Negativzinsen für Sparer: Langfristige Anlagen können lohnen

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Verbraucher bekommen die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken nun direkt zu spüren: Erste Geldinstitute verlangen Negativzinsen für Einlagen. Foto: Arne Dedert

Stuttgart (dpa/tmn) - Stell dir vor, dein Geld liegt auf der Bank, und du musst dafür extra bezahlen. Ein unvorstellbares Szenario? Nein. Denn erste Banken verlangen jetzt Negativzinsen. Kunden können aber gelassen bleiben.

Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken bekommen Verbraucher nun direkt zu spüren. Erste Banken verlangen für Einlagen von Kunden Negativzinsen. "Historisch gesehen sind negative Zinsen tatsächlich nicht ganz so ungewöhnlich, wie man das vielleicht erwarten würde", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Selbst bei Bundesschatzanweisungen mussten Anleger im August mit einer negativen Rendite leben.

Für Sparer ist diese Entwicklung aus Sicht des Finanzexperten ärgerlich. "Negativzinsen werden derzeit aber nur bei sehr hohen Beträgen verlangt." Aufgrund der derzeit allgemein niedrigen Zinsen mussten Sparer außerdem schon bisher Einbußen hinnehmen. "Von dem Sparzins müssen Sie die Inflationsrate und die Steuerbelastung abziehen", erklärt Nauhauser. "Und da haben viele Verbraucher auch in der Vergangenheit trotz optisch hoher Zinsen unterm Strich schon häufiger Geld verloren."

Doch was können Kunden tun, um negative Zinsen zu vermeiden? "Sie könnten das Geld natürlich zu Hause aufbewahren", sagt der Experte. Doch das ist nicht unbedingt sinnvoll: "Unter dem Kopfkissen ist das Geld ja nicht wirklich sicher und die eigene Hausratversicherung sichert auch nicht bedingungslos größere Beträge gegen Diebstahl ab", gibt Nauhauser zu bedenken. Besser sei es, das Geld so zu verteilen, dass möglichst viel Rendite erzielt werden kann. "Bei längeren Anlagezeiträumen gibt es durchaus noch höhere Zinsen", erklärt der Verbraucherschützer. "Wenn Sie auf das Geld verzichten können, kann es sich lohnen, es für längere Zeit fest anzulegen."

Ein Beispiel: Zwei Sparer legen 10 000 Euro an. Der erste Sparer setzt auf ein flexibles Tagesgeldkonto, bei dem er 1 Prozent Zinsen bekommt. Der zweite Sparer legt sein Geld für 10 Jahre fest an und bekommt dafür 2,5 Prozent Zinsen. Der erste Sparer kann nach 10 Jahren über rund 11 050 Euro verfügen, der zweite über 12 800 Euro. "Ein langer Anlagezeitraum kann sich also durchaus lohnen, selbst wenn in den kommenden 10 Jahren die Zinsen steigen", sagt der Verbraucherschützer. "Denn wenn der erste Sparer sein Geld nach 5 Jahren in eine besser verzinste Anlage investiert, müsste diese 4,02 Zinsen bringen, damit er am Ende auf denselben Ertrag kommt."

"Achten Sie darauf, dass die deutsche Einlagensicherung gilt", rät Nauhauser. Hierbei sind durch staatliche Garantien Anlagebeträge bis zu 100 000 Euro geschützt. "Hierbei können Sie davon ausgehen, das Geld im Ernstfall auch tatsächlich ersetzt zu bekommen."

Verbraucherschützer rechnen nicht damit, dass Millionen Sparern Negativzinsen für ihre Guthaben bei Banken und Sparkassen drohen. "Negativzinsen im großen Stil kann sich die Branche vor dem Hintergrund des Vertrauensverlustes durch die Finanzkrise nicht leisten", sagte Christian Ahlers vom Verbraucherzentrale Bundesverband am Montag (3. November) auf Anfrage. Bankenverbände verwiesen auf den starken Wettbewerb.

Die Deutsche Skatbank hatte für Wirbel gesorgt, weil sie seit November für Beträge auf Tagesgeldkonten von mehr als 500 000 Euro einen Minuszins von 0,25 Prozent verlangt. Allerdings wird dieser nach Angaben der Bank erst dann fällig, wenn die Gesamteinlagen des Kunden - unabhängig von der Anlageform - drei Millionen Euro überschreiten. Das Institut ist eine Direktbank-Tochter der Volks- und Raiffeisenbank Altenburger Land.

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