Karl-May-Museum sieht sich aber als Besitzer

Nach über 100 Jahren: Indianer fordert Skalp zurück

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Prärie-Indianer: Im Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden ist eine Gruppe in Festtagskleidung ausgestellt. Ein Indianer des Stammes der Ojibwe fordert derzeit einen Skalp vom Karl-May-Museum in Radebeul zurück.

Radebeul. Die Ojibwa-Indianer forderen einen Skalp zurück, der seit mehr als 100 Jahren in den Händen des Karl-May-Museums in Radebeul ist. Ein Stammes-Mitglied macht dabei einen Anspruch auf Rückführung sterblicher Überreste geltend. Nun soll der Sachverhalt überprüft werden.

Gerechtigkeit und Frieden – das war es, wofür der Häuptling Winnetou in den gleichnamigen Romanen stets gekämpft hat. All das, wofür der Romanheld des deutschen Autors Karl May gestanden hat, scheint jetzt in Gefahr. Zumindest in den jüngeren Ausgaben verzichtet er zudem weitgehend auf das Töten von Feinden – Skalps, die sonst als Trophäe von ebensolchen Tötungen behalten werden, besitzt Winnetou also kaum.

All das, wofür der Romanheld des deutschen Autors Karl May gestanden hat, scheint jetzt in Gefahr: Denn die Direktorin des Karl-May-Museums in Radebeul bei Dresden, Claudia Kaulfuß, und der Indianer Cecil Pavlat streiten sich um einen Skalp. Derzeit im Besitz des Museums, möchte es Pavlat gerne zurück nach Michigan bringen, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Doch wo liegt das Problem? Eigentlich im Jahr 1904. Denn der Indianerforscher Patty Frank soll damals auf einen Indianer des Dakota-Stammes getroffen sein, der den Skalp eines Indianers des Stammes der Ojibwe mit sich geführt hat. Frank, erster Direktor des Karl-May-Museums, war interessiert an der Trophäe, wollte sie ausstellen. Und so vereinbarte man einen Tausch: Der Indianer sollte 100 Dollar und drei Flaschen Schnaps bekommen, wenn er den Skalp abgebe. Der Deal war besiegelt.

Streitobjekt: Um diesen Skalp geht es.

Für den 61-jährigen Pavlat jedoch stellt sich das Ganze nicht so einfach dar: Er ist Rückführungsbeauftragter bei den Indianern im US-Bundesstaat Michigan, dessen Skalp damals über den Tisch ging. Den hätte er gerne zurück vom Karl-May-Museum, schrieb zum Jahresbeginn deshalb einen Brief – und beruft sich auf eine auch von Deutschland unterschriebene UN-Erklärung zu den Rechten indigener Völker von 2007. Dort ist von einem Anspruch auf Rückführung sterblicher Überreste die Rede.

Kaulfuß wiederum beharrt darauf, dass der Sklap rechtmäßig erworben wurde. Zudem sei überhaupt nicht nachgewiesen, ob er überhaupt echt sei. Gerade diese Unwissenheit soll jetzt dazu führen, den Frieden wieder herzustellen: Ganz im Sinne von Winnetou wollen Kaulfuß und Pavlat die Gerechtigkeit siegen lassen. Die 46-Jährige und der Indianer haben kürzlich einen „Letter of Understanding“ unterschrieben, in dem sie festhalten, dass sie bis Ende des Jahres die Herkunft des Skalps überprüfen wollen. Dann soll entschieden werden, wie es weitergeht. (cow)

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