In Deutschland "eingeschleppt"

800 neue Tier- und Pflanzenarten

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Den Halsbandsittich gab es ursprünglich nicht in Deutschland.

Bonn - Grellgrüne Sittiche, Waschbären und Flamingos: In den vergangenen Jahrzehnten haben sich in Deutschland über 800 neue Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Das birgt aber auch Gefahren.

Ulrike Stöffler hat schon vielen Freunden und Kollegen von dem Erlebnis erzählt: Als sie diesen Sommer in der Uckermark Urlaub machte, gab es jeden Morgen, wenn sie zum Auto ging, ein heftiges Zischen aus einem Baum. Dort saßen drei junge Waschbären - und fühlten sich von den ungewohnten Geräuschen hörbar gestört.

Die Waschbären sind die wohl bekanntesten Neobiota in Deutschland. Mit diesem Begriff werden gebietsfremde Arten beschrieben, die eingeschleppt oder ausgesetzt worden sind. Häufig stammen sie aus weit entfernten Ländern mit jedoch ähnlichen Klimaverhältnissen. Manchmal aber etablieren sie sich sogar dann, wenn die klimatischen Bedingungen deutlich andere sind: So bringt im Münsterland eine kleine Kolonie von etwa 20 Flamingos Farbe in die Landschaft. Wahrscheinlich sind die ersten aus einem Zoo ausgebüxt.

Hätten Sie es gewusst? So alt werden Tiere

Ameisen werden bis zu sieben Jahre alt. © dpa
Bären werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Eintagsfliegen werden nur einen Tag alt. © dpa
Elefanten werden bis zu 85 Jahre alt. © dpa
Enten werden bis zu 22 Jahre alt. © dpa
Füchse werden bis zu 15 Jahre alt © dpa
Hirsche werden bis zu 35 Jahre alt. © dpa
Hunde werden bis zu 15 Jahre alt. © dpa
Kakadus werden bis zu 100 Jahre alt © dpa
Kanarienvögel werden bis zu 22 Jahre alt. © dpa
Karpfen werden bis zu 120 Jahre alt. © dpa
Katzen werden bis zu 15 Jahre alt © dpa
Kröten werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Krokodile werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Löwen werden bis zu 35 Jahre alt © dpa
Maikäfer werden bis zu sechs Wochen alt. © dpa
Mäuse werden bis zu drei Jahre alt. © dpa
Nashörner werden bis zu 50 Jahre alt. © dpa
Pferde werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Regenwürmer werden bis zu zehn Jahre alt. © dpa
Riesenschildkröten werden bis zu 180 Jahre alt. © dpa
Schimpansen werden bis zu 40 Jahre alt. © dpa
Manche Schmetterlinge werden nur einen Tag alt. © dpa
Steinadler werden bis zu 100 Jahre alt. © dpa
Uhus werden bis zu 70 Jahre alt. © dpa
Wale werden bis zu 120 Jahre alt. © dpa
Wespen werden bis zu einem Jahr alt. © dpa
Wildgänse werden bis zu 80 Jahre alt. © dpa

Die deutschen Waschbären sind zum Teil Nachkommen zweier Pärchen, die 1934 am hessischen Edersee ausgesetzt wurden. Andere sind die Kindeskinder einiger Waschbären, die 1945 entwischten, als eine Pelztierfarm bei Berlin von einer Fliegerbombe getroffen wurde. Mittlerweile wird ihr Bestand in Deutschland auf eine halbe Million geschätzt - in der letzten Jagdsaison wurden 70 000 zur Strecke gebracht.

Denn die Kleinbären, von Natur aus ausgestattet mit feingliedrigen Pfoten und einer schwarzen Zorro-Maske im Gesicht, brechen auf der Suche nach Nahrung sogar in Häuser ein. Sie verwüsten Dachböden, plündern Obstbäume und entriegeln Mülltonnenboxen. Außerdem dezimieren sie die Bestände von Sumpfschildkröten, Graureihern und Uhus, wie der Deutsche Jagdschutzverband auflistet.

Auch andere Neobiota stoßen nicht nur auf Gegenliebe. Halsbandsittiche sind mit ihrem grünen Gefieder und roten Schnabel zwar schön anzusehen, machen aber Krach - auch in der Nacht. „Das Gezwitscher ist wirklich ohrenbetäubend“, beschwert sich Jakob Kieseyer aus Köln. „Ich habe immer eine Wasserpistole bereitliegen.“

Nach einer Studie der Umweltstiftung WWF reisen allein in Ballastwassertanks von Schiffen jeden Tag etwa 7000 Arten rund um den Globus und dringen in Ökosysteme ein, „die den Neuankömmlingen mangels natürlicher Feinde schutzlos ausgeliefert sind“. Dabei verursachen diese blinden Passagiere den Angaben zufolge Schäden von jährlich fast 36 Milliarden Euro. Vor allem die Fischerei, aber auch Wasserversorger und Hafenbetreiber leiden unter den invasiven Arten.

So zerstört die chinesische Wollhandkrabbe laut WWF allein in Deutschland Flussufer, Fischereiausrüstung und industrielle Infrastruktur im Schätzwert von 80 Millionen Euro.

„Die pazifische Auster in der Nordsee ist an einigen Stellen mittlerweile zu einem großen Problem geworden, weil die Miesmuschel-Bänke überwuchert werden und insofern nicht nur die Art ein Problem bekommt, sondern für den Menschen auch eine Art wegfällt, die genutzt werden kann“, erläutert Magnus Wessel, Leiter Naturschutzpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Dabei gehe es nicht nur um Geld, sagt Volker Homes, WWF-Leiter Artenschutz. „Eine Art hat auch einen ethischen Wert.“

Wichtig sei in jedem Fall, die neuen Arten genau zu beobachten, betonen WWF, BUND und das Bundesamt für Naturschutz in Bonn. Und noch wichtiger sei es, zu verhindern, dass noch mehr Arten unkontrolliert ins Land kämen. Da sei jeder - ob als Anpflanzer im heimischen Garten oder als Urlauber in exotischen Ländern - in der Pflicht.

dpa

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