Nach sieben Jahren Haft: Französin frei

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Florence Cassez nach ihrer Festnahme 2005

Mexiko-Stadt - Sieben Jahre lang saß die Französin Florence Cassez in Mexiko als vermeintlicher Kopf einer Entführer-Bande hinter Gittern. Doch die Beweise in dem Prozess waren gefälscht.

Das Oberste Gericht hob am Mittwoch in Mexiko-Stadt das Urteil gegen die 38-Jährige auf. Nur wenige Stunden später verließ sie das Gefängnis, nach sieben Jahren hinter Gittern. In Begleitung ihres Vaters fuhr sie zum internationalen Flughafen, um noch am Mittwochabend (Ortszeit) nach Frankreich zu fliegen, wie die Zeitung „La Jornada“ in ihrer Online-Ausgabe berichtete.

Die Richter befanden in einer Mehrheitsentscheidung, dass die als Beweis angeführten Umstände der Festnahme der Frau 2005 von den Behörden gefälscht worden waren, um sie für die Mittäterschaft an drei Entführungen der Gangsterbande „Los Zodiacos“ verantwortlich zu machen. Der Prozess gegen sie sei deshalb ungültig gewesen.

Cassez war als mutmaßliches Mitglied der Entführerbande festgenommen und zunächst zu 96 Jahren Haft verurteilt worden. Sie war mit dem Bandenchef befreundet. Die Entführten versicherten, ihre Stimme gehört zu haben. Die Strafe wurde 2011 auf 60 Jahre reduziert.

Die Polizei hatte für Fernsehkameras eine spektakuläre Befreiungsaktion der Entführten mit Festnahme des mutmaßlichen Entführerpaares einen Tag nach der eigentlichen Festnahme inszeniert. Cassez hat immer angegeben, sie habe nichts von den kriminellen Handlungen ihres Freundes gewusst. Der Fall hatte zu einer Belastung der Beziehungen zwischen Frankreich und Mexiko geführt.

Entführungsopfer und einige ihrer Angehörigen kritisierten die Freilassung scharf. „Es werden (mit dem neuen Urteil) der Straflosigkeit die Tore geöffnet“, erklärte die Vorsitzende der Gruppe Alto al Secuestro (Stopp den Entführungen), Isabel Miranda de Wallace.

Frankreichs Präsident François Hollande begrüßte die Gerichtsentscheidung. „Das ist eine äußerst schmerzhafte Zeit, die nun ein Ende findet“, ließ er am Mittwochabend in Paris mitteilen.

dpa

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