Seilbahnunfall: Helfer Hynek Bednar im Gespräch

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Schnell vor Ort: Auf der Stütze der Gondel saßen fünf Retter bis morgens um acht Uhr, um die Passagiere in der Gondel (roter Kreis) zu versorgen. Das Tegelberghaus ist oben rechts im Bild zu sehen.

Schwangau. Seit Montagmorgen fährt die Seilbahn am Tegelberg wieder. Fast Normalität ist am Allgäuer Berg wieder eingekehrt. Doch vergessen sind die Geschehnisse vom Freitag nicht.

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Hynek Bednar arbeitete gerade an der Berggaststätte am Tegelberghaus, als sich der Gleitschirmflieger in den Seilen der Tegelbergbahn kurz nach 13 Uhr verfangen hatte. Als er von dem Unfall erfuhr, eilte er sofort die 30 Meter von der Gaststätte zur Station.

Hynek Bednar

„Ich war als erster Retter vor Ort“, berichtet der 36-Jährige gegenüber der HNA. Er ist nicht nur Pächter des Tegelberghauses unterhalb der Station, sondern auch seit vielen Jahren für die Bergwacht tätig. Doch die Bergung konnte nicht sofort beginnen. „Wir mussten erst warten, bis der Helikopter eine spezielle Ausrüstung von der Bergwachtstation am Fuße des Berges brachte“, sagt er. Der Einsatzleiter habe sich schließlich vom Hubschrauber aus zu dem Gleitschirmflieger und seinem Tandempartner vom Bayerischen Rundfunk hingeseilt, Bednar nahm die beiden am Seil in Empfang und holte sie zur Erde herunter. „Den Reporter haben wir zum Gesundheitscheck gebracht, der Pilot war auf einmal verschwunden“, so Bednar. Gurtzeug und Schirm habe er einfach dagelassen. „Wir haben ihn nicht mehr gesehen.“

Schirm hing zu fest

Wichtiger war den Rettern aber, alle Touristen in Sicherheit zu bringen. Der Versuch, den verfangenen Gleitschirm aus den Seilen zu lösen, scheiterte. „Der Schirm war einfach zu fest zugeschnürt.“ Da die Drahtseile nicht auseinander- zubringen waren, konnte auch die Rettungsgondel nicht losgeschickt werden, die im Notfall ausrückt, wenn eine Gondel stecken bleibt. „Mehr als 400 Menschen, die noch oben auf dem Berg waren, wurden mit dem Hubschrauber ins Tal geflogen“, sagt Bednar.

Ein zu starker Wind hinderte die Helfer schließlich daran, die Passagiere aus der Gondel zu befreien. „Es war nicht mehr möglich, nah genug an die Gondel zu kommen.“ Gegen Abend postierten sich fünf Helfer auf dem großen Betonpfeiler, der das Bahnseil stützt - darunter auch Hynek Bednar. „Wir sind dorthin geklettert. Innen in der Stütze ist eine Leiter, mit der wir dann auf das Plateau des Pfeilers gelangt sind.“

Dort haben sie ihr Rettungslager und eine Leitung über 300 Meter zur Gondel aufgebaut, um mit einem Seilfahrgerät die Passagiere mit Decken, Essen und Getränken zu versorgen. Die ganze Nacht wachten die Retter, vier von der Bergwacht und ein Notarzt, über die Touristen in der Gondel - bis die letzten Passagiere am Samstag geborgen waren.

Der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Franz Bucher, kritisierte gestern den 54-jährigen deutschen Piloten, der in der Schweiz lebt: Der Mann sei ohne Entschuldigung verschwunden, sagte Bucher. Gegen den Piloten wird laut Polizei wegen fahrlässiger Körperverletzung sowie eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

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