Aus Münchner Wohnung

Nazi-Raubkunst: Verdächtige Werke im Internet

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Die Kombo zeigt mehrere Werke aus dem spektakulären Kunstfund in München.

München - Nach dem spektakulären Kunstfund in einer Münchner Wohnung haben die Behörden eine Liste mit 25 verdächtigen Werken im Internet veröffentlicht.

Am Montagabend wurden Bilder „mit entsprechenden dringenden Verdachtsmomenten auf NS-verfolgungsbedingten Entziehungshintergrund“ in die Plattform lostart.de der Koordinierungsstelle Magdeburg eingestellt, wie das bayerische Justizministerium, das Kultusministerium sowie das Bundesfinanzministerium und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Unter den Werken sind Bilder von Marc Chagall, Eugène Delacroix, Carl Spitzweg und Otto Dix.

Eine „Taskforce“ aus Sachverständigen soll nun schnellere Aufklärung bringen. „Zwischen Bund und Land wurde vereinbart, umgehend eine qualifizierte Taskforce von mindestens sechs Expertinnen und Experten für Provenienzrecherche zusammenzustellen“, heißt es in der Mitteilung. Parallel zum Ermittlungsverfahren der Augsburger Staatsanwaltschaft sollen die Provenienz-Experten der Herkunft der rund 1400 gefundenen Bilder aus der entdeckten Sammlung des Kunsthändlersohnes Cornelius Gurlitt auf den Grund gehen. Die Leitung der „Taskforce“ soll die frühere Ministerialdirektorin Ingeborg Berggreen-Merkel übernehmen.

Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus Münchner Fund

Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Kunstwerk des deutschen Malers Franz Marc mit dem Titel "Pferde in Landschaft".  © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Kunstwerk des franzöischen Malers Marc Chagall mit dem Titel "Allegorische Szene". © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Von Carl Spitzweg stammt dieses Gemälde mit dem Titel "Musizierendes Paar". © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Ein Selbstportrait des deutschen Malers Otto Dix mit einer Zigarette im Mund. © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Ein Kunstwerk des deutschen Malers Otto Dix. © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Der franzöischen Maler Henri Matisse erschuf dieses Gemälde mit dem Titel "Sitzende Frau". © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Dieses Kunstwerk des deutschen Malers Ernst Ludwig Kirchner trägt den Titel "Melancholisches Mädchen". © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Der franzöische Maler Gustav Courbet erschuf dieses Gemälde mit dem Titel "Dorfmädchen mit Ziege". © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. Ein Kunstwerk des italienischen Malers Antonio Canaletto (Giovanni Antonio Canal). © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. © dpa
Erste Bilder: Die Polizei zeigt Nazi-Raubkunst aus dem Fund in der Wohnung von Cornelius Gurlitt. © dpa

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Augsburg müssen rund 970 der etwa 1400 gefundenen Werke von Experten überprüft werden. 380 davon können dem zugeordnet werden, was die Nationalsozialisten „Entartete Kunst“ nannten, bei 590 Werken muss laut Mitteilung überprüft werden, ob sie den rechtmäßigen Eigentümern während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt genommen wurden. Was passiert, wenn sich der Verdacht bestätigt, konnte ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums zunächst nicht sagen. Womöglich müssten dann einzelne Zivilprozesse zwischen Gurlitt und möglichen Vorbesitzern geführt werden.

„Die Herkunft der beim sogenannten "Schwabinger Kunstfund" sichergestellten Kunstwerke wird so rasch und transparent wie möglich festgestellt“, heißt es in der Mitteilung. Denn: „Die mit dem "Schwabinger Kunstfund" aufgeworfenen Fragen zur Restitution im Zusammenhang mit NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kunstwerken können in einem Strafverfahren allein nicht hinreichend geklärt werden.“

Ex-Minister: Staatsanwaltschaft überfordert

Zuvor hatte der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann im „Art“-Magazin gesagt, die Staatsanwaltschaft Augsburg sei mit der Sache ganz offenkundig überfordert, die Forderungen nach einem offenen Umgang wurden immer lauter. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses (WJC), Ronald S. Lauder, hatte von der Bundesregierung verlangt, „die Bilder sichtbar zu machen“, und der amtierende Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte vor einem Schaden für Deutschlands Ansehen gewarnt.

In Gurlitts Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing waren im Februar 2012 rund 1400 vielfach verschollen geglaubte Werke gefunden worden. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung.

„Sie können davon ausgehen, dass wir flexibel auf die aktuellen Umstände reagieren und das Erforderliche im Hinblick auf die Interessen der Geschädigten und den Fortgang der Ermittlungen in die Wege leiten“, hatte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft als Reaktion auf die vorangegangene Kritik gesagt. „Nach den derzeitigen Gegebenheiten schöpfen wir alle Möglichkeiten aus.“

dpa

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