

Der Tatort: Ein Kamerateam vor dem Mehrfamilienhaus in Hannovers Stadtteil Groß-Buchholz, in dem der Hund Mutter und Sohn totgebissen haben soll. Foto:  Peter Steffen/dpa

Hannover. Nach der tödlichen Hundeattacke in Hannover wird am Donnerstag das vorläufige Obduktionsergebnis erwartet. Der Vorfall löst eine Debatte über gefährliche Hunde aus. Eine Hundetrainerin beantwortet wichtige Fragen.

Eine erste Untersuchung durch einen Rechtsmediziner ergab, dass ein 27-jähriger Mann und seine 52-jährige Mutter durch Hundebisse gestorben sind: Ein Staffordshire-Terrier-Mischling soll seine beiden Besitzer in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus totgebissen haben. 

Nach dem Vorfall am Dienstag hat die Staatsanwaltschaft Hannover eine Obduktion angeordnet. Dabei soll laut Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Klinge, die genaue Todesursache ermittelt werden. 

Nach der Attacke wurde der Hund in der Wohnung von der Feuerwehr eingefangen und in ein Tierheim gebracht. Um entscheiden zu können, ob der Hund eingeschläfert wird, soll ihn zunächst ein Veterinärmediziner der Stadt Hannover begutachten. Außerdem wird das Obduktionsergebnis abgewartet.

"Maulkorb ist keine Lösung"

Dass Hunde Menschen totbeißen, kommt nach Experteneinschätzung sehr selten vor. Laut Statistischem Bundesamt starben von 1998 bis 2015 insgesamt 64 Menschen durch Hundeattacken. Unter anderem im Jahr 2000 hatte der tödliche Angriff zweier Kampfhunde auf den sechs Jahre alten Hamburger Jungen Volkan den Anstoß für eine Debatte über den Umgang mit gefährlichen Hunden gegeben. Fragen und Antworten:

Was könnte die tödliche Attacke in Hannover ausgelöst haben?

In den meisten Fällen zeigten Hunde aggressives Verhalten, wenn sie mit sehr viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagt Tierärztin Dunia Thiesen-Moussa, an der Tierärztlichen Hochschule Hannover zuständig für Wesenstests bei Hunden. Diese Tests werden von den Veterinärämtern angeordnet, wenn ein Hund einen Menschen verletzt hat und deshalb Anzeige erstattet wurde. „Das macht ein Hund nicht von heute auf morgen“, sagt auch Hundetrainerin Patricia Both von der Hundeschule Martin Rütter-Dogs in Kassel. Entweder sei das Tier in Hannover krank oder schon vorher auffällig gewesen. „Mir ist kein Fall bekannt, wo der Hund gestern freundlich war und heute Menschen totbeißt. Das hat eine Vorgeschichte.“

Wie hätte sich eine solche Attacke verhindern lassen?

Der Hund in Hannover soll in der Wohnung in einem Zwinger gehalten und nur mit enger Leine und Maulkorb ausgeführt worden sein, außerdem Passanten angefletscht haben. „Es war dann wohl klar, dass mit dem Hund was nicht in Ordnung war“, sagt Hundetrainerin Both. „Maulkorb und Zwinger sind keine Lösung. Ich frage mich, warum sich die Leute keine Hilfe gesucht haben.“ Wenn ein Hund sich problematisch verhalte, würden manche Halter dies herunterspielen oder schön reden. Manchen sei es auch peinlich. Es sei aber leichtsinnig, sich keine professionelle Hilfe zu holen, sagt Both, die eine zweijährige Ausbildung beim Hundetrainer Martin Rütter absolviert hat. Bei einem aggressiven Hund wie in Hannover sei es auch kaum mit einer normalen Hundeschule getan; es gebe aber spezielle Trainer oder Auffangstationen, die sich solcher Tiere annähmen.

Kann man einen aggressiven Hund wie den in Hannover umerziehen?

„Das ist ganz schwierig zu beurteilen“, sagt Hundetrainerin Both. Wenn der Hund in der Wohnung in einen Zwinger gesperrt wurde, sei das keine artgerechte Haltung. „Wenn das über Jahre so ging, ist ein Hund nur schwer wieder zu sozialisieren.“ Manchmal hätten die Halter aber auch keine Lust, sich intensiv mit ihrem Tier zu befassen. Ein extremes Verbeißen wie in Hannover sei allerdings kein Merkmal einer bestimmten Hunderasse. 

(mit dpa)

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