Neuer Fall Kampusch in Österreich?

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Im Alter von 16 Jahren ist Julia Kührer am 27. Juni 2006 aus Pulkau (Niederösterreich) spurlos verschwunden.

Pulkau - Ein Teenager-Drama beschäftigt Österreich: Lebt die seit vier Jahren verschwundene Julia Kührer (damals 16) noch? Oder wurde sie ermordet? Jetzt gab es mehrere Razzien mit Leichenspürhunden und drei Festnahmen.

Am 27. Juni 2006 verschwand Julia Kührer aus dem niederösterreichischen Örtchen Pulkau (1.568 Einwohner). Seitdem fehlt von dem Teenager-Mädchen jede Spur. Doch nun kommt Bewegung in den mysteriösen Fall, der an die Entführung von Natascha Kampusch erinnert (floh 2006 nach acht Jahren Gefangenschaft aus einem Haus in Wien).

Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern

Die neunjährige Corinna wurde am 29.07.2009 tot in einem Seitenarm des Flusses Mulde unweit ihres Elternhauses in Eilenburg gefunden. Sie fiel vermutlich einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Die Ermittlungen dauern noch an. © ap
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der neunjährige Dennis aus Scharmbeckstotel wurde am 05. September 2001 aus dem Schullandheim Wulsbüttel entführt. Am 19.09.2001 wurde die Leiche von Dennis in einem Waldstück bei Kirchtimke entdeckt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Michelle aus Leipzig wurde am 17. August 2008 auf dem Heimweg entführt. Am 21. August wurde ihre Leiche in einem Teich gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der heute 73-Jährige Josef Fritzl hielt seine Tochter Elisabeth Jahrzehnte in einem Kellerverlies unter seinem Haus gefangen. Immer wieder vergewaltigte er sie und zeugte in der Zeit mit ihr sieben Kinder. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In diesem Kellerverlies wurden die Opfer von Fritzl gefangen gehalten. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Im Jahr 2006 gelang Natascha Kampusch die Flucht von ihrem Peiniger Wolfgang Priklopil. Er begann daraufhin Selbstmord. © dpa
Die 6-jaehrige Ayla aus Zwickau wurde 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen worden.
Die sechsjährige Ayla aus Zwickau wurde am 17. Mai 2005 in der Naehe ihrer Wohnung von einem Mann in ein Auto gezogen, sexuell missbraucht und ermordet.. © dpa
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden.
Der Mörder von Ayla, Michael L. hat die Tat wenig später gestanden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Der jüngste traurige Fall: Die achtjährige Kardelen aus Paderborn wurde seit 12. Januar 2009 vermisst. Vier Tage später die traurige Gewissheit. Kardelen wurde sexuell missbraucht und getötet. © dpa
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden.
Die zehnjährige Adelina aus Bremen verschwand am 26. Juni 2001 nach dem Besuch beim Ur-Großvater. Ihre Leiche wurde später in einem Wald gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die achtjährige Levke aus Cuxhaven wurde seit dem 6. Mai 2004 vermisst. Dreieinhalb Monate später wird ihre Leiche in einem Waldstück in Attendorn gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Die vier Jahre alte Madeleine McCann war am 3. Mai 2007 spurlos aus einer Ferienwohnung in Südportugal verschwunden. Bis heute ist der Fall ungelöst. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Gestanden hat der Mörder des neunjährigen Mitja vor Gericht in Leipzig. Der damals 43-Jährige hat den neunjährigen Buben mit in seine Wohnung genommen, vergewaltigt und erdrosselt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
Immer noch auf freiem Fuß sind die Täter, die das Leben des damals fünfjährigen Pascal auf dem Gewissen haben. Der Bub wurde 2001 in einer Kneipe in Saarbrücken vergewaltigt und erstickt. Seine Leiche wurde nie gefunden. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In Riekofen im Landkreis Regensburg wird 2007 bekannt, dass der örtliche Pfarrer sich an einem Kind vergangen haben soll. Wie sich herausstellte war es nicht der erste Fall: Der Geistliche war bereits wegen sexuellen Missbrauchs vorbestraft. Das Ordinariat schweigt zu den Vorwürfen. © dpa
Am 15. September 1981 wird die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt.
Am 15. September 1981 wurde die zehnjährige Ursula Herrmann aus Eching am Ammersee entführt. © dpa
Grausame Fälle: Verbrechen an Kindern
In dieser Kiste wurde sie von dem Täter gesteckt, in der sie qualvoll erstickte. © dpa

Am frühen Montagmorgen stürmten laut der österreichischen "Kleinen Zeitung" 50 Beamte der Elite-Spezialeinheit Cobra mehrere Objekte im niederösterreichischen Waldviertel (nahe Tschechien).  Bei den Razzien klickten die Handschellen für zwei Männer und eine Frau. Wie Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg gegenüber dem Blatt erklärte, nahmen die Elite-Polizisten "drei Personen aus dem Umfeld" der vermissten Julia fest.

Genaueres berichtet die Nachrichtenseite "heute.at": Bei den Festgenommenen soll es sich um Martin H. (24) sowie seine Exfreundin Tamara K. (26) und ihren Bruder Jürgen (21) handeln. Sie sollen die vermisste Schülerin mit Haschisch beliefert haben. Laut Staatsanwaltschaft sollen sie auch wichtige Hinweise verschwiegen haben, die zur Aufklärung von Julias Verschwinden hätten beitragen können.

Elite-Polizist bei Razzia verletzt

Bei der Razzia soll auch ein Elite-Polizist verletzt worden sein. Der Schäferhund von Martin H. hatte laut "heute.at" zugebissen, als ein Cobra-Beamter mit Kollegen in dessen Wohnung stürmte. Die Beamten mussten das Tier erschießen.

Nun ermittlelt die Polizei wegen "Verdacht auf Freiheitsentzug", so Friedrich Köhl von der Staatsanwaltschaft Korneuburg zur "Kleinen Zeitung". Im Bundeskriminalamt in Wien wurden die Festgenommenen noch am Montag stundenlang verhört. Im Laufe des heutigen Dienstags wird sich entscheiden, ob das Trio in Untersuchungshaft kommt.

Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, soll es neben der Groß-Razzia noch weitere Suchaktionen nach Julia gegeben haben. Auch Leichenspürhunde sollen am Montag im Einsatz gewesen sein.

Verschiedene Gerüchte über Julias Verschwinden

Bis heute wissen die Ermittler nicht, ob Julia noch am Leben ist. Nun werden laut "heute.at" verschiedene Gerüchte über ihr Veschwinden diskutiert: Möglicherweise haben die Festgenommenen die Schülerin im Juni 2006 zu Tamaras Geburtstagsparty eingeladen. Als sie dort mit Drogen experimentierten, könnte Julia an einer Überdosis gestorben sein. Anschließend haben die drei Verdächtigen die Tote möglicherweise verscharrt.

Allerdings könnte Julia auch einer Beziehungstat zum Opfer gefallen sein. Auch dazu könnte das Trio Näheres wissen.

Verhöre und Hausdurchsuchungen sollen nun klären, was mit Julia passiert ist. Erst vor Monaten wurde der bereits zu den Akten gelegte Fall neu aufgerollt. Spezial-Ermittler einer sogenannten Cold-Case-Gruppe beim österreichischen Innenministerium konzentrieren sich seit Ende Januar auf den Fall Kührer, erklärt BKA-Sprecher Alexander Marakovits gegenüber der "Kleinen Zeitung".

Julias Eltern haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass ihre Tochter noch lebt. Jedoch sagt ihre Mutter Brigitte Kührer zu "heute.at": „Ich habe seit Längerem das Gefühl, dass es ihr sehr, sehr schlecht geht.“

fro

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