Nach Wirbel um Pockinger Gymnasium

Schon wieder: Schulleiter warnt Schüler vor Flüchtlingen

Michendorf - Der Direktor eines Gymnasiums aus dem Landkreis Potsdam hat seinen Schülern geraten, keine freizügige Kleidung zu tragen, weil Flüchtlinge in der Nähe sind. Erst vor ein paar Tagen hatte ein Schulleiter aus Pocking in Niederbayern für diesen "Tipp" heftige Kritik geerntet.

Nach dem Wirbel um ein Gymnasium in Niederbayern hat nun erneut ein Schulleiter den Schülerinnen geraten, keine freizügige Kleidung zu tragen, weil sich Flüchtlinge in der Nähe befinden. Henrik Reinkensmeier (56), der Direkter des Wolkenberg-Gymnasiums in Michendorf (Landkreis Potsdam-Mittelmark), wo seit drei Wochen 100 Flüchtlinge in der Turnhalle einquartiert sind, sagte der Bild: "Offenherzige Kleidung wie sehr kurze Röcke oder Hosen könnten missverstanden werden. Unter den Asylbewerbern sind 30 Alleinreisende, meist Männer. Sie könnten Kleidung und Blicke junger Mädchen falsch deuten.“ Außerdem warnte er die Schüler davor, von den Fremden Getränke oder Zigaretten anzunehmen: "Weil nicht auszuschließen ist, dass damit Infektionskrankheiten übertragen werden könnten."

Erst vor ein paar Tagen hatte der Leiter eines Gymnasiums in Niederbayern mit ähnlichen Äußerungen für mächtig Wirbel gesorgt. Auch er warnte Eltern davor, Mädchen zu leichtbekleidet in die Schule kommen zu lassen, weil in der Nähe 200 Flüchtlinge untergebracht sind. Dafür erntete der Pockinger Direktor haufenweise Kritik. Viele fanden die Empfehlung ziemlich daneben. Und zu allem Übel griffen rechte Hetzportale im Internet die Geschichte auf. Es war zu lesen von "Asylwahnsinn", "Scharia-Schulregeln" und "Minirockverbot wegen islamischer Asylanten". Daraufhin ruderte der Pockinger zurück und sagte, es sei lediglich Anliegen gewesen, Eltern und Kinder zu sensibilisieren, dass in der Schule zwei Kulturen zusammenkommen.

Auch auf die Aussagen seines Potsdamer Kollegen gab es bereits Reaktionen. Der Landrat des Landkreises Potsdam-Mittelmark, Wolfgang Blasig, sagte etwa: "Wir bemühen uns um eine Willkommenskultur für die Flüchtlinge. Aber der Schulleiter erweckt bei den Schülern den Eindruck, die Asylbewerber seien blutrünstige Straftäter, die schlimme Krankheiten verbreiten. Er stößt damit ins selbe Horn wie jene Leute, die Angst vor Flüchtlingen schüren." Auf die Kritik des Landrates lenkte Reinkensmeier ein: Er bedauere, dass seine „Äußerungen missverständlich aufgenommen wurden. Sie waren keinesfalls in einem negativen Sinn gegenüber den Asylbewerbern gemeint".

Bei den Schülern hat der Schuldirektor derzeit jedenfalls keinen guten Stand. Ein 17-Jährige sagte: "Ich lasse mir meine Kleidung nicht von der Schule vorschreiben. Bei der Hitze schon gar nicht." Und eine 13-Jährige betonte: "Noch keine Schülerin wurde von einem Asylbewerber angemacht." 

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Rubriklistenbild: © dpa

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