Nach kurzem Comeback: Jil Sander verlässt ihr Unternehmen wieder

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Die Rückkehr auf die Laufstege war nur von kurzer Dauer: Modedesignerin Jil Sander kehrt der Marke Jil Sander wieder den Rücken. Aus persönlichen Gründen, hieß es in Mailand.

Jil Sander wieder ohne die Gründerin: Die 69-jährige Modedesignerin Jil Sander verlässt zum dritten Mal das Unternehmen, das ihren Namen trägt. Die „Queen of Less“ - wie sie wegen ihrer schnörkellosen, schlichten Entwürfe genannt wird - habe persönliche Gründe für ihren Abschied, teilte die Jil Sander Group in Mailand mit. Sander stand erst seit Februar 2012 wieder an der Spitze des von ihr Ende der 60er Jahre in Hamburg gegründeten Unternehmens. Die Zusammenarbeit endet mit der Frühling-Sommer-Kollektion 2014, die bereits vorgestellt wurde. Ein in ihrer Zeit ausgebildetes Designerteam werde die folgende Herbst-Winter-Kollektion 2014 entwickeln.

Der Chef der Sander-Gruppe, Alessandro Cremonesi, dankte der Modemacherin „für ihren bemerkenswerten Beitrag“. Ihre herausragende Designer-Arbeit und kreative Führung seien entscheidend gewesen, um die Marke zu stärken. Die zierliche Hamburger Modeschöpferin steht für schlichte pure Eleganz, perfekten Schnitt und grade Linien. Ihr Comeback war von der Modewelt gefeiert worden. Erst seit knapp zwei Jahren hatte Sander wieder Mode für die Marke Jil Sander gemacht. „Ich bin sehr glücklich darüber, wieder da zu sein. Es fühlt sich so an, als würde ich nach einer kurzen Reise wieder nach Hause kommen“, sagte sie damals. Ihre Rückkehr sorgte für einen Paukenschlag in der Branche. Wenig charmant wiesen Kritiker aber auch auf ihr Alter hin. Derartige Hinweise empfinde sie als sexistisch, sagte sie. „Was die Menschen interessiert, ist, was einer tut. Und ich stehe in einem Lebensabschnitt, in dem Politiker erst für höhere Aufgaben reifen“, sagte die Designerin. Seit Beginn ihrer Laufbahn hat Jil Sander, die am 27. November 70 Jahre alt wird, eine beeindruckende Karriere hingelegt und sich in die Spitze der internationalen Modewelt vorgearbeitet. 1943 in Wesselburen (Schleswig-Holstein) geboren, wuchs sie in Hamburg bei ihrer Mutter und deren zweitem Mann auf. Nach einer Ausbildung zur Textilingenieurin studierte Sander zwei Jahre in Los Angeles. Zurück in Deutschland arbeitete sie als Moderedakteurin und eröffnete 1967 im Hamburger Stadtteil Pöseldorf eine Boutique, in der sie auch eigene Entwürfe verkaufte. Schnell avancierte das Geschäft zum Geheimtipp unter jungen, eleganten Frauen. Denn das Frauenbild Heidemarie Sanders, die sich mittlerweile „Jil“ nannte, wirkte so modern und souverän, dass sich die an Selbstbewusstsein erstarkte weibliche Generation der 60er und 70er Jahre darin spiegeln konnte. Ende der 90er Jahre war die Hanseatin auf dem Gipfel ihres Ruhms angelangt. Sander entschloss sich, 1999 die Aktienmehrheit ihres Unternehmens an die italienische Prada-Gruppe zu verkaufen. Doch die Zusammenarbeit scheiterte, und schon wenige Monate nach dem Verkauf stieg sie aus. Jil Sander ohne Jil Sander funktionierte jedoch mehr schlecht als recht. Und so holte Prada sie drei Jahre später zurück. Doch 2004 verließ Sander die Firma erneut, und gut ein Jahr später verkaufte Prada die Marke wieder. 2008 übernahm das japanische Unternehmen Onward die Modefirma, die in der Zwischenzeit einiges von ihrem Glanz verloren hatte. (dpa)

Von Carola Große-Wilde und Dorit Koch

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