Seit über einer Woche verschwunden

Verschollenes U-Boot: Marine hat Hoffnung auf Überlebende aufgegeben

+
Eine Frau steht trauernd an einem Zaun vor dem Gelände der Marinebasis in Mar del Plata. Menschen haben Plakate mit Fotos der Besatzungsmitglieder des verschollenen argentinischen U-Boots "ARA San Juan" und Texten angebracht.

Die Hoffnung ist verloren. Das U-Boot „ARA San Juan“ ist seit über einer Woche verschollen. Die Marine glaubt nicht mehr, dass es noch Überlebende gibt.

Update vom 24.11.2017 um 20.22 Uhr: 

Nach den jüngsten Erkenntnissen zu einer mutmaßlichen Explosion an Bord des seit über einer Woche verschollenen U-Boots "ARA San Juan" hat die argentinische Marine alle Hoffnung verloren, die 44 Besatzungsmitglieder noch lebend bergen zu können. Es gehe nun darum, die "ARA San Juan" auf dem Meeresboden zu finden, sagte Marinesprecher Enrique Balbi am Freitag. Bei den Angehörigen der Besatzungsmitglieder schlug die Hoffnung daraufhin in Wut um. Sie warfen der Marine unter anderem eine unzureichende Informationspolitik vor. Zudem glauben sie, dass das U-Boot in schlechtem Zustand gewesen sei. Marinesprecher Balbi sagte dazu, niemand würde ein U-Boot in See stechen lassen, "das seeuntauglich ist". Argentiniens Präsident Mauricio Macri warnte vor vorschnellen Schlüssen und Schuldzuweisungen. Es werde eine "ernsthafte Untersuchung" geben, um herauszufinden, "wie ein komplett fahrtüchtiges U-Boot offenbar Opfer einer Explosion werden konnte", sagte Macri in einer kurzen Rede am Sitz der argentinischen Marine. Dabei könne sein Land mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und deren technologische Expertise rechnen. Vor jeglichen Rückschlüssen müsse Gewissheit herrschen, "was genau geschehen ist", mahnte er. Argentinische Zeitungen hatten zuvor berichtet, dass Macris Mitte-rechts-Regierung bereits die Entlassung von Marine-Chef Marcelo Srur plane. Die Regierung denke über einen Wechsel der Marine-Führung nach, berichtete die einflussreiche Zeitung "Clarín" am Freitag. Sie werfe der Marine im Fall der "ARA San Juan" Nachlässigkeit vor und glaube, dass diese die Situation schlecht gehandhabt habe. Unter anderem dauerte es den Zeitungen zufolge fünf Tage, bis die Marine das Verteidigungsministerium über die Batterie-Probleme des U-Boots informierte.

Update vom 24.11.2017: Auch wenn die Hoffnung mit jeder vergehenden Stunde schwindet: Die Suche nach dem verschollenen argentinischen U-Boot geht nach Angaben der Marine weiter. Sechs Schiffe und drei Flugzeuge mit speziellen Suchgeräten sind in einem Gebiet mit einem Durchmesser von etwa 125 Kilometern im Südatlantik im Einsatz. Ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug und ein Mini-U-Boot der US-Navy sollen den Meeresgrund bis auf eine Tiefe von 600 Metern auskundschaften. Zahlreiche weitere Schiffe und Flugzeuge aus 13 Ländern nehmen an der Suchaktion teil. Das kündigte Sprecher Enrique Balbi am Freitag in Buenos Aires an. 

Update vom 23.11.2017 um 16.15 Uhr: Am Tag des Verschwindens des argentinischen U-Bootes hat es im Meer eine Explosion gegeben. Die argentinische Marine teilte am Donnerstag mit, das verdächtige Geräusch im Gebiet der letzten bekannten Position des U-Bootes sei typisch für eine "Explosion" gewesen. Marine-Sprecher Enrique Balbi hatte sich zuvor noch nicht auf eine Explosion festlegen wollen. Nun erklärte Balbi, es habe sich um ein "anormales Ereignis, einmalig, kurz, stark und nicht-nuklear" gehandelt, das zu einer "Explosion" passe.

Artikel vom 23.11.2017: Eine neue Spur im Fall des vermissten U-Boots

Bei der Suche nach dem seit über einer Woche verschollenen argentinischen U-Boot und seiner 44-köpfigen Besatzung gehen die Rettungsteams jetzt einer neuen Spur nach. Kurz nach der letzten Funkverbindung der „ARA San Juan“ ist nach Angaben der Marine eine „hydroakustische Anomalie“ registriert worden. Das ungewöhnliche Geräusch sei am 15. November im Südatlantik auf der vorgesehenen Route des U-Boots aufgezeichnet worden, sagte am Mittwochabend (Ortszeit) Marinesprecher Enrique Balbi.

Der neue „offizielle Hinweis“ sei an diesem Mittwoch der argentinischen Marine von einem US-Institut weitergeleitet worden. An der Suche beteiligte Schiffe seien inzwischen zu diesem Standort im Südatlantik unterwegs. Balbi wollte sich nicht an Spekulationen beteiligen, ob diese „hydroakustische Anomalie“ möglicherweise ein Hinweis auf eine Explosion an Bord des U-Boots sein könnte.

Der Kapitän der „ARA San Juan“ hatte am 15. November über Funk gemeldet, dass es an Bord einen Kurzschluss im Batterie-Anlage gegeben habe. Die Panne sei jedoch behoben worden, hieß es in dieser letzten Verbindung mit dem U-Boot.

Sauerstoff an Bord hätte noch bis maximal Mittwoch gereicht

Die akustische Anomalie sei rund 30 Seemeilen (55,5 km) nördlich vom Ort der letzten Funkverbindung und etwa zweieinhalb Stunden nach der Kommunikation verzeichnet worden, sagte der Marinesprecher. Das U-Boot befand sich auf der Fahrt nordwärts von Ushuaia auf Feuerland zu seinem Heimathafen Mar del Plata, 400 Kilometer südlich von Buenos Aires. Nach den Berechnungen von Experten hätte der Sauerstoff an Bord des U-Boots bis maximal Mittwoch gereicht, wenn es seit der letzten Funkmeldung nicht mehr an der Wasseroberfläche war.

Das norwegische Schiff „Skandi Patagonia“ mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug (ROV) und weiterer Ausstattung der US-Navy zur Tiefseebergung an Bord wird in der Gegend erwartet, in der das verschollene U-Boot vermutet wird. Ein weiteres Schiff soll mit einem Mini-U-Boot an Bord folgen, das ebenfalls von der US-Marine für eventuelle Bergungsversuche am Meeresgrund eingesetzt werden soll.

US-Präsident Donald Trump drückte per Twitter seine Unterstützung aus. „Ich habe schon vor längerem den Befehl gegeben, Argentinien bei der Such- und Rettungsaktion für das vermisste U-Boot zu unterstützen“, twitterte Trump am Mittwochabend (Ortszeit). „45 Mann an Bord und nur noch wenig Zeit. Möge Gott mit ihnen und den Menschen in Argentinien sein!“ Auch Russlands Staatschef Wladimir Putin bot am Mittwoch in einem Gespräch mit seinem argentinischen Kollegen Mauricio Macri Unterstützung an.

Trotz des Aufgebots von 14 Schiffen und zehn Flugzeugen aus mehreren Ländern, mit einem Einsatz von insgesamt 4000 Menschen, haben sich bislang alle Hinweise auf den Verbleib der „ARA San Juan“ als falsche Spuren erwiesen. Unerklärt ist auch, weshalb das U-Boot keines seiner Notsignale abgegeben hat.

Die „ARA San Juan“, ein U-Boot des Typs TR 1700, wurde von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 der argentinischen Kriegsmarine übergeben.

dpa, afp

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.