"Hells Angels MC Cologne" aufgelöst

Köln - Ein weiterer Schlag gegen die Rockerkriminalität in Deutschland: Zum zweiten Mal binnen weniger Tage ist in Nordrhein-Westfalen ein als gefährlich eingestufter Rockerclub verboten worden.

Innenminister Ralf Jäger (SPD) löste am Donnerstag den Verein “Hells Angels MC Cologne“ und eine Unterstützergruppe auf. “Ihre Welt besteht aus Bedrohung, Gewalt, Waffen und Selbstjustiz,“ sagte er. Spezialeinheiten durchsuchten am Donnerstag mehr als 30 Wohnungen in der Region um Köln und in Rheinland-Pfalz. Das Clubhaus der Rockerbande in Frechen bei Köln wurde dicht gemacht.

Das Innenministerium hatte erst in der vergangenen Woche einen Club der rivalisierenden Rockerbande Bandidos in Aachen und fünf der Untergruppen aufgelöst. Beide Aktionen verliefen in der heißen Phase des Landtagswahlkampfes. Am 13. Mai wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Jäger dementierte einen Zusammenhang. “Die Polizei und der Innenminister stellen ihre Arbeit nicht ein, weil Wahlen anstehen. Dies tun Kriminelle auch nicht“, sagte er in Düsseldorf. Vorausgegangen seien monatelange Ermittlungen.

Großalarm für Polizei: Hells Angels kommen

Hells Angels
Wer sie nicht kennt: Die Hells Angels sind ein Rocker- und Motorradclub, dessen Mitglieder öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten. © dpa
Hells Angels
Die Werte der „Höllenengel“ lauten Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Respekt und Freiheit. © dpa
Hells Angels
Gegründet wurde der Club 1948 in Kalifornien. © dpa
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß.
Als „Backpatch“, also Logo auf der Lederjacke, wird ein Totenkopf mit Flügeln verwendet, der als „Deathhead“ bezeichnet wird. Der Schriftzug, und damit die Clubfarben, ist rot auf weiß. © dpa
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag.
Rocker der Hells Angels auf dem Weg zu einem Treffen in Prag. © dpa
Hells Angels
Vor einem Treffen werden zwei Hells Angels von der Polizei durchsucht. © dpa
Hells Angels
Ein Rocker macht mit seinem Motorrad den „Burn out“. © dpa
Hells Angels
Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
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Mitglieder der Hells Angels werden auf dem Weg zur Autobahn von Polizeifahrzeugen eskortiert. © dpa
Hells Angels
Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
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Ein Treffen der Hells Angels. © dpa
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Ein Polizist überwacht ein Treffen der Hells Angels. © dpa
Hells Angels
Europatreffen der Hells Angels mit Kaffeefahrt: Die Mitglieder sitzen in einem Boot, einem so genannten "Auswanderer", um zu der Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer überzusetzen. Dort gibt es erst Kaffee und Kuchen. Anschließend beginnt eine Party. © dpa
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Rund 1500 Mitglieder waren mit ihrem Motorrädern zum Europatreffen gekommen. Dafür ist extra ein Gelände in einem Industriegebiet angemietet worden. © dpa
Hells Angels
Hells Angels © dpa
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Eine Kutte der Hells Angels und bei einer Razzia beschlagnahmte Waffen in der Asservatenkammer des Polizeipräsidiums in Kassel. © dpa
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Nach einer Gerichtsverhandlung haben sich Mitglieder der früher verfeindeten Rockergruppen Bandidos und Hells Angels eine Schlägerei geliefert. Die Polizei hat einige von ihenn verhaftet. © dpa
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Nach der Schlägerei auf offener Straße wurde dieses Mitglied der Hells Angels verhaftet. © dpa
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Hells Angels auf ihren schweren Maschinen. © dpa
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Ein festgenommener Rocker. © dpa
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Die „Kutte“ der Hells Angels. © dpa

Mehr als 800 Polizisten waren bei der Razzia seit dem frühen Morgen beteiligt. Sie beschlagnahmten mehrere Gewehre, Revolver, Messer und Schlagstöcke. Zudem wurde Beweismaterial, 4.000 Euro Bargeld sowie die nun verbotenen Vereinsembleme und mehr als 20 markante Rocker-Kutten gesichert. “Sie können nicht mehr martialisch in der Öffentlichkeit als mächtige Organisation auftreten“, sagte Jäger. Mit Motorradromantik hätten sie nichts zu tun.

In den Wohnungen seien auch mehrere Rocker angetroffen worden, sagte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur dapd in Köln. Zwischenfälle habe es aber nicht gegeben. Niemand sei festgenommen worden.

Wiederholte Aktionen

In den zurückliegenden Wochen war die Polizei bereits mehrfach gegen Rockerclubs in NRW vorgegangen. Neben der Aktion in Aachen waren schon zuvor Räume der Bandidos in Herne und Bochum durchforstet worden, um eine Massenschlägerei zwischen Bandidos und Mitgliedern der Hells Angels aufzuklären. Rund 100 Rocker hatten sich im Januar in Mönchengladbach geprügelt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach sich für weitere Maßnahmen aus. “Ich gehe davon aus, dass es auch in Zukunft weitere Verbote geben wird“, sagte der GdP-Vorsitzende Bernhard Witthaut im dapd-Interview. Die Innenminister der Länder hätten durchschaut, dass der sogenannte Friedensvertrag von Hannover, den die Hells Angels und die Bandidos im Mai 2010 geschlossen hatten, nur ein Scheinvertrag gewesen sei.

Mit 400 Mitgliedern sind die Bandidos laut Landeskriminalamt die mitgliederstärkste Rockergruppe in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von den Hells Angels mit 250, Gremium mit 200 und den Outlaws mit 50 Mitgliedern. Insgesamt sind die Rocker im Land in fast 50 Chaptern organisiert - vor sieben Jahren waren es noch die Hälfte. Vor den beiden jüngsten Verboten war erst einmal ein Rockerverein in NRW aufgelöst worden. Betroffen war das Düsseldorfer Chapter der Hells Angels im Jahr 2001.

dapd

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