Neue Mietpreller-Doku: „Das Schlimmste war ein toter Hund“

Bisher war Vera Int-Veen in Herzensangelegenheiten unterwegs. Jetzt verlässt die Moderatorin den Kuschelkurs. In der neuen RTL-Doku „Mietprellern auf der Spur“ macht sie Jagd auf Mieter, die ihre Miete nicht gezahlt und die Wohnung verwahrlost zurückgelassen haben.

Ziel: die Mietnomaden aufspüren und zur Rede stellen. Im Interview spricht die 43-Jährige auch über einen Fall, der sie nach Echte in Südniedersachsen führte.

Kakerlaken, Hausmüll, es gibt ja viele Arten von Dreck. Was war das Schlimmste, was Sie in einer Wohnung vorgefunden haben?

Vera Int-Veen: Eigentlich sind Essensreste, sonstiger Müll, Ungeziefer und tote Mäuse vor allem in der Menge, in der ich das alles gesehen habe, schon schrecklich genug. Wenn dann noch Fäkalien von Haustieren aber anscheinend auch von Menschen dazukommen, geht das über meinen Verstand. Das Schlimmste, was wir bisher vorgefunden haben, war ein verhungerter Hund.

Sind Sie als eine Art Schuldeneintreiberin unterwegs?

Int-Veen: Natürlich ist es ein wichtiger Punkt, den Vermieter dabei zu unterstützen, an die ausstehenden Mieten zu kommen und auch in irgendeiner Form Schadensersatz einzutreiben. Aber mir ist es am wichtigsten, den Mietprellern gegenüberzustehen und sie damit zu konfrontieren, was sie ihren Vermietern angetan haben. Mein Ziel ist es, dass die Mietpreller für ihr Vergehen geradestehen - nicht nur finanziell, sondern auch durch eine aufrichtige Entschuldigung und indem sie mithelfen, die Wohnung wieder auf Vordermann zu bringen.

Wie haben die Mieter, die Sie aufspürten, reagiert?

Int-Veen: Das war bisher sehr unterschiedlich - lassen Sie sich überraschen. Es waren die verschiedensten Emotionen dabei.

Mietpreller - sind das Leute, die darauf aus sind, auf Kosten anderer zu leben, oder sind diese Menschen selbst in Not?

Int-Veen: Auch das ist sehr unterschiedlich, aber alle haben eins gemeinsam: Sie haben ihr Leben nicht richtig im Griff. Ich hoffe, wir können einen kleinen Anstoß dazu geben, ihre Probleme anzugehen, ohne dass andere Leute darunter leiden müssen.

Konnten Sie etwas über das Schicksal der Mietpreller erfahren?

Int-Veen: Ja, ich habe mehr über ihre Schicksale erfahren, als ich gedacht habe. Ich habe zum Beispiel eine Familie kennengelernt, die durch die Krankheit des Vaters den sozialen Abstieg erleben musste, einen jungen Mann, der durch eine Kindheit in einem sozialen Brennpunkt keine Perspektive hat und es nicht schafft, ein geregeltes Leben zu führen. Aber auch ein junges Paar aus gutem Hause, das über vermeintlich kleinere Probleme den Blick aufs Wesentliche verloren hat.

Wie schätzen Sie es ein, dass die Leute, die dreckige Wohnungen hinterlassen, im Fernsehen vorgeführt werden?

Int-Veen: Auch wenn diese Leute alle ihre eigenen Probleme haben, haben sie nicht das Recht, Eigentum anderer in solch desolatem Zustand zu hinterlassen und sich aus dem Staub zu machen. Wir reden ja hier nicht von Messies. Das hat auch nichts mit Vorführen zu tun, denn wer seine Zustimmung nicht gibt, wird auch nicht vollständig gezeigt oder mit Namen genannt.

Wie haben Sie den Fall der alleinerziehenden Mutter in Echte erlebt?

Int-Veen: Die Vermieterin Martina Bentivenga und ihre beiden Söhne haben mir sehr leid getan, und da die Mutter mit ihren Kräften am Ende war, wollte ich unbedingt helfen. Während der Suche nach den Mietprellern und vielen langen Gesprächen mit ihnen habe ich ein Auf und Ab der Gefühle erlebt. Denn auch diese Familie braucht Unterstützung, schon allein wegen ihrer Kinder, die nicht im Dreck aufwachsen sollen. So etwas darf es in unserem sogenannten Sozialstaat einfach nicht geben.

Von Claudia Hempel

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