Welterbe ist nicht gleich Welterbe

Namensstreit im Harz: Unesco-Kommission  droht jetzt mit Ärger

+
Ärger im Harz: Der Rammelsberg mit den früheren Bergwerksanlagen und dem heutigen Besucherbergwerk gehören zum Unesco Weltkulturerbe Rammelsberg. Die Kurzbezeichnung "Unesco-Welterbe Harz" ist nach Darstellung der deutschen Unesco-Kommission unzulässig.

Goslar. Im Harz bahnt sich ein Streit an: Es geht um den Begriff "Unesco-Welterbe Harz". In Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge gibt es zwar Welterbe satt. Die Bezeichnung sei aber unzulässig, meint die deutsche Unesco-Kommission - und droht jetzt mit Ärger.

Wenn es um den Namen Harz geht, kennen die Bewohner des in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegenden Mittelgebirges bisweilen wenig Rücksicht. So schlossen sich 2005 drei Kreise aus Sachsen-Anhalt trotz Protestes aus Niedersachsen zum Großkreis Harz zusammen. Wenige Jahre später fusionierten mehrere Gemeinden aus dem östlichen Unterharz zur Stadt Oberharz am Brocken, obwohl die niedersächsische Samtgemeinde mit Sitz in Clausthal-Zellerfeld den Namen Oberharz schon seit Jahrzehnten trägt.

Lexikonwissen:

Der Harz im Regiowiki

Jetzt droht ein Streit um die in Niedersachsen erdachte Marke Unesco-Welterbe Harz - eine eingängige Kurzbezeichnung für die Welterbestätten Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft. Die Welterbestätten Luthergedenkstätten Eisleben und Altstadt Quedlinburg seien beim Welterbe Harz außen vor, obwohl sie ebenfalls im Harz liegen, bemängeln Kritiker.

Auf Prospekten der in Goslar ansässigen Stiftung, die die Welterbestätten im Westharz betreut, prangt das Logo "Unesco Welterbe Harz". Dabei geht es im Inhalt ausschließlich um das Bergwerk Rammelsberg, die Goslarer Altstadt und die Oberharzer Wasserwirtschaft. Die Welterbestätten in Sachsen-Anhalt kommen nicht vor. Auch unter der Internet-Adresse www.unesco-welterbe-harz.de geht es nur im die Stätten in Niedersachsen.

Es waren allerdings keine Harzer aus Sachsen-Anhalt, sondern ein umtriebiger Lokalpolitiker aus Goslar, der deshalb die deutsche Unesco-Kommission in Bonn einschaltete. Mit der "Okkupation" des Namens "Unesco-Welterbe Harz" werde "der Wahnsinn des Gegeneinanders im Harz" verstärkt, statt ihn endlich zu beenden, argumentiert der frühere fraktionslose Ratsherr Heinz Severitt.

In Bonn interessiert man sich zwar wenig für das regionale Harzer Geplänkel. Dennoch blieb das Schreiben nicht folgenlos. Die Kurzbezeichnung Unesco-Welterbe Harz sei nämlich nicht statthaft, stellte die deutsche Kommission fest. "Das ist ein unzulässiger Begriff, der den Eindruck erweckt, dass der Harz in seiner Gesamtheit von der Unesco als Welterbe anerkannt wurde", sagt Sprecher Dieter Offenhäußer.

Ulrich Reiff von der in Goslar ansässigen Stiftung, die das Westharzer Welterbe verwaltet, versteht zwar die Worte, aber die Aufregung nicht. "Wir verwenden natürlich weiterhin die offizielle Bezeichnung", sagt Reiff. Der Begriff "Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft" sei allerdings recht sperrig. Deshalb habe man jüngst eine kurze, eingängige Bezeichnung als Dachmarke für die Außendarstellung auf Prospekten und Broschüren gesucht und gefunden. "Das erleichtert die tägliche Arbeit und das Marketing".

Bei der deutschen Kommission hat man dafür zwar ein gewisses Verständnis, will aber dennoch die Verwendung der Bezeichnung Unesco außerhalb des offiziellen Westharzer Welterbe-Namens nicht hinnehmen. Denn der Begriff sei kein Marketing-Instrument, sagt Sprecher Offenhäußer. Das hätten sich auch andere deutsche Welterbestätten schon vorhalten lassen müssen.

Die Kommission werde die Harzer Welterbestiftung deshalb auffordern, die nicht bestimmungsgemäße Verwendung zu unterlassen, sagt Offenhäußer. "Es kann sein, dass es sonst richtigen Ärger mit der Unesco in Paris gibt." (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.