Nur ein schlechter Witz: Stefan Raabs Polit-Talk „Absolute Mehrheit"

xxx: Moderator Stefan Raab (links) mit seinen Gästen Michael Fuchs (CDU) und Jan van Aken (Linke, vorn). Foto: dapd

Es dauerte nicht lange, als in Stefan Raabs neuer Talkshow „Absolute Mehrheit“ auf Pro 7 zum ersten Mal gelogen wurde – aber es war kein Politiker, sondern Peter Limbourg. Was für einen Eindruck die Sendung von Sonntagabend auf HNA-Redakteur Matthias Lohr machte: seine Rezension.

 Der Nachrichtenchef von Pro 7 und Sat.1 lobte die Politrunde des Privatsenders als ein „Novum“, weil Politiker zum ersten Mal per Televoting von den Zuschauern eine Rückmeldung bekämen. Dabei gab es genau das schon von 1968 bis 1998 in der ARD-Sendung „Pro und Contra“.

Diesmal hat Raab also nichts Neues erfunden, sondern von den Öffentlich-Rechtlichen kopiert. Seine angeblich ach so revolutionäre Talkshow, bei der ein Gast 100 000 Euro bekommt, wenn er mehr als die Hälfte der Zuschauerstimmen für sich verbuchen kann, braucht zudem kein Mensch. „Absolute Mehrheit“ ist ungefähr so politisch wie das Sackhüpfen bei „Wetten, dass ..?“.

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Gleich um drei Themen ging es bei der Premiere. Aber wer nun eigentlich was gesagt hatte zu Steuergerechtigkeit, der Energiewende und sozialen Netzwerken, konnte man nach 90 Minuten nicht sagen. Wichtiger als das Gesagte ist für Raab das Meinungsbild der Zuschauer, das Limbourg nach und während jeder der drei Runden per Balkendiagramm moderierte. Noch bevor FDP-Politiker Wolfgang Kubicki beispielsweise auch nur einen Satz zum Thema Internet gesagt hatte, kündigte Raab an: „Wir müssen zur Wertung kommen.“

Radio HNA: So war Stefan Raabs "Absolute Mehrheit"

Wenn das politische Willensbildung für die „jungen Performer“ sein soll, wie Raab seine Zielgruppe nennt, dann kann er auch gleich eine Talkshow machen, in der nur geschwiegen und am Ende über das Aussehen abgestimmt wird.

Gewiss: Raab stellte freche Fragen und war gut vorbereitet. Aber dass ein „sympathischer Volkstribun“ (Limbourg) wie Kubicki gegen rhetorisch weniger begabte Gäste wie Michael Fuchs (CDU) gewinnen würde, war eigentlich vorher klar. Die absolute Mehrheit erreichte er jedoch nicht, weshalb es im Januar um 200 000 Euro geht.

Die Demokratie wird an dieser Show nicht zugrunde gehen, aber es ist kein gutes Zeichen, wenn Raab einen rassistischen Witz machen darf und gestandene Politiker das durchgehen lassen – wohl weil sie nicht als Spaßbremse gelten wollen. Über den von Kubicki ungeliebten FDP-Parteichef Phillpp Rösler, der als Flüchtlingskind aus Vietnam nach Deutschland kam, sagte er: „Wenn Rösler das beim Abendessen sieht, fallen ihm hoffentlich nicht die Stäbchen aus der Hand.“ So bleibt nach der Premiere ein bitterer Nachgeschmack.

Von Matthias Lohr

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