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Klaus Sterns neue ZDF-Doku: Diesmal porträtiert der Kasseler Regisseur einen "Bürgermeister-Macher"

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Von: Mark-Christian von Busse

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Bürgermeister-Macher Abberger (l.) mit seinem Kandidaten Zeilmeier (r.). Wird Abberger es schaffen, aus Zeilmeier einen Bürgermeister zu machen?
Er weiß, wo es lang geht: Bürgermeister-Macher Abberger (links) mit seinem Kandidaten Zeilmeier. © ZDF und Klaus Stern

Für seine Filme über Protagonisten wie den Unternehmer Mehmet Göker hat Klaus Stern viele Preise bekommen. Nun porträtiert der Kasseler für die "37 Grad"-Reihe des ZDF einen "Bürgermeister-Macher".

Kommunalpolitik gilt gemeinhin nicht als besonders aufregend, obwohl gerade auch die Entscheidungen von Feierabendpolitikern und Gemeindeverwaltungen unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag haben. Klaus Stern, dem preisgekrönten Kasseler Dokumentarfilmer, gelingt es in seinem ersten Beitrag für die ZDF-Reihe „37 Grad“, „Der Bürgermeister-Macher“, auf knappen 30 Minuten einen Mini-Krimi aus der Lokalpolitik zu erzählen. Zu sehen an diesem Dienstag ab 22.15 Uhr und in der Mediathek.

Klaus Abberger, 49, ein ehemaliger Zeitungsredakteur, verdient sein Geld als Politikberater. Er unterstützt Bürgermeister-Kandidaten möglichst unauffällig bei ihrer Imagepflege: mit Redevorlagen, in der Pressearbeit, bei der Gestaltung von Webseiten, dem Design von Werbebroschüren.

Der Kasseler Filmemacher Klaus Stern. Foto: Achim Sünnemann, honorarfrei |
Der Kasseler Filmemacher Klaus Stern © Sünnemann

Klaus Stern, der mit Filmen wie „Weltmarktführer“, „Henners Traum“ und „Versicherungsvertreter“ den Grimme- und den Deutschen Filmpreis gewonnen hat, begleitet einen Diplom-Bauingenieur und Bauamtsleiter sowie eine Diplom-Verwaltungswirtin und DRK-Kreisverbandsgeschäftsführerin, die auf einen Chefposten im Rathaus wollen: Thomas Zeilmeier will in Ispringen bei Pforzheim den amtierenden Bürgermeister schlagen, in Zimmern ob Rottweil möchte Carmen Merz dem in den Ruhestand gehenden Amtsinhaber nachfolgen. Fast zwei Euro pro Einwohner, verrät die 42-Jährige, gibt sie für das Coaching aus. In Zimmern wohnen 6000 Menschen.

HNA-Spezial zu Klaus Stern

„Wahlkampf in der Provinz“ lautet der Untertitel der kurzweiligen Doku, die – für „37 Grad“ untypisch – ohne jeden Kommentar auskommt. Nur ein paar Zeitangaben strukturieren den Film, leiten zu den Wahltagen hin und sorgen für eine spannende Dramaturgie.

Stern stammt selbst aus der Provinz, wurde 1968 in Ziegenhain geboren und ist in Wiera (Schwalm-Eder-Kreis) aufgewachsen. Wie in allen seinen Filmen, beweist er einen genauen Blick, Gespür für Details. Kameramann Frank Marten Pfeiffer schafft mit wenigen, aussagekräftigen Bildern ein präzises Bild der Ortschaften und ihrer Atmosphäre. Immer wieder verblüffend ist, wie Stern Nähe zu seinen Protagonisten aufbaut, bei Schlüsselszenen präsent ist. Nicht ohne Komik, wenn der „Ischpringer“ Kandidat sich bemüht, Känguru prononciert auszusprechen und sich die Worthülsen des Redenschreibers Abberger wiederholen.

Der Film wertet die Professionialisierung des Wahlkampfs auf lokaler Ebene nicht, er zeigt einfach, wie viel Bewerber für ihre Kandidatur investieren. Das dürfte auch in Nordhessen und Südniedersachsen nicht nur Kommunalpolitiker interessieren.

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